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Spanien will schnellere Zuweisung von EU-Regionalgeldern

Veröffentlicht 23. Februar 2010
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Der spanische EU-Vorsitz hat eine dringliche Vereinfachung der EU-Förderung gefordert, um die europäische Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen.

Bei ihrem Treffen mit hochrangigen Experten in Zaragoza letzten Freitag (19. Februar) betonten die für Regionalpolitik zuständigen EU-Minister, dass die Kontrolle und Verwaltung der Regionalgelder vereinfacht werden müssten, um die Fertigstellung von Projekten zu beschleunigen.

Viele Minister vertraten dabei die Auffassung, dass sich die Abschaffung der übertrieben komplexen Verwaltungsstrukturen für das Beantragen und Einsetzen von EU-Regionalgeldern als zusätzliches Mittel zur Stärkung der europäischen Konjunktur erweisen könnte.

Carlos Ocaña, Staatssekretär im spanischen Finanzministerium, wiederholte zudem die spanische Überzeugung, dass die EU-Regionalmittel allen Regionen, nicht nur den ärmsten zur Verfügung stehen sollten.

Obwohl er sich dafür aussprach, den weniger wohlhabenden Regionen mehr Aufmerksamkeit zu widmen, setzte er sich für einen allmählichen Übergang ein, um zu vermeiden, dass einst stark geförderte Regionen schlagartig gar keine Mittel mehr erhalten.

Neuer Regionalkommissar stellt Pläne vor

Währenddessen hatte der neue EU-Kommissar für Regionalpolitik, Johannes Hahn, eine erste Gelegenheit, den EU-Ministern seine Pläne vorzustellen.

Der österreichische Kommissar, der während seiner Anhörung vor dem Europäischen Parlament einen ordentlichen Eindruck gemacht hatte (EurActiv vom 15. Januar 2010), ging detailliert darauf ein, wie er die Debatte über eine Reform der Regionalpolitik strukturieren will.

Vor allem betonte Hahn, dass die regionale Dimension eine zentrale Rolle im erwarteten EU-2020-Vorschlag der Europäischen Kommission spielen müsse, der die europäische Politikgestaltung während der nächsten 10 Jahre leiten werde.

"Die Kohäsionspolitik muss im Mittelpunkt der Strategie Europa 2020 stehen. Auf diesen Zug müssen wir aufspringen", sagte er den Ministern. Er sei bereit, mit ihnen gemeinsam ein System auszuarbeiten, um den Ländern und Regionen mehr Flexibilität bei der Festlegung der politischen Maßnahmen zu bieten, die zur Erfüllung der Prioritäten der Strategie nötig seien.

Die neu gewählte Präsidentin des Ausschusses der Regionen (AdR), Mercedes Bresso, konterte jedoch, dass die Umwandlung der europäischen Regionalpolitik in ein reines Werkzeug für die Umsetzung von EU 2020 ein Fehler sein würde.

Obwohl die Kohäsionspolitik zur neuen Strategie beitragen könne, könnten die bestehenden Förder- und Kooperationsprogramme nicht zu Werkzeugen für die Umsetzung zentral in Brüssel festgelegter Ziele umgewandelt werden.

Großstädter?

Hahn schien in seiner Rede zudem den Bedürfnissen von Städten mehr Bedeutung einzuräumen. So sagte er, dass eine kohärente Städtepolitik für ein gesundes und wohlhabendes Europa unabdingbar sei, da 80% der europäischen Bevölkerung in Städten lebe.

Im Folgenden ging der ehemalige Bürgermeister Wiens weiter ins Detail und wies darauf hin, dass bestehende Fördermöglichkeiten wie der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Sozialfonds (ESF) bei der Stärkung von Städten eine Schlüsselrolle spielten.

Als Reaktion darauf sagte Claudio Martini, Präsident der Konferenz der peripheren Küstenregionen (CPMR), gegenüber EurActiv, der territoriale Zusammenhalt dürfe sich nicht nur auf städtische Gebiete beschränken.

Stellungnahmen: 

Claudio Martini, Präsident der Konferenz der peripheren Küstenregionen (CPMR) sagte gegenüber EurActiv, er sei froh über die feste Überzeugung von Kommissar Hahn, dass die Kohäsionspolitik die EU-2020-Strategie untermauern müsse.

Besonders freue er sich, dass der Kommissar den makroregionalen Ansatz berücksichtigen wolle, für dessen Entwicklung sich die CPMR-Mitglieder einsetzten, da dies ein wirksames und starkes Mittel der Koordination darstellen könne.

