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Die richtige Balance zwischen der Perspektive Brüssels und der Wahrnehmung auf Seiten der Mitgliedstaaten zu finden, ist von großer Bedeutung bei der Vermittlung der EU-Politik. Blogs und Videos entwickeln sich zu immer beliebteren Instrumenten der Online-Kommunikation. Dies zeigte eine von EurActiv durchgeführte Umfrage.
Die Verbände-Umfrage wurde im Sommer 2007 von EurActiv – in Zusammenarbeit mit Kellen Europe – als Online-Umfrage durchgeführt. Sie stand allen 27 EU-Mitgliedstaaten offen. Dennoch sind die Ergebnisse lediglich indikativ und die Mehrheit der 294 Umfrageteilnehmer stammte aus der EU-15.
An den EU-Institutionen wird oft kritisiert, dass sie zu weit von den Leben der Bürger entfernt seien, in deren Dienst sie stehen. Das Internet wird von allen Stakeholdern als ein wertvolles Instrument erachtet, um den Bürgern das politische Geschehen innerhalb der Union näher zu bringen (EurActiv vom 27. Fabruar 2008).
Die Kommission legte im Dezember 2007 ihre neue Internet-Strategie
vor. Sie beabsichtigt, die Bürger einzubeziehen, indem EU-Aktivitäten über das Internet vermittelt werden. Weiterhin hat sie im Oktober 2007 eine Initiative
„Partnerschaft für die Kommunikation über Europa“ ins Leben gerufen. Mit dieser soll die Zusammenarbeit zwischen EU-Institutionen und nationalen Regierungen bei der Vermittlung der EU-Politik gestärkt werden.
Die Umfrage
wurde am 28. Februar 2008 während einer von Kellen Europe organisierten Konferenz
zum Thema ‚Euro-Konferenz: Ihren Verband auf die nächste Ebene führen’ (Originaltitel: „Euroconference: Taking your association to the next level”) vorgestellt. Aus dieser ging hervor, dass mehr und mehr Stakeholder auf EU-Ebene innovative Kommunikationsinstrumente – einschließlich Online-Video, Blogs und RSS-Feed – nutzen, um ihre traditionellen Methoden zu ergänzen.
Insbesondere glauben die Verbände, dass Online-Videos einen höheren Mehrwert hätten (45%) als Blogs oder Möglichkeiten bei der Syndikation von Inhalten, wie die automatische Integration von Text oder RSS-Feeds. Mehr als drei Viertel der Befragten sagten, sie seien mit Online-Videos vertraut (80%). Nur zwölf Prozent nutzen diese jedoch zur externen Kommunikation. 28% gaben an, sie planten, Online-Videos noch in diesem Jahr oder später zu verwenden.
Die Ergebnisse zeigen ebenfalls einen Anstieg der Beliebtheit von Blogs. Deren Verwendung durch Verbände verdreifachte sich innerhalb eines Jahres (zwischen 2006 und 2007). 32% gaben nun an, dass Blogs ihren Kommunikationsstrategien eine Mehrwert zufügten (siehe Links Dossier). Nicht nur sind 60% der Befragte mit Blogs vertraut, auch werden sie von fast der Hälfte (47%) gelegentlich gelesen und weitere acht Prozent lesen sie häufig (fünf Prozent schreiben ihren eigenen Blog).
Optionen der Inhalts-Syndikation werden von den Verbänden weniger häufig genutzt: Nur 16% der Befragten sagten, sie nutzten bereits eine automatische Integration von Text oder RSS-Feeds. Dies könnte sich jedoch künftig ändern, da ein Fünftel beabsichtigt, dies in diesem Jahr oder später zu nutzen. Nur etwas mehr als ein Drittel ist der Meinung, dass RSS einen Mehrwert für ihre Strategien biete.
Die meisten Verbände (72%) bevorzugen, einen ausgewogenen Fokus zwischen Brüssel und den nationalen Hauptstädten zu entwickeln, wenn sie das Bewusstsein für politische Fragen steigern wollen. Die Teilnehmer haben mit überragender Mehrheit (93%) betont, über eine aktuelle Internetseite zu verfügen, habe für die Kommunikation mit Entscheidungsträgern eine enorme Bedeutung. Die Hälfte der Befragten konsultiert Beratungsunternehmen, um ihre Position bekannt zu machen.
