Dem Vorschlag zufolge, der am Mittwoch (12. Mai) vorgelegt wurde, sollen Mitglieder der Eurogruppe die jährlichen Budgets der anderen Mitgliedstaaten prüfen, bevor sie auf nationaler Ebene angenommen werden.
Dieses System wird, wenn es bei einem Gipfel der EU-Oberhäupter im Juni angenommen wird, engere wirtschaftliche Prüfung zwischen Eurogruppenmitgliedern und ein frühzeitiges Programm der gegenseitigen Durchsicht herbeiführen, das die Wiederholung der griechischen Staatsverschuldungskrise verhindern soll.
"Lasst uns deutlich sein: Es kann keine Währungsunion ohne Wirtschaftsunion geben", sagte der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso.
"Mitgliedsstaaten sollten den Mut haben, zu sagen, ob sie eine Wirtschaftsunion wollen oder nicht. Wenn nicht, ist es besser, die Währungsunion vollständig zu vergessen."
Prüfung
Die Prüfung würde in der ersten Jahreshälfte während eines „Europäischen Semesters“ durchgeführt werden, bevor EU-Regierungen ihre nationalen Budgets und wirtschaftlichen Reformen vorbereiten müssen.
„Im Falle offensichtlicher Unzulänglichkeiten in den Budgetplänen für das kommende Jahr könnte eine Revision [der Budgetpläne] empfohlen werden“, so die Kommission.
„Die Koordinierung der Steuerpolitik muss im Voraus betrieben werden, um sicherzustellen, dass nationale Budgets mit der europäischen Dimension konsistent sind, dass sie nicht die Stabilität der anderen Mitgliedsstaaten gefährden“, so Kommissar für Wirtschaft und Währung Olli Rehn.
Das System könnte auf alle Länder angewandt werden, doch die Prüfung wäre strenger für diejenigen, die den Euro angenommen haben.
Für Eurozonenmitglieder sollte solch ein Prüfungsmechanismus als Frühwarnsystem für Länder dienen, die den Stabilitäts- und Wachstumspakt brechen, der in der Eurozone eine Grenze für Staatsverschuldung (bei 60 Prozent des BIP) und für Budgetdefizite (drei Prozent des BIP) setzt.
EU-Beamte behaupten, das System werde die nationale Souveränität der Länder nicht verletzen, sondern werde eine Gelegenheit bieten, die Annahmen, auf denen Budgetentwürfe basieren, wie Wachstum, Inflation und Zinssätze, zu überprüfen.Barroso sagte, dass das System eine Gelegenheit für nationale Parlamente darstellen würde, die Budgets ihrer Länder eingehender zu prüfen. "Was wir tun, ist, Parlamenten mehr Informationen und dadurch mehr Macht zu geben", sagte er.
Griechenland, welches die Wurzel der derzeitigen Krise ist, wurde dabei erwischt, Jahre lang grob über seine makro-ökonomischen Statistiken gelogen, so getan zu haben, als seien seine Defizite niedriger, als sie es waren, und gefälschte Berichte an die EU-Statistik-Behörde Eurostat eingereicht zu haben.
„Eine Vorbedingung wäre es, das Mandat von Eurostat zu stärken, um nationale Staistiken zu überprüfen“, so die Kommission. „ Es ist wichtig, diesen Vorschlag schnell in Kraft zu setzen, da dies die Qualität der Berichte zu den öffentlichen Finanzen verbessern wird.“
Makro-ökonomische Ungleichgewichte angehen
Die Kommission plant auch, Budgetkontrolle zu makro-ökonomischer Politik auszuweiten, und warnt, dass „makro-ökonomische Ungleichgewichte über die Zeit hinweg ernsthafte Konsequenzen haben können“.
Jedoch wird ein solcher Vorschlag in Deutschland wahrscheinlich abgelehnt werden, wo Kanzlerin Merkel sagte, dieser würde Steuerprüfung „unnötig politisieren“ (EurActiv 02.02.10).
Dem Plan der Kommission zufolge würde die Bewertung von langfristigen nationalen Wirtschaftsreformprogrammen mit Haushaltsdisziplinprüfung synchronisiert werden. Eine Anzeigetafel würde makro-ökonomische Indikatoren wie Produktivität, Arbeitskosten pro Einheit, Beschäftigung, Staatsverschuldung und private Darlehen durchsehen, um Anstiege in den Kapitalpreisen und exzessives Kreditwachstum im Frühstadium zu erkennen.
Für alle EU-Mitgliedsstaaten würden diese makro-ökonomischen Ungleichgewichte unter dem Entwurf zur EU 2020 Strategie für Wachstum und Arbeitsplätze angegangen werden. Für Länder die den Euro angenommen haben, würde die gegenseitige Überprüfung, die derzeit durch die Eurogruppe durchgeführt wird, in eine etwas stärker strukturierte Kontrolle verwandelt werden, indem sich auf Artikel 136 des EU-Vertrags berufen wird.
Zuckerbrot und Peitsche
Um dem Überprüfungssystem Zähne zu geben, schlägt die Europäische Kommission vor, ihr 50 Milliarden Euro Jahrespaket an Regionalhilfen an jene Länder zu kürzen, die wiederholt gegen die EU-Budgetrichtlinien verstoßen.
Was Anreize angeht, dürften jene Länder, die während wirtschaftlich guten Zeiten große Überschüsse erwirtschaftet haben, in Zeiten der Rezession mehr ausgeben, ohne dass ein Verfahren wegen zu hohen Defizits gegen sie eingeleitet werden würde.
Zahlungen aus dem 70 Milliarden Euro Kohäsionsfonds der EU, die Mitgliedsstaaten helfen, wirtschaftliche und soziale Unterschiede im Zeitraum 2007-2013 zu reduzieren, können ebenfalls ausgesetzt werden. Die Sanktion kann bei Eurozonenländern angewendet werden, die aktuell den Stabilitäts- und Wachstumspakt brechen. "Wir planen nicht, sie momentan zu benutzen", sagte ein EU-Beamter.
Eine weitere Möglichkeit wäre, Mitgliedsstaaten, die unzulängliche Fortschritte bei ihren mittelfristigen Budgetzielen während wirtschaftlich guten Zeiten machen, verzinste Geldanlagen aufzuerlegen.




