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EU fordert "Einstellung der Feindseligkeiten” im Libanon [DE]

Veröffentlicht 02. August 2006 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Außenminister der EU konnten sich zwar nicht darauf einigen, eine sofortige Waffenruhe zu verlangen, Einigung herrscht jedoch darüber, dass eine politische Einigung erforderlich ist, bevor eine Friedenstruppe entsendet werden kann.

In ihrer Erklärung vom 1. August, forderten die EU-Außenminister „eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten gefolgt von einer dauerhaften Waffenruhe“. Dies entsprach nicht der Forderung der finnischen Präsidentschaft nach einem „sofortigen Waffenstillstand“.

Widerstand seitens Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Tschechien und Polen verhinderte die Durchsetzung des ursprünglichen Vorschlags der Präsidentschaft. Die USA hatten bereits im Vorfeld eine Forderung nach einem sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand abgelehnt. Israel hat angekündigt, die Offensive zwei Wochen fortsetzen zu wollen. 

Der gefundene Kompromiss ermöglicht dem Rat der EU jedoch, mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen.

Der Kompromiss entspricht in etwa den früheren Forderungen Frankreichs nach einer von der UN getragenen „dauerhaften Lösung die von allen Beteiligten unterstützt wird“.

Es wird deutlich gemacht, dass dies „eine notwendige Voraussetzung ist für die Entsendung internationaler Truppen“. Diese „benötigen ein starkes UN-Mandat, um eine politische Einigung zu erreichen und die libanesische Armee zu unterstützen“. 

Die USA lehnen diesen Zeitplan ab und unterstützen die israelische Haltung, dass keine dauerhafte Waffenruhe oder ein politische Einigung möglich ist, bevor nicht eine internationale Friedenstruppe im südlichen Libanon stationiert wurde.

Der finnische Entwurf unterstrich, dass der Entsendung von Truppen eine politische Einigung vorangehen müsste. 

In der Erklärung vom 1. August wird betont, dass „die Mitgliedstaaten ihre Bereitschaft erklärt haben, gemeinsam mit internationalen Partnern, zu einem solchen Einsatz beizutragen.“ Jedoch ist die Bedingung eine Einigung bezüglich eines politischen Rahmens.

In Frankreich, Italien, Finnland, Polen, Schweden und Spanien werden bereits Überlegungen darüber angestellt, Friedenstruppen in den Libanon zu entsenden. Die Türkei und Indonesien haben angekündigt, dass sie eine Truppe möglicherweise unterstützen würden. Es wäre zu erwarten, dass Frankreich die Leitung der Truppen übernehmen würde.

Stellungnahmen: 

Der finnische Außenminister, Erkki Tuomioja, sagte, die EU rufe zu einer „baldigen Einberufung“ des UN-Sicherheitsrats auf, damit eine Resolution vereinbart werden könne, die zu einem Ende der Kampfhandlungen führen könne. Er spielte die Änderungen in der Erklärung der Außenminister herunter. Tuomioja betonte, dass es „aus Sicht der betroffenen das Wichtigste sei, dass die Kampfhandlungen eingestellt würden“.

Der deutsche Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, erklärte: „die Einstellung der Feindseligkeiten ist nicht gleichbedeutend mit einem Waffenstillstand. Ein Waffenstillstand kann später vereinbart werden. Jetzt geht es darum, den Weltsicherheitsrat einzuschalten und Druck auszuüben, um keine Zeit mehr zu verlieren.“

Der französische Außenminister, Philippe Douste-Blazy, zeigte sich zufrieden mit der gemeinsamen Botschaft der EU: „Es ist ein wichtiger Schritt. Die EU hat der Forderung Frankreichs entsprochen“. Er wies auch darauf hin, dass der Iran, der allgemein als Waffenlieferant der Hisbollah bezeichnet wird, eine Rolle spielen könnte. Douste-Blazy hatte sich am 31. Juli in Beirut mit dem iranischen Außenminister getroffen.

EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte, „eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten sollte zu einem dauerhaften Waffenstillstand führen“. Solana erklärte auch, dass der spanische Außenminister, Miguel Angel Moratinos, Syrien, ein weiterer Verbündeter der Hisbollah, besuchen würde, um für ein Friedensabkommen zu werben.

Der irische Außenminister, Dermot Ahern, betonte, dass die Erklärung der EU keinen Zweifel daran lasse, dass alle den Wunsch hegten, ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen herbeizuführen: „Keiner kann heute behaupten wir hätten ihnen grünes Licht gegeben“, sagte Ahern mit Blick auf das Treffen am 26. Juli in Rom. Im Nachhinein hatte Israel den Verzicht auf eine Forderung nach einer Waffenruhe als Zeichen interpretiert, die Kampfhandlungen fortzusetzen.

Die britische Außenministerin, Margaret Beckett, betonte ausdrücklich, dass die Position der EU, Israel kein grünes Licht dafür gebe, die Offensive fortzusetzen: „Ich wäre erstaunt und bestürzt wenn jemand das in die heutige Erklärung hineininterpretieren würde.“

Frankreich und Italien, die beteiligt sind an UNIFIL, der seit 1978 im Libanon stationierten UN-Truppe, erklärten sich bereit, ebenfalls einen Beitrag zu leisten, sollten ihren Forderungen entsprochen werden. Ein polnischer Teilnehmer bestätigte, dass Polen bereit sei, das militärische Engagement im Libanon fortzusetzen.

Italiens Außenminister, Massimo D’Alema, sprach von „der Unmöglichkeit während der Kampfhandlungen eine internationale Truppe zu stationieren“. 

Auch der dänische Außenminister, Per Stig Møller, wies darauf hin, dass ein Waffenstillstand eine Voraussetzung für die  Truppenentsendung sei: „Keiner möchte Truppen entsenden, die von den Beteiligten nicht unterstützt werden. Dies würde das Risiko mit sich führen, von beiden Seiten unter Beschuss zu kommen“.

Nächste Schritte: 

Die Außenminister der Union werden sich zu einem informellen Treffen am 1. und 2. September 2006 im finnischen Lappeenranta treffen. 

Hintergrund : 

Die Gewalthandlungen zwischen Israel und der Hisbollah begannen am 12. Juli 2006, nachdem Hisbollah-Milizen einen israelischen Stützpunkt an der libanesischen Grenze angegriffen hatten. Sieben Soldaten wurden getötet und zwei entführt.

Die Hisbollah setzte den Raketenbeschuss auf Israel  fort und Israel hat nun mit der Entsendung von Bodentruppen in den Libanon geantwortet und wiederholt Luftangriffe durchgeführt. Dabei sind Zivilisten ums Leben gekommen und Israel wird  für eine „unverhältnismäßige Gewaltanwendung“ kritisiert. Die Militäroffensive hat jedoch starken Rückhalt in der israelischen Bevölkerung.

Die USA unterstützen die israelische Haltung, sich nur auf eine „dauerhafte Waffenruhe“ einzulassen. Dies wird dahingehend interpretiert, dass Israel erst die Hisbollah zerstören, beziehungsweise ihre Milizen empfindlich schwächen will, bevor es sich auf eine Waffenruhe einlässt.

Nahost-Experten und Militärbeobachter stellen die Realisierbarkeit dieses Vorhabens jedoch in Frage. Sie warnen ebenfalls vor den Gefahren, die von einem Libanon, das sich  am Rande des Zusammenbruchs befindet, ausgehen könnten.

Die EU-Außenminister haben sich am 1. August 2006 zu einem außerordentlichen Treffen in Brüssel zusammengefunden. Sie waren bemüht, eine klare Botschaft zu vermitteln und den Eindruck zu vermeiden, die EU vertrete keine einheitliche Linie in dieser Frage.

Die ernsten Unstimmigkeiten im Vorfeld des Irakkriegs 2003 waren ein Dämpfer für das Bestreben der EU, die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Union zu stärken.

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