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EurActiv-Herausgeber: EU-Kommunikation erfordert radikale Dezentralisierung, nicht "Vereinheitlichun

Veröffentlicht 08. Juli 2005 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Nach Ansicht von Christophe Leclercq, Herausgeber von EurActiv, müssten eine starke Dezentralisierung und umgehende Maßnahmen die wichtigsten Elemente der Kommunikationsstrategie von Kommissarin Wallström bilden. Am Anfang der neuen EU-Strategie wird ein Aktionsplan stehen.

Nach dem negativen Ausgang der Referenden über den EU-Verfassungsvertrag in Frankreich und den Niederlanden ist die Aufgabe, die EU ihren Bürgern näher zu bringen, noch wichtiger und dringlicher geworden. Zahlreiche Brüsseler Kommentatoren werfen der EU-Kommissarin vor, nicht unverzüglich auf die ‚Kommunikationskluft’, die sich zwischen den politischen Eliten der EU und den Bürgern aufgetan hat, reagiert zu haben.

Stellungnahmen: 

Christophe Leclercq beginnt seine Analyse der Richtung, die die Kommission mit ihren Vorschlägen einschlägt, mit der Feststellung, Europa könne nur dann interessanter gemacht werden, wenn die europäische Politik ein Teil der Politik auf Mitgliedstaatenebene werde. Auch müsse die EU „kontroverse Debatten“ akzeptieren können. „Die EU erscheint als etwas unvermeidbares, das [den Bürgern] vom Establishment aufgezwungen wird“, so Leclercq. 

Der EurActiv-Herausgeber ist überzeugt, dass der bevorstehende Aktionsplan schneller umgesetzt werden könne, als frühere Kommunikationspläne. Dies erfordere allerdings Führerschaft „nicht nur von der Vizepräsidentin für Kommunikation“, sondern von sämtlichen Führungskräften der Institutionen. Andererseits stellt Leclercq den Plan infrage, die EU-Öffentlichkeitsarbeit zu „zentralisieren oder zu ‚vereinheitlichen’“ (ein einziges ‚Gesicht’, eine einzige Botschaft, ein GD-Presseredakteur). „Es gibt unterschiedliche Zielgruppen“, so Leclercq. „Was sich für eine Person in einer Kleinstadt furchtbar bürokratisch anhören mag, könnte für ihren Nachbar, der nur zwei oder drei europapolitische Themen verfolgt, unverzichtbar sein.“ 

Auf Grundlage der Erfahrungen, die EurActiv mit seinem dezentralisierten Partnerportal-Netzwerk gemacht hat, schlägt der Gründer von EurActiv eine radikalere Dezentralisierung vor. „Es gibt keine europäische öffentliche Meinung, daher müssen die Dinge auf nationaler Ebene geschehen. Von Brüssel aus für 25 Mitgliedstaaten zu denken, kann nicht funktionieren, und die Brüsseler Journalisten sind innerhalb der Medien, für die sie arbeiten, nur selten die einflussreichsten Personen“. 

Leclercq heißt den Vorschlag des Aktionsplans gut, wonach den Kommissionsvertretungen in den Mitgliedstaaten künftig eine Schlüsselrolle und folglich auch mehr Ressourcen zukommen sollen. Der EurActiv-Herausgeber hat eine Reihe von Vorschlägen zur Frage, wer in den Vertretungen für die tägliche Arbeit und den Betrieb verantwortlich sein sollte. Neben mehr Mobilität der EU-Beamten, sähe er es gern, dass diese „EU-Botschaften“ von bekannteren „Kommunikationsstars“ geleitet werden würden (wie beispielsweise Christine Ockrent und Bernard Kouchner), die ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit genießen.

Das vollständige Interview [in englischer Sprache] ist  hier  verfügbar. 

Nächste Schritte: 
  • Kommissarin Wallström will ihren Aktionsplan zur EU-Öffentlichkeitsarbeit am 20. Juli vorstellen.
  • Ein Weißbuch über die Kommunikationsstrategie, die auch andere Institutionen und Akteure einbeziehen soll, soll noch vor Ende 2005 veröffentlicht werden.
Hintergrund : 

Anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung der neuen EU-Kommunikationspläne hat EurActiv ausnahmsweise seinen eigenen Herausgeber, Christophe Leclercq, interviewet. Der EurActiv-Herausgeber hat sich stark in das Konsultationsverfahren eingebracht, das von Kommissar Wallström nach ihrer Ernennung zur EU-Vizepräsidentin für Kommunikation ins Leben gerufen worden war. EurActiv ist ein Beispiel für die professionelle und mehrsprachige Vermittlung der EU-Politik.

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