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Ashton übersteht mühelos parlamentarische Anhörung [DE]

Veröffentlicht 12. Januar 2010 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Catherine Ashton, die neue außenpolitische Chefin der EU, bestand gestern (11. Januar) mühelos ihre Anhörung vor dem Europäischen Parlament und machte damit den Weg für ihre Bestätigung bei der Abstimmung über die gesamte neue Europäische Kommission Ende dieses Monats frei.

Die britische designierte Kommissarin für Außenbeziehungen war während der dreistündigen Anhörung im Parlament in Brüssel schwierigen Fragen ausgesetzt, vermied jedoch größere Fallstricke, wenngleich sie ihr Publikum nicht begeistern konnte.

Ashton wurde durch das Format der Anhörung geholfen, wodurch sie gezwungen wurde, Fragen in höchstens einer oder zwei Minuten zu beantworten. Dies half ihr, nicht über die Einzelheiten so manch heikler Themen wie dem Iran oder dem Nahen Osten zu stolpern.

Die Europäische Kommission wird am 26. Januar als Ganzes zur Abstimmung stehen und es scheint so, als ob Ashtons angemessene Leistung ihr einen Platz in der neuen Mannschaft sichern wird.

Auf Fragen von Abgeordneten des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten betonte die designierte britische Kommissarin, dass sie bei außenpolitischen Themen wie Afghanistan und den Beziehungen mit Russland eng mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten werde.

Sie sagte, Europa müsse auf der Weltbühne mit „einer Stimme sprechen“. Sie betonte jedoch, dass alle an der Formulierung der Außenpolitik beteiligten Akteure – der Präsident der Europäischen Kommission, der neue ständige EU-Präsident, die rotierende Ratspräsidentschaft und die Mitgliedsstaaten – ein Mitspracherecht haben sollten. „Wer auch immer spricht, es sollte mit einer Stimme geschehen“, sagte sie und versuchte Kritik zu zerstreuen, dass die EU-Diplomatie nach dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags sogar noch komplexer geworden sei.

Kooperativer Ansatz im Nahen Osten

Ashton gelang es, klare Kritik an ihrem Ansatz im Nahen Osten zu umgehen, indem sie auf die „unglaublich schwierige“ dortige Situation hinwies und sagte, sie werde keine voreilige Lösung anstreben.

Die Britin hatte hitzige Kommentare ausgelöst, als sie letzten Monat Israel zur Beendigung der „diskriminierenden“ Behandlung der Palästinenser in Ostjerusalem aufrief und Jerusalem als Hauptstadt eines israelischen sowie eines palästinensischen Staates forderte (EurActiv vom 9. Dezember 2009).

Sie sagte, sie habe US-Außenministerin Hilary Clinton zum Thema kontaktiert. „Ich habe das Gespräch begonnen, aber wir müssen die Lösungen noch zusammensetzen“, sagte sie und betonte, dass dies in enger Zusammenarbeit mit den EU-Partnern in der Region geschehen müsse.

Sie hatte zuvor ihre Absicht signalisiert, bald nach ihrer Bestätigung in den Nahen Osten zu reisen und den palästinensisch-israelischen Konflikt ganz oben auf die EU-Tagesordnung zu setzen.

Die Union für das Mittelmeer, ein von der französischen Ratspräsidentschaft eingeführtes Projekt zur Einbeziehung der Mittelmeerländer, müsse im weiteren Kontext der EU-Nachbarschaftspolitik verstanden werden, sagte Ashton. Sie bestätigte, dass die Initiative es bisher schwer gehabt habe und bisher wenig erreicht habe. 

Afghanistan 

Auf die Frage des konservativen Abgeordneten Geoffrey Van Orden gab Ashton zu, nicht genau zu wissen, wie viel Geld die EU für Afghanistan im Jahr 2010 vorgesehen habe.

Sie betonte jedoch, es sei „absolut entscheidend“, dass die EU im konfliktgeprägten Land involviert bleibe, auch ohne militärische Mittel. „Unsere Rolle mag vielleicht nicht militärisch sein“, sagte sie – die EU solle sich jedoch auch Bereiche anschauen, in denen sie durch eine Zusammenarbeit von Mitgliedstaaten, die dorthin Truppen entsenden, einen Mehrwert schaffen könnte.

