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EU will Ziele der Armutsbekämpfung senken

Veröffentlicht 04. Juni 2010 - Aktualisiert 08. Juni 2010
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Nach Monaten der Kontroverse zwischen ost- und westeuropäischen Mitgliedsstaaten scheine es zunehmend wahrscheinlich, dass die EU-Chefs ihre Zielsetzungen zur Armutsbekämpfung während eines Gipfeltreffens am 17. Juni in Brüssel senken würden, sagten Diplomaten.

EU-Arbeits- und Sozialminister werden sich nächste Woche (7. Juni) in Luxemburg treffen, um einen Deal zu Armutsindikatoren zusammenzuklauben, ein Thema, das in den letzten Monaten weit reichende Unstimmigkeiten unter Mitgliedsstaaten entfacht hatte (siehe Background).

Die Diskussionen begannen, nachdem 2010 als Europäisches Jahr für den Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung bestimmt wurde.

Der Knackpunkt ist die Unfähigkeit der Mitgliedsstaaten, ein Übereinstimmen dazu zu finden, wie Armut gemessen werden soll.

Indikatoren unterscheiden sich von Land zu Land stark. Einige wie Frankreich sind bereits langfristige Engagements zur Reduzierung von Armut eingegangen (EurActiv 26.04.10) und andere wie Rumänien haben überhaupt keine (EurActiv 22.04.10). 

Als Kompromiss hat die spanische EU-Ratspräsidentschaft beschlossen, den Vorschlag der Kommission einer vereinenden „Armutsrisiko“-Messung fallen zu lassen und durch drei alternative Maßstäbe zu ersetzen:

  1. Armuts-Risiko(z.B. Personen, die mit weniger als 60 Prozent des nationalen Durchschnittseinkommens leben);
  2. Materielle Entbehrung (z.B. Personen, die mindestens vier von neun definierten Entbehrungssituationen erleben);
  3. Personen, die in Arbeitslosenhaushalten leben (z.B. Bevölkerung, die über keine oder sehr niedrige Arbeitsintensität während einem Jahr definiert wird), um eine dynamische Perspektive der Vernetzung von Armut mit Situationen fortgesetzter Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt zu reflektieren.

Einem früheren Bericht der Präsidentschaft zufolge werden die „multi-dimensionale Natur von Armut“ und die Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten besser durch eine breitere Wahl von Messinstrumenten reflektiert.

Deutschland soll angeblich die zweite Option vorziehen, während die skandinavischen Länder die dritte Möglichkeit bevorzugen. Frankreich dagegen wehrt sich gegen die dritte Option, da es glaubt, dass die Begrenzung des Indikators auf den Arbeitsmarkt junge Leute und Rentner ausschließt.

Länder werden daher einen der drei Indikatoren wählen dürfen, abhängig davon, was ihren nationalen Bedürfnissen am ehesten entspricht.

Ambitionen runterschrauben?

Sobald sie ihr bevorzugtes Messinstrument ausgewählt haben, wird jeder Mitgliedsstaat die Anzahl seiner Bürger kalkulieren müssen, die „mit einem Risiko von Armut oder Ausgrenzung“ leben.

Dennoch sagen Diplomatenquellen, dass diese neue Auswahl von Messinstrumenten in wesentlich höheren Zahlen für von Armut betroffenen Europäer resultieren würde. Diese könnte von ursprünglich 80 Millionen Menschen auf 120 Millionen anwachsen.

Die Quellen behaupteten weiter, dass, während die allgemeine Armutszahl ansteigen würde, es unwahrscheinlich sei, dass das Reduzierungsziel – also 20 Millionen Europäern aus der Armut zu helfen – erreicht werden würde. Stattdessen würde diese Zahl beibehalten werden, die proportional in einem bescheideneren Ziel von 15 Prozent Reduzierung, entgegen den ursprünglich gesetzten 25 Prozent, resultieren würde.

Sollten die Minister für Arbeit und Soziales sich auf diese allgemeinen Richtlinien einigen können, würden die Mitgliedsstaaten in langwierigen Verhandlungen vom 7.-17. Juni diese „extrem technischen Details“ ausbügeln können, so Diplomaten.

Fintan Farrell, Direktor des Europäischen Anti-Armut Netzwerks (EAPN), sagte EurActiv, dass, obwohl der Kompromiss nicht so stark sei wie der Originalplan der Kommission, „der eigentliche Grund der Schaffung dieses Ziels gewesen sei, eine Debatte zu beginnen und Druck auf EU-Führer auszuüben, um Armut und soziale Ausgrenzung zu reduzieren.“

„Die Debatte war definitiv ein Erfolg“, doch er warnte, „wir werden abwarten und sehen müssen, ob sie einen wirklichen Einfluss auf die Reduzierung europäischer Armut haben wird.“

Nächste Schritte: 
  • 7. Juni 2010: EU-Arbeits- und Sozialminister (EPSCO) treffen sich in Luxemburg.
  • 17.Juni 2010: EU-Führer treffen sich in Brüssel, um die Europa 2020 Strategie fertig zu stellen.
2010: Europäisches Jahr
Hintergrund : 

Die Europäische Kommission machte den Kampf gegen Armut zu einer ihrer fünf Prioritäten in dem zehnjährigen Wirtschaftsplan „Europa 2020“ (siehe EurAcitv LinksDossier), das das Flaggschiff der EU, die Lissabonstrategie für Wachstum und Jobs, ersetzen wird.

 

2010 besagten EU Statistiken, dass 17 Prozent der europäischen Bevölkerung (etwa 80 Millionen Europäer) zurzeit unterhalb der Armutsgrenze lebten. Für Europa 2020 empfahl die Kommission die Reduzierung der unterhalb der Armutsgrenze lebenden EU-Bürger um 25 Prozent. 20 Millionen Menschen würde so aus der Armut geholfen werden.

Wie von EurActiv berichtet, kam es bei der Festlegung von spezifischen Indikatoren für die Messung und Reduzierung von Armut zu Spannungen sowohl innerhalb der EU-Exekutive als auch zwischen Mitgliedsstaaten (EurActiv 01.03.10). 

Regierungen stellten die legale Grundlage der EU, Ziele zu Armut aufzustellen, in Frage und konnten sich lediglich auf die Wichtigkeit der Armutsbekämpfung und sozialen Ausgrenzung einigen (EurActiv). 

Mehrere Staaten versuchten, Armut aus der 2020 Strategie allgemein herauszuhalten, indem sie argumentierten, dass dies jenseits der EU-Kompetenzen liege und zu schwierig zu messen sei (EurActiv 22.04.10).

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