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Britische Ausnahmeregelung in EU-Wirtschaftsregierung

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Veröffentlicht 18. Juni 2010

Der britische Premierminister David Cameron sicherte sich eine Ausnahmeregelung zu weiterer wirtschaftlicher Integration und damit einen Sieg bei seinem ersten Gipfeltreffen in Brüssel gestern (17. Juni).

EU-Chefs einigten sich auf stärkere Überwachung und Koordination von nationalen Budgets, doch ein Deal zu Sanktionen für Länder in einer schwachen finanziellen Position wird nicht fertig gestellt werden, ehe eine hochrangige Task Force, von EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy angeführt, im Oktober berichten wird.

Cameron sagte, er hätte „ein eindeutiges Abkommen“ gesichert, dass besage, dass Londons wirtschaftliche Souveränität von keinen Änderungen, die beim nächsten EU-Gipfel beschlossen würden, betroffen wäre.

„Dieses Treffen hat sichergestellt, dass britische Auswege sicher sind“, sagte der neue Premierminister. Das Endergebnis für Großbritannien sei, dass „die Eurozone ihre Probleme lösen müsse“, fügte er hinzu.

Cameron betonte auch, dass Großbritannien sein Budget immer erst Westminster und dann Brüssel präsentieren würde. Dies ist eine Antwort auf Vorschläge der Europäischen Kommission, die nationalen Budgets im Vorlauf auf EU-Niveau prüfen zu lassen.

EU-Chefs erwarten Task Force Bericht

Die Van Rompuy Task Force wird prüfen, ob die Zurückhaltung von EU-Fonds eine Möglichkeit sein wird, sündige Regierungen zu bestrafen, während einem früheren französisch-deutschen Vorschlag, der vorsah, die Stimmrechte der Länder zeitweilig zu suspendieren, von anderen Mitgliedsstaaten mit Kälte begegnet wurde.

Es gab andauernde Besorgnisse unter Diplomaten über die praktischen Aspekte davon, Sanktionen zu verhängen. Manche befürchteten, dass finanzielle Strafen die wirtschaftlichen Probleme noch verstärken würden (EurActiv 17.06.10). 

In Brüssel schlug der französische Präsident Nicolas Sarkozy vor, strengere Sanktionen für Eurozonenmitglieder als für Staaten wie Großbritannien und Dänemark – die nicht an der Binnenwährung teilnehmen – zu verhängen. Dies würde dem neuen Regierungschef Großbritanniens gefallen können.

Sarkozy betonte außerdem, dass wirtschaftliche Entscheidungen in der EU „nicht föderal“ seien und dass die Praxis weiterhin „einstimmige Entscheidungsfindung“ unter Regierungs- und Staatschefs sei.

Die französische Position steht weiterhin der deutschen Sicht entgegen, die eine „Wirtschaftsregierung“ für alle EU-Mitgliedsstaaten und nicht nur Eurozonenmitglieder vorgeschlagen hatte.

Unter dem Beharren der deutschen Kanzlerin Angela Merkel verwarf Sarkozy seinen früheren Vorschlag, dass die EU-Wirtschaftsregierung lediglich mit den 16 Mitgliedern der Eurozone ausgehandelt werden sollte.

Budgets sollen „gegenseitig bewertet“ werden

Es wurde auch übereingekommen, dass Mitgliedsstaaten ab 2011 ihre Budgetdaten im ersten Halbjahr Brüssel vorlegen werden, sodass die EU-Exekutive und der Europäische Rat die Annahmen der Pläne bewerten können.

Nach Beharren von Großbritannien wurde dem finalen Abkommen des Gipfels hinzugefügt, dass dies „unter Einbeziehung nationaler Budgetprozeduren“ geschehen wird – was Camerons Wunsch, die britischen Parlamentskammern zu informieren, bevor die Budgetdetails an Europa weitergeleitet werden, entspricht.

Zusätzlich zur Verstärkung der gegenseitigen Bewertung einigten sich EU-Chefs darauf, eine Anzeigetafel zu entwickeln, „um Wettbewerbsfähigkeitsentwicklungen und Ungleichgewichte“ besser bewerten zu können und eine frühe Entdeckung von unhaltbaren oder gefährlichen Trends zu ermöglichen.

Stellungnahmen: 

Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rats, sagte, dass der Rat eine strengere Aufsicht der Wirtschaften, die die langfristige finanzielle Position der Mitgliedsstaaten gestärkt hätte, bevorzugt hatte.

