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Gemeinsame deutsch-französische Vision für 2020

Veröffentlicht 05. Februar 2010
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Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel haben am Donnerstag (4. Februar) in Paris ein weit reichendes Kooperationsprogramm für die nächsten zehn Jahre beschlossen, bei dem bis 2020 80 "konkrete" Projekte für engere wirtschaftliche Beziehungen verabschiedet werden sollen. EurActiv Frankreich berichtet.

"Die Zeit der großen Verträge, der großen Erklärungen ist vorbei ", sagte Sarkozy bei der Vorstellung der "Agenda 2020", einem deutsch-französischen Plan für die zukünftigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, auf einer gestrigen Pressekonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin.

"Was bedeutet Wachstum im21. Jahrhundert?", fragte Kanzlerin Merkel. "Dies fragen müssen wir gemeinsam beantworten."

Die Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die EU-Regierungschefs eine Diskussion über die neue "EU-2020-Strategie" für Wirtschaftswachstum auf einem Gipfel am 11. Februar vorbereiten.

Im Bereich Außenpolitik sprachen beide von einer gemeinsamen Initiative für den Nahen Osten, gemeinsamen Vorbereitungen für internationale Spitzentreffen wie der G20 und einem gemeinsamen Vorgehen bezüglich der Vorschläge des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew für Europa.

"Die Europa-Russland-Frage ist zentral", argumentierte Merkel. "Wir müssen den Kalten Krieg abschließend überwinden."

Das zehnseitige Dokument mit Vorschlägen für die weitere deutsch-französische Zusammenarbeit umfasst sechs große Themenfelder: Wirtschaft, Energie und Klima, Forschung, Außen- und Sicherheitspolitik, engere Kontakte zwischen Bürgern beider Länder sowie institutionelle Zusammenarbeit.

Zu den genannten konkreten Projekten gehören eine deutsch-französische Stelle, um grenzüberschreitende Engpässe auszugleichen, ein gemeinsames Schulbuch zu Europa und europäischer Integration sowie ein Satellit zur Überwachung des Treibhausgasausstoßes.

Zudem enthält das Dokument Pläne für "das weltweit erste grenzüberschreitende Demonstrationsprojekt für Elektrofahrzeuge […], um die grenzenlosen Nutzungsmöglichkeiten der Elektromobilität aufzuzeigen".

Andere Zielsetzungen sind unbestimmter, so etwa die gemeinsame Umsetzung von Energie- und Klimagesetzgebung oder das Versprechen, gemeinsame Vorschläge für eine starke Landwirtschafts- und Ernährungspolitik zu machen.

Beide Länder versprachen, sich für EU-Maßnahmen zur Begrenzung von CO2-Emissionen einzusetzen, auch wenn sie eine Kohlendioxidsteuer nicht ausdrücklich erwähnten. Letzten Monat hatte Frankreich angekündigt, ab Juli eine Kohlendioxidsteuer für große Industrieanlagen erheben zu wollen. Die deutsche Regierung ist jedoch in der Frage gespalten (EurActiv vom 22. Januar 2010).

Weder Sarkozy noch Merkel machten bestimmte Angaben zu Zeitrahmen oder Finanzmittel für die Umsetzung der neuen Vorschläge.

Stellungnahmen: 

"Einige der Vorschläge sind Neuauflagen der Programme, die Frankreich und Deutschland 2003 aus Anlass des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags vorgestellt hatten", sagte Wolfram Vogel vom Deutsch-Französischen Institut in Paris gegenüber EurActiv Frankreich.

Vogel zufolge taucht etwa die Hälfte der damals vorgestellten vierzig Vorschläge in der Agenda 2020 wieder auf. Dazu gehört auch ein Vorschlag, dass die Minister beider Länder regelmäßig an gegenseitigen Kabinettstreffen teilnehmen sollten.

Der Analytiker betonte jedoch, dass eine derartige Wiederverwertung alter Vorschläge nicht notwendigerweise etwas Schlechtes sei. "Den Willen zur Zusammenarbeit ein weiteres Mal zu bekunden, das ist ganz und gar nicht negativ", so Vogel.

Allerdings solle man kein allzu schnelles Vorgehen erwarten, da es Zeit brauche, bis politische Erklärungen greifbare Ergebnisse hervorbrächten.

"Ich denke nicht, dass Frankreich und Deutschland so stark sind, dass sie die ganze Welt davon überzeugen können, ihre Vorstellungen umzusetzen", sagte Claire Demesmay, Programmleiterin Frankreich bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, im Gespräch mit Deutsche Welle.

"Beide Staaten sind nicht allzu groß und das wissen sie auch. Aber nur weil man nichts beeinflussen kann, ist das kein Grund, nicht zu handeln. Sie versuchen weiterhin andere Länder zu überzeugen, sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch darüber hinaus. Aber es ist sehr schwer", erklärte Demesmay.

Was das Agenda-2020-Dokument geht, sagte die Analytikerin, dass der Schwerpunkt eher quantitativ als qualitativ zu sein scheine. Dies stelle also keine Revolution dar.

Nächste Schritte: 
  • 11. Feb.: EU-Regierungschefs besprechen die "2020-Strategie" der Union.
© P. Segrette, www.elysee.fr
Hintergrund : 

Die deutsch-französischen Beziehungen wurden lange als Motor der europäischen Integration gesehen.

Das gestrige in Paris abgehaltene Treffen zwischen Ministern aller Ressorts ist das zwölfte Mal, dass beide Länder eine gemeinsame Kabinettsitzung abgehalten haben.

Das deutsch-französische Versprechen einer engeren künftigen Zusammenarbeit erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die EU-Regierungschefs sich auf einen Gipfel am 11. Februar vorbereiten, bei dem der neue Zehnjahresplan für die europäische Wirtschaft – "EU 2020" – besprochen werden soll.

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