Auch wenn die Internetseiten der Kommission und des Parlaments für die Verbände wichtige Quellen für Informationen über EU-Politik darstellen, zeigen die Ergebnisse, dass nationale Zeitungen und Webseiten bei der Verbreitung von Informationen noch immer eine große Rolle spielen. EurActiv aus dieser Frage ausgenommen, ist BBC Online die meistgenutzte Internetseite zu EU-Angelegenheiten. Die Beliebtheit von Google News nimmt rapide zu.
Schließlich betonten die Ergebnisse die Bedeutung einer mehrsprachigen Berichterstattung. Mehr als die Hälfte der Verbände nannten die Sprachenauswahl den wertvollsten Aspekt des aus mehreren Ländern bestehenden Netzwerks von EurActiv.
Dan Luca, PR-Direktor bei EurActiv, sagte „etwa ein Drittel der Verbände erachten neue Medieninstrumente als einen Mehrwert für ihre externe Kommunikation“.
Nele Devolder von Kellen Europe sagte, dass Verbände sich bewusst seien, dass Probleme zunehmend globaler würden und von einem Kontinent zum anderen wanderten. Sie fügte hinzu, dies gelte für Regulierungs- und Gesetzesfragen ebenso wie für Innovationen. Daher müssten die Mitglieder einer Vereinigung sich der Entwicklung globaler Fragen bewusst sein, auch wenn sie auf lokaler Ebene tätig seien.
Goranka Krošelj, Zuständige für Beziehungen zum Europäischen Parlament bei der Ständigen Vertretung Sloweniens bei der EU, sagte der Euroconference, dass sich die Herausforderungen bei der Interessenvertretung für eine Ständige Repräsentation stark von denen eines Industrieverbands oder eines Unternehmens unterscheide. Es sei von großer Bedeutung, möglichst Einfluss auf nationale Behörde zu nehmen, da mit dem wachsenden Einsatz von Mitentscheidungsverfahren auch die Notwendigkeit steige, dass man seine Interessen in den Mitgliedstaaten verbreite.
Daniel Karam, Direktor von EICTA, dem Vertreter der IKT- und Elektronikindustrien in Europa, sagte, die Notwendigkeit einer weitgehenden Einigkeit unter den Industrien könne zu abgeschwächten Positionen führen. Dies sei ein ernsthaftes Problem, da die Verbändelandschaft in Brüssel in naher Zukunft nicht einfacher werden werde. Karam warnte, es könne in Brüssel passieren, dass man mit einem anderen Verband verwechselt werde, da es hunderte von Verbänden gebe, oft mit gleichen oder ähnlichen Interessen.
Bill Duncan, Moderator der Konferenz und Manager von Advizors.eu, sagte, wenn man eine politische Position formuliere, sei es von großer Bedeutung, Daten zur Verfügung zu stellen, wenn man seine Meinung verbreiten und deren Bedeutung belegen wolle. Organisationen wie BusinessEurope seien zu umfassend und vermittelten der Kommission nichts, was sie nicht schon wisse.
Delia Villagrossa, Beraterin im Europabüro des WWF, betonte die Bedeutung, klare Informationen und nicht bloß Meinungen zur Verfügung zu stellen. Sie sagte, die Herausforderung auf EU-Ebene bestehe darin, die richtige Gesetzgebung zu erarbeiten. Auf nationaler Ebene sei die Herausforderung demgegenüber, sicherstellen, dass die Gesetzgebung umgesetzt werde.
Sylvain Lhôte, Leiter für Europäische Angelegenheiten bei Borealis, einem Unternehmen des Plastiksektors (Polyolefine), sagte, die Herausforderung für ein mittelgroßes Unternehmen sei, sich einen Weg durch das Dickicht der zahlreichen Akteure auf EU-Ebene zu schlagen. Brüssel sei nicht die EU. Er führte Veränderungen für die Interessenvertretung auf EU-Ebene an, die bedeuteten, dass Brüssel die Summe aller Einigungen sei, die auf nationaler Ebene umgesetzt würden.