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„EU-2020”-Bildungsziele: Bulgarien vor starken Herausforderungen

Veröffentlicht 18. August 2010 - Aktualisiert 28. September 2010
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Bulgarien wird viel arbeiten müssen, um die Bildungsziele der neuen „Europa 2020“-Strategie zu erreichen. Das größte Problem des Landes scheine die hohe Zahl der frühzeitigen Schulabbrecher zu sein, berichtet Dnevnik, EurActivs Partner in Bulgarien.

Der Forschung des Nationalen Statistikinstituts zufolge besuchten 93,4 Prozent der sieben- bis zehnjährigen Kinder in Bulgarien die Schule während des Schuljahrs 2009-2010. Unglücklicherweise fällt der Anteil auf 82,4 Prozent für Kinder zwischen elf und vierzehn und derzeit beenden nur 78,6 Prozent der Schüler die Oberschule – was bedeutet, dass 22 Prozent sie abbrechen.

Diese Zahlen verraten, dass Bulgarien eine echte Herausforderung bevorsteht, wenn es darum geht, das EU-Ziel zu erreichen, den Anteil der frühzeitigen Schulabbrecher bis 2020 auf weniger als zehn Prozent zu reduzieren.

Was die höhere Ausbildung angeht, befindet sich Bulgarien in guter Position, um das Ziel zu erreichen, den Anteil junger Menschen mit Universitätsabschluss bis 2020 auf mindestens 40 Prozent zu erhöhen.

Im akademischen Jahr 2009-2010 besuchten 33,1 Prozent der 19- bis 23-Jährigen im Land die Universität oder anderweitige spezialisierte Hochschulen. Weitere 3,9 Prozent studierten an Colleges und 0,8 Prozent an Hochschulen, die Berufsausbildungen an Oberschulabsolventen vermitteln.

Nationale Zielsetzungen werden beschlossen

Bulgarien sei derzeit im Begriff, nationale Zielsetzungen als Mittel zur Erreichung der Ausbildungsziele der „Europa 2020“-Strategie vorzubereiten, sagte Maria Petkova, Pressesprecherin des Bulgarischen Ministeriums für Bildung, Jugend und Wissenschaft, gegenüber Dnevnik.

Sofia hat vor, die nationalen Zielsetzungen und die genauen Pläne zu deren Durchsetzung im Herbst in Brüssel zu veröffentlichen.

Um beide Ziele zu erreichen, muss Bulgarien mehr in seine Bildungspolitik investieren. Der „Europa 2020“-Strategie zufolge soll jedes Land drei Prozent seines BIP in Forschung und Entwicklung (R&D) investieren.

Im Mai sagte der bulgarische Außenminister, Nikolai Mladenow, dieses Ziel könne nur teilweise erreicht werden, da das Land wahrscheinlich nur zwei Prozent seines BIP in dem Bereich ausgeben können werde. Doch werde dies auch von der Reform des R&D-Sektors und der Entwicklung der bulgarischen Wirtschaft allgemein abhängen, warnte Mladenow.

Die Schulbildung in Bulgarien ist kostenlos. Beinahe jede Universität erhält Subventionen, weswegen die Gebühren dort viel niedriger sind als in den wenigen privaten Universitäten.

Im späten Juli beschloss das bulgarische Parlament, dass die staatlichen Universitäten so genannte „bezahlte höhere Bildungsprogramme“ anbieten sollten. Das Parlament beschloss auch, dass nur fünf Prozent der Studenten an diesen nicht subventionierten Programmen teilnehmen können.

Dem bulgarischen Bildungsminister, Sergei Ignatow, zufolge würden die Gebühren nicht mehr als 1.600 bulgarische Lew betragen, umgerechnet circa 800 Euro.

Der Bildungsminister erklärte, dass das Universitätssystem des Landes veraltet sei und eine „Generalüberholung“ benötige. Die Regierung werde im Oktober ein Bewertungssystem einführen, das als Grundlage für die Verteilung der Gelder dienen werde, so Ignatov laut Reuters.