„Wir haben uns auch geeinigt, den Wachstums- und Stabilitätspakt zu stärken – sowohl als Prävention und Korrektur. Diese Vorschläge können, einzeln bewertet, wie kleine Schritte wirken. Doch insgesamt stellen sie einen großen Sprung nach vorne dar.“

Er warnte davor, eine „trennende Linie“ zwischen den 27 Mitgliedsstaaten und den 16 Mitgliedern der Eurozone zu schaffen. „Daher wird die Eurozone sich lediglich auf Gipfelniveau treffen, wenn es notwendig ist und unter meinem Vorsitz – wie dies bereits im März und Mai geschehen ist“, so Van Rompuy.

Er fügte hinzu, dass europäische Wirtschaftsführung der im Lissabonvertrag dargelegten Rolle der Institutionen folgen müsse.

José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, sagte, dass die Task Force unter dem Vorsitz von Präsident Van Rompuy „sehr fruchtbare“ Arbeit geleistet hatte.

„Tatsächlich haben wir heute bereits ein Abkommen zu einigen der wichtigsten Orientierungen in Sachen Wirtschaftsführung in Europa gehabt und ich habe bekannt gegeben, dass die Kommission bereit ist, ihre Arbeit weiter zu verstärken, indem sie detaillierte Vorschläge am 30. Juni und weitere Vorschläge im September vorstellen wird. Wir glauben, dass es wichtig ist, die Arbeit so schnell wie möglich fertig zu stellen, damit wir bis Anfang nächsten Jahres ein neues System zur Verfügung haben.“

Der britische Premierminister David Cameron sagte, dass er „zufrieden mit dem Niveau der Bestimmtheit unter EU-Staaten, ihre fiskalischen Defizite zu bekämpfen“ sei.

Zu dem stacheligen Thema der Beziehungen Großbritanniens zur Eurozone behauptete Cameron, dass es nicht im Interesse seines Landes sei, eine schwache Binnenwährung zu haben.

Er sagte, dass 40 Prozent des britischen Handels mit Eurozonenländern sei und dass Großbritannien einen „starken und erfolgreichen“ Euro unterstütze, obwohl er umgehend hinzufügte, dass die „roten Linien“ seines Landes beschützt werden würden.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte, dass die Idee einer Wirtschaftsregierung für Europa „ausgearbeitet werden müsste“ und dass eine endgültige Entscheidung beim Gipfel im Oktober getroffen werden würde, wenn EU-Präsident Herman Van Rompuy die Ergebnisse seiner Task Force präsentieren würde.

„Wir sind noch am Anfang“, sagte Sarkozy und erklärte, dass das Wirtschaftsregierungskonzept eine bessere Koordination der Wachstums- und Wettbewerbsfähigkeitsstrategien, etwa durch Maßnahmen, Hochschulausbildung zu fördern, beinhalte.

Auf die Frage, ob das Europäische Parlament und die Europäische Kommission nicht durch die Pläne der EU für eine stärkere wirtschaftliche Führung an den Rand gedrängt würden, antwortete Sarkozy unerbittlich. „Es tut mir leid, es ist nicht Herr Barroso, der für die Wettbewerbsfähigkeit der verschiedenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft zuständig ist. Es ist nicht die Kommission, die statt Mitgliedsstaaten Entscheidungen zur Wirtschaftspolitik treffen kann, die jeder von uns treffen muss“.

Nächste Schritte: 
  • Oktober 2010: Van Rompuy Task Force liefert endgültigen Bericht an EU-Chefs ab.
PM David Cameron
Hintergrund : 

Während die Krise in Griechenland wütete, betonten die letzten Schlussfolgerungendes Rats im März, dass „die allgemeine politische Koordination verstärkt werde“.

Die Führer beteuerten auch, dass „die Koordinierung auf der Ebene der Eurozone verstärkt werde, um die Herausforderungen, die dem Euro bevorstehen, anzugehen“. „Die Kommission wird bis Juni 2010 ihre Vorschläge zu dem Thema vorlegen, und dabei die neuen Instrumente der wirtschaftlichen Koordinierung nutzen, die Artikel 136 des Vertrags anbietet“, heißt es in dem endgültigen Text.

Artikel 136 des Lissabonvertrags besagt, dass der Ministerrat der EU – der die 27 Mitgliedsstaaten vertritt – Maßnahmen bezüglich der Eurozone annehmen kann, um die „Koordination und Überwachung der Haushaltsdisziplin zu stärken“ und „wirtschaftliche Politikrichtlinien für sie zu setzen“.

Der permanente Präsident des EU-Rats, Herman Van Rompuy, richtete eine ad-hoc Task Force ein, um dieses Ziel zu erreichen und den EU-Stabilitätspakt zu stärken.

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