Verteidigung der Menschenrechte

Die Britin wies Anschuldigungen zurück, sie sei zu weich beim Umgang mit Menschenrechtsproblemen in Ländern wie China, Iran oder Russland und würde eine Politik der „stillen Diplomatie“ anstatt Entschlossenheit verfolgen.

„Gespräche ohne die volle Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit können wirksamer sein“, argumentierte sie und sagte, sie werde „keinen Moment lang“ über menschenrechtliche Themen bei Besuchen in anderen Staaten hinwegsehen.

„Lautstarke Äußerungen“ müssten nicht zum von der EU erwünschten Ergebnis führen. Menschenrechte seien universell und erforderten manchmal unterschiedliche Ansätze mit Bezug auf verschiedene Kulturen.

Gute Beziehungen zu Russland notwendig

Viele Fragen bezogen sich auf die EU-Beziehungen zu Russland, die von Spannungen über den Versuch Moskaus geprägt sind, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Osteuropa wieder eine „Einflusssphäre“ zu errichten.

In Bezug auf den kurzen Krieg Russlands mit Georgien im August 2008 und anderen „festgefahrenen Konflikten“ im Kaukasus sagte Ashton, Moskau sei in der Tat „das gemeinsame Thema“, da alle diese Länder einst der UdSSR angehörten.

Ashton sagte jedoch, dass die EU gute Beziehungen zu seinem großen Nachbarn erhalten müsse und fügte hinzu, dass sie versuchen werde, Probleme zu lösen „anstatt weitere zu schaffen“. „Wir brauchen enge Beziehungen zu Russland“, wiederholte Ashton.

Moldawien, eine ehemalige Sowjetrepublik mit einer großen russischen Minderheit, empfange mit 16 Euro pro Kopf die höchste EU-Hilfe.

Auf eine Frage zur Energiesicherheit sagte Ashton, die EU müsse hierbei die guten Beziehungen mit Moskau erhalten. „Ich habe eine Karte mit dem Pipeline-Netz bei mir“, sagte sie und fügte hinzu, dass die Lösung der Probleme der EU-Gasversorgung auch „sehr viel mit der Ukraine“ als wichtiges Transitland für russisches Gas nach Europa zu tun habe.

Flexibilität für den neuen diplomatischen Dienst der EU

Ashton forderte vom Parlament ‚Flexibilität’ für die Genehmigung des Budgets für den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD), einer durch den Lissabon-Vertrag entstandenen 6.000-Mann starken Behörde, der sie vorstehen wird.

Der neue Dienst, der nationale Diplomaten und europäische Beamten vereinen wird, wird ihr zufolge eine eigene Struktur unabhängig von der Europäischen Kommission sein. Zumindest „verstehe ich so den Vertrag“, erklärte sie.

Sie sagte, sie werde sicherstellen, dass die Strukturen geschaffen werden, um die Verwendung der Gelder zu sichern, forderte jedoch „Flexibilität im Haushalt, nicht um der Aufsicht [des Parlaments] zu entfliehen, sondern um auf veränderte Prioritäten zu reagieren." 

Sie lehnte jedoch Vorschläge zur Errichtung eines den USA ähnlichen Netzwerks von Sonderbeauftragten für bestimmte Länder oder Regionen ab, die vom Parlament genehmigt werden müssen. „Ich habe keine Pläne für Sonderbeauftragte in verschiedenen Ländern“, sagte sie und erklärte, sie sei nicht sicher, ob der Vertrag dies überhaupt zulasse.