Stellungnahmen: 

Professor Ivan Ilchev,Dekan der Universität von Sofia, glaubt, dass strikte Bewertungsmechanismen nötig seien, um sicherzustellen, dass das Geld an Universitäten mit hohen Standards gehe.

Man befinde sich an einer wichtigen Kreuzung, an der man entscheiden müsse, was man brauche: Bildung oder Qualitätsbildung, so Professor Ilchev laut Reuters.

Die Länder, denen es gut gehe, seien ausnahmslos diejenigen, die Bildung in den Vordergrund gestellt hätten.

Wenn sich die Anstrengungen der Regierung nicht auf Bildung, Informationstechnologien und Innovation konzentrierten, habe man keine Chance, in den nächsten 30 Jahren die Länder in Mitteleuropa einzuholen, sagte Ruslan Stefanov vom Think-Tank Centre for the Study of Democracy.

Unternehmen in Bulgarien beschweren sich über die Qualität der Ausbildung, die Schulen und Universitäten anbieten, und sagen, dass die Lehrpläne veraltet seien und Akademiker für die Bedürfnisse der Arbeitgeber unvorbereitet ließen.

Es gebe Studenten, die Automatik und Robotik studierten und noch nie gesehen hätten, wie ein Roboter aussieht, sagte Maria Temelkova von der bulgarischen Niederlassung der Personalbeschaffungsagentur Manpower.

Es sei auch schwierig, Personal mit den Fremdsprachenkenntnissen für die steigende Zahl an ausgelagerten Arbeitszentren im Land zu finden. Die Sprachenlehre basiere auf Theorie, so dass auch Absolventen von Sprachstudiengängen nicht flüssig sprächen, erklärte Temelkova.

Hintergrund : 

Die Zahl der frühzeitigen Schulabbrecher zu reduzieren und sicherzustellen, dass mehr junge Menschen einen Universitätsabschluss erreichen, ist eine der fünf Prioritäten eines vorläufigen zehnjährigen Wirtschaftsplans, den die Europäische Kommission im März unter dem Namen „Europa 2020“ vorlegte (EurActiv 03.03.10).

Die Strategie definiert die fünf Ziele auf EU-Ebene, die die Mitglieder in nationale Ziele umsetzen sollen, die ihre unterschiedlichen Ausgangspunkte widerspiegeln.

  • Die Beschäftigtenzahlen auf 69 bis 75 Prozent der Bevölkerung zwischen 20 und 64 steigern
  • Die Investition in die Forschung auf drei Prozent des EU-BIP steigern
  • Die 20/20/20 Ziele zur Reduktion der Treibhausgase und zu den erneuerbaren Energien erreichen
  • Den Anteil an frühen Schulabgängern von den aktuellen 15 auf zehn Prozent senken und sicherstellen, dass 40 Prozent der Jugendlichen einen Universitätsabschluss machen
  • Die Zahl der Europäer, die unterhalb der Armutsgrenze leben, um 25 Prozent reduzieren und dadurch 20 Millionen der aktuell 80 Millionen Menschen aus der Armut heben

In einer Reihe von Artikeln präsentiert das EurActiv-Netzwerk den aktuellen Stand der Dinge in den individuellen EU-Ländern zu allen Zielen. Diese Serie betrachtet, wie die Länder auf die drei Prozent Zielsetzung in der Forschung reagieren.

Das EurActiv-Netzwerk hat bereits herausgefunden, dass die osteuropäischen Länder am Armutsbekämpfungsziel zweifeln und hart kämpfen müssen, um die Klimaziele zu erreichen (EurActiv 06.05.10; EurActiv 16.07.10), während die meisten osteuropäischen Mitgliedsstaaten R&D-Ziele, die weit unter dem EU-weiten Ziel von drei Prozent des BIP liegen, annehmen werden (EurActiv 04.06.10).

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