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Belgische Präsidentschaft stellt Innovation ins Rampenlicht

Veröffentlicht 22. Juni 2010 - Aktualisiert 23. Juni 2010
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Die kurz vor Amtsantritt stehende belgische EU-Ratspräsidentschaft hat vor, den Herbstgipfel der EU der Innovationspolitik zu widmen, doch ein lang erwarteter Bericht von Präsident Van Rompuy zur wirtschaftlichen Führung soll langfristigere Strategien in den Schatten stellen.

Es wird erwartet, dass EU-Chefs einen neuen “Forschungs- und Innovationsplan” diskutieren, wenn sie im Herbst in Brüssel zusammen kommen. Der Fokus wird vermutlich auf geistigem Eigentum, Forschungsfinanzierung, Vergaberecht und Innovationsinfrastruktur liegen.

Die Endversion des Plans soll bei einem darauf folgendem Gipfel im Dezember angenommen werden, was den nationalen Industrien und Forschungsministern genügend Zeit geben würde, den Vorschlag der Kommission im Detail auszuarbeiten.

Es wird das erste Mal sein, dass ein EU-Gipfel der Innovationspolitik gewidmet wird, doch anhaltende Unstabilität in der Eurozone könnte das Thema auf der Tagesordnung nach unten verschieben – wie die griechische Schuldenkrise bereits das Rampenlicht der „Europa 2020“ Strategie für Beschäftigung auf dem Frühlingsgipfel der spanischen Ratspräsidentschaft gestohlen hatte.

Seit Forschungs- und Innovationskommissarin Máire Geoghegan-Quinn im Januar ihr Amt übernahm, ist intensiv an der Strategie gefeilt worden, während Forschungsminister die EU-Exekutive aufgefordert haben, der Frage Priorität einzuräumen, wie Innovation finanziert wird (EurActiv 28.05.10).

Konkurrenzfähigkeit wieder zur Toppriorität machen

Belgien ist Teil eines Trios von EU-Nationen, die die Agenda der ministeriellen Treffen während einer 18-monatigen Periode leiten. Im Rahmen eines Programms, das mit Spanien und Ungarn abgestimmt wurde, macht Belgien die Konkurrenzfähigkeit zu einer Schlüsselpriorität ihrer Amtszeit.

Fortschritt zu einem europäischen Patent und die Vervollständigung des Binnenmarkts – auf Basis eines Berichts des ehemaligen EU-Kommissars Mario Monti – wird im Zentrum ihrer Bemühungen stehen. Gleiches gilt für den Fokus der Überarbeitung von Industriepolitik.

Die „Europa 2020“-Wachstumsstrategie mit der Entwicklung von Hauptmärkten zu verbinden und Fälschungen zu bekämpfen, werden als prioritäre Bereiche des Trios gelistet und es wird erwartet, dass Belgien bei diesen Themen eine Führungsrolle übernimmt.

Forschung und Entwicklung (R&D) wird beim Herbstgipfel ins Rampenlicht gestellt werden, wenn Mitgliedsstaaten individuellen nationalen Zielen für Forschungsausgaben zustimmen sollen. Die Europäische Kommission will, dass Regierungen durchschnittlich drei Prozent des BIPs für R&D aufwenden, doch hoch entwickelte Mitgliedsstaaten werden höhere Ziele erwarten können als diejenigen mit traditionell niedrigen Investitionsniveaus.

Diplomatische Quellen sagen, dass Regierungen darauf bestanden haben, dass es kein Element der „geteilten Last“ geben wird in der Erreichung des von der Kommission vorgeschlagenen 3-Prozent-Ziels der Gemeinschaft – was bedeutet, dass der Durchschnitt der nationalen Ziele schließlich unterhalb der 3-Prozent-Grenze liegen wird.

Wird Van Rompuys Task Force das Scheinwerferlicht stehlen?

Trotz der Beteuerung, dass Innovation der Eckpfeiler der politischen Debatte im Herbst sein wird, verbleiben Fragen über die Fähigkeit der Regierungschefs, sich auf langfristige Ziele zu konzentrieren.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy soll die Ergebnisse seiner Task Force zur Wirtschaftsführung bei dem Herbstgipfel vorstellen, was zwangsläufig die Schlagzeilen im Oktober beherrschen wird.

Während der Abschiedsgipfel der spanischen Präsidentschaft letzte Woche (17. Juni) den „Europa 2020“ Plan absegnete, wurde ein Großteil der Energie für dringende wirtschaftliche Reformen aufgewendet. Falls die Belgier wollen, dass Innovation auf der Tagesordnung des nächsten Gipfels ganz oben steht, könnte es sein, dass sie darum werden kämpfen müssen.

Stellungnahmen: 

Nächste Schritte: 
  • 16 Sept.: Belgische Präsidentschaft hält ihren ersten informellen Gipfel ab
  • 28-29 Okt.: Herbstgipfel soll Innovationsstrategie und Van Rompuys Task Force Bericht debattieren.
  • 17 Dez.: EU-Chefs sollen Forschungs- und Innovationsplan der EU annehmen
Hintergrund : 

Innovation ist seit mehreren Jahren das politische Leitmotiv in Brüssel, was darin kulminierte, 2009 zum Europäischen Jahr für Kreativität und Innovation zu erklären (EYCI).

Die Politik in diesem Bereich war bis November 2009, als der Europäische Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Irin Máire Geoghegan-Quinn zur ersten EU-Innovationskommissarin ernannte, zwischen etwa einem Dutzend verschiedener Generaldirektionen aufgeteilt (EurActiv 30.11.09).

Die Idee, Innovationspolitik mehr in den Vordergrund zu rücken, wurde in Brüsseler Politikkreisen gut aufgenommen, doch die Verbindung des Innovationsportfolios mit dem bereits bestehenden Forschungsbereich provozierte einiges Naserümpfen (EurActiv 23.09.09).

Es wird erwartet, dass die EU-Exekutive rechtzeitig zum Herbstgipfel der EU-Chefs eine bedeutende neue Forschungs- und Innovationsstrategie veröffentlichen wird (EurActiv 18.03.10).

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