"Wir weisen darauf hin, dass sich der territoriale Zusammenhalt nicht auf städtische Gebiete beschränken darf", fuhr er fort. Obwohl der Zusammenhalt in unterprivilegierten städtischen Gebieten von größter und unbestrittener Wichtigkeit sei, müsse der territoriale Zusammenhalt – die Solidarität zwischen Gebieten auf unterschiedlichen Ebenen – als etwas Umfassenderes begriffen werden. Ländliche Gebiete oder Gebiete mit spezifischen Gegebenheiten müssten ebenfalls berücksichtigt werden.

Ein Vertreter der Versammlung der Regionen Europas (VRE) sagte im Gespräch mit EurActiv, er begrüße die Erklärung von Kommissar Hahn, wonach allen Regionen Förderung offen stehen sollte. Die europäische Kohäsionspolitik sei für alle Europäer da und solle alle Regionen dabei unterstützen, das meiste aus ihrem Potenzial zu machen, um ihre Schwächen zu überwinden. Die VRE stimme zu, dass die Kohäsionspolitik eng an Europa 2020 gekoppelt sein müsse, und schlage vor, dieser künftigen Strategie weitere Finanzinstrumente über die Kohäsionspolitik hinaus zur Verfügung zu stellen.

Die Präsidentin des Ausschusses der Regionen(AdR) Mercedes Bresso betonte, die Vernachlässigung von regionalen und lokalen Akteuren sei einer der Hauptgründe dafür, warum die Union bisher die Lissabon-Ziele nicht erreicht habe. "Die Lissabon-Strategie war sehr enttäuschend und einer der offensichtlichen Gründe lag in der fehlenden Beteiligung von Akteuren aus Institutionen, Wirtschaft und Gesellschaft vor Ort", erklärte sie. Diese Botschaft sei jedoch nicht angekommen: Die Strategie Europa 2020 begreife die Rolle der Regionen ja kaum als Partner. In Wirklichkeit seien sie jedoch viel mehr als Partner: Sie seien der Dreh- und Angelpunkt dieser Strategie.

Zur Frage vereinfachter Regeln zur Umsetzung von Regionalprogrammen, um die derzeitige Wirtschaftskrise zu bekämpfen, verwies Bresso auf die langjährige Unterstützung des AdR für den Bürokratieabbau. Vor diesem Hintergrund und in Krisenzeiten sei dies nicht nur eine Frage für die Verwaltung und Rechnungsprüfer, sondern eine Überlebensfrage für bestimmte Regionen, für Firmen, die vor Umstrukturierungsmaßnahmen stünden, sowie für Bürger, die in diesen Regionen lebten und arbeiteten.

Michael Häupl, Präsident des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE), behauptete, die künftige EU-2020-Strategie, wie sie derzeit von der Europäischen Kommission vorgesehen sei, führe vom rechten Weg ab.

Der Text der Kommission konzentriere sich zu sehr auf Wachstum, Quantität, Produktivität und Profit. Dabei sei es gerade ein Zuviel an Vertrauen in diese Elemente, das in die Krise geführt habe. Dies müsse also neu überdacht werden: Man müsse Wachstum durch Entwicklung und Quantität durch Qualität ersetzen. Die neue Strategie solle sich gesellschaftlichen Realitäten und bestimmten territorialen Eigenschaften innerhalb der EU widmen, anstatt sich lediglich auf wirtschaftliche Fragen zu konzentrieren. Ein Einsatz für Verfahren lediglich zu "vergrünen".

Häupl hält eine EU-2020-Strategie auf Grundlage von Bedürfnissen vor Ort für die Lösung. Jedoch erwähne das gesamte Kommissionsdokument die örtlichen Behörden mit keinem Wort, obwohl sie den Bürgern am nächsten seien und die verschiedenen Maßnahmen vor Ort umsetzten. Zudem gehe der Text weder auf territoriale Entwicklung noch auf die Kohäsionspolitik ein, beklagte er.

Hintergrund : 

Über eine Überarbeitung der derzeitigen Politik wird bereits einige Jahre gesprochen. Die Debatte gipfelte in einer Einigung von 2007 zwischen dem Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament, die Kohäsionspolitik auf die drei Ziele Konvergenz, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sowie territoriale Zusammenarbeit auszurichten (EurActiv vom 21. Mai 2007).

Einem unabhängigen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Bericht zufolge sind die Ergebnisse der Politik auf Grundlage derzeitiger Erkenntnisse "ungenügend" (EurActiv vom 7. Mai 2009).

Viele regionale Interessenvertreter erwarten von der spanischen EU-Präsidentschaft, die von Januar bis Juni 2010 andauert, dass sie die Debatte über die Regionalpolitik neu anstößt (EurActiv vom 17. Februar 2010).

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