Stellungnahmen: 

Im Namen der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), der größten Fraktion im Europäischen Parlament, sagte der Abgeordnete Elmar Brok (CDU, Deutschland), er sei „von der Leistung von Frau Ashton nicht begeistert“. Als Zeichen, dass die EVP dennoch bereit ist Ashton zu unterstützen, sagte er jedoch, die Anhörung „diene als Grundlage für unsere zukünftige Zusammenarbeit.“  

Insbesondere scheint Brok Ashtons Anerkennung der Rolle des Parlaments bei der Genehmigung des Haushalts für die EU-Außenpolitik gewürdigt zu haben. „Dies betrifft insbesondere die Schaffung eines Europäischen Auswärtigen Dienstes, dessen Haushalt und Personalstatut der Zustimmung des Europäischen Parlaments im Rahmen des Mitentscheidungsverfahrens bedürfen. Ohne die Zustimmung des Europäischen Parlaments wird es keinen Auswärtigen Dienst geben“, sagte Brok.

Charles Tannock, britischer konservativer Abgeordneter, sagte, Ashton habe ihre Leistung seit ihrem ersten Auftritt vor dem Parlament im Dezember verbessert.

„Sie hat sehr hart an der Meisterung der Kenntnisse der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik gearbeitet und ich denke, das wurde deutlich. Sie war eindeutig viel besser vorbereitet als beim letzten Mal“, sagte Tannock in einer Videobotschaft für die euroskeptische Fraktion der Konservativen und Reformer (EKR).

Tannock fügte hinzu, dass Ashton manchmal „sehr ausweichende Antworten“ gegeben habe und dass ihre Kenntnisse ziemlich oberflächlich seien und deutlich ihren Mangel an Erfahrung zeigten. „Sie hat sich verbessert und sie wird mit ihrem Job wachsen. Hoffentlich wird sie uns in Zukunft alle überraschen, wenn sie mit sogar noch mehr Erfahrung zurückkommt. Aber sie wird sicherlich nichts Erstaunliches vollbringen.“

„Ich würde sie bestehen lassen, aber ich muss dies noch mit meinen Kollegen in der Fraktion besprechen“, schloss Tannock. 

Die Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, welche Ashton in der Vergangenheit am meisten kritisiert hat, zeigte sich nach der Anhörung unbeeindruckt und warf Ashton ihre fehlende „politische Vision“ vor.

Die Grünen lobten Ashton dennoch für ihre Bereitschaft, NGOs und Menschenrechtsorganisation in den verschiedenen Weltregionen zu treffen und begrüßten ihre Absicht, das Parlament bei Haushaltsfragen bezüglich des Auswärtigen Dienstes einzubeziehen.

„Insgesamt können wir jedoch kein Engagement für die Entwicklung einer politischen Vision erkennen und es bleibt uns unklar, was sie in den kommenden fünf Jahren erreichen möchte“, schloss die Fraktion.

Oxfam, die internationale Entwicklungs-NGO, war von der Leistung Ashtons im Parlament nicht überzeugt. „Baroness Ashton hat noch nicht ihre Referenzen für einen grundlegenden Wandel gezeigt, den Europa braucht, um seinem Gewicht in der Welt gerecht zu werden. […] Ashton muss der Europäischen Union eine Vision geben, damit diese ihr Engagement in der Welt erhöht, aber ihre Antworten während der Anhörung haben keine solche Vision gezeigt“, sagte Elise Ford, Leiterin des EU-Büros von Oxfam International.

„Sofern bestätigt, wird Ashton in den kommenden fünf Jahren enormen Herausforderungen gegenüber stehen. […] Auch nach der Anhörung haben EU-Politiker, interessierte Bürger und zivilgesellschaftliche Organisationen immer noch mehr Fragen als Antworten, wenn es um die Pläne der Hohen Vertreterin für eine neue europäische Vision der Außenpolitik geht“, fügte Ford hinzu.

Nächste Schritte: 
  • 26 Jan. 2010: Parlament stimmt über die ganze Kommission ab.
Hintergrund : 

Catherine Ashton wurde auf dem Novembergipfel einhellig von den EU-Staats- und Regierungschefs für das Amt der EU-Chefin für Außenpolitik unterstützt (EurActiv vom 20. November 2009).

Baroness Ashton of Upholland, 1956 geboren, studierte Soziologie, bevor sie ihre Karriere in der britischen Politik begann und schließlich Vorsitzende der Labour-Partei im britischen Oberhaus wurde.

2008 wurde sie zur EU-Handelskommissarin ernannt (EurActiv vom 22. Oktober 2008).

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