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London – der Tag danach [DE]

Veröffentlicht 08. Juli 2005 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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London bemüht sich, aus dem Schockzustand zu erwachen, den die Bombenanschläge ausgelöst haben. Doch die Angst vor terroristischen Anschlägen in Europa ist zurückgekehrt.

Wer steht hinter den Anschlägen? 

Eine Gruppe, die sich geheime Gruppe von Jihad und von Al Kaida in Europa nennt, hat sich auf einer Website zu den Anschlägen bekannt. Bislang ist jedoch unklar, ob das Bekennerschreiben authentisch ist. 

G-8

Alles deutet darauf hin, dass die Terroranschläge mit dem Beginn der Gespräche der G-8 in Gleneagles, die vom 6. bis 8. Juli stattfinden, zusammenfallen sollten. Tony Blair verließ den Gipfel Donnerstagmorgen kurzfristig, um nach London zurückzukehren. Die Gespräche über Armutsbekämpfung in Afrika und Klimaschutz wurden jedoch fortgesetzt. Allerdings scheint die Terrorismusbekämpfung nun wieder ganz oben auf der politischen Prioritätenliste zu stehen und droht daher, die anderen Themen in den Hintergrund zu drängen.

Rettungseinsatz

Der Einsatz der Rettungsdienste in London ist für die rasche Reaktion, Effizienz und gute Organisation gelobt worden. Augenzeugen berichten, die Polizei und Ärzte seien wenige Minuten nach den Explosionen an den Tatorten angekommen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Rettungsdienste seit den Terroranschlägen in New York vom 11. September 2001 und den Attentaten in Madrid vom 11. März 2004 viel Arbeit in Anti-Terror-Übungen gesteckt haben.

Höhere Sicherheitsstufen in ganz Europa

In vielen europäischen Hauptstädten sind die Sicherheitsstufen umgehend erhöht worden. In Spanien waren in Einkaufszentren und Bahnhöfen zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz. In Berlin bewachten Streifenpolizisten US-amerikanische und britische Einrichtungen sowie das U-Bahn-System. In Frankreich wurde Alarmstufe ‚Rot’ ausgerufen – die zweithöchste Alarmstufe – und Premierminister Dominique de Villepin sagte den britischen Behörden die volle Unterstützung des französischen Nachrichtendiensts zu.

Stellungnahmen: 

EU-Justizkommissar Franco Frattini bot den britischen Behörden sofort jegliche Unterstützung und Hilfe an. Die Anschläge in London seien „nicht nur ein Angriff auf das Vereinigte Königreich oder seine Bürger, sondern ein Angriff auf ganz Europa und uns alle. Dies ist ein Angriff auf alle jene, die die Menschenrechte und unsere gemeinsamen Werte von Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit verteidigen und fördern“. 

Kommissionspräsident Barroso schlug einen ähnlichen Ton an: "Dies ist ein Angriff auf das britische Volk, ein Angriff auf die Demokratie und ein Angriff auf die Grundfreiheiten im Herzen der Europäischen Union. […] Bürger in ganz Europa teilen die Trauer der Briten und wir teilen das Gefühl der Verwundbarkeit gegenüber einer Bedrohung, die in jedem Mitgliedstaat zu jeder Zeit zuschlagen kann“.

Tony Blair war entschlossen, die G-8-Verhandlungen fortzusetzen und Einigungen über die verschiedenen Punkte auf der Tagesordnung zu erzielen. Vor seiner Abfahrt von Gleneagles sagte der britische Premier: „Jedes der Länder am Verhandlungstisch hat Erfahrungen mit den Auswirkungen des Terrorismus. Und all die Staats- und Regierungschefs, wie sie Ihnen später sagen werden, teilen unsere absolute Entschlossenheit, diesen Terrorismus zu besiegen.“

Der französische Präsident Jacques Chirac erklärte in Gleneagles, die Terroristen hätten die Entschlossenheit der Gipfelteilnehmer verstärkt. Wenn ihr Ziel gewesen sei, “die G8 kaputt zu machen“, sei ihnen das nicht gelungen. 

Der deutsche Bundeskanzler Schröder hat erklärt, "wir sind uns einig, dass die internationale Staatengemeinschaft alles tun muss, den Terrorismus mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gemeinsam zu bekämpfen."

Hintergrund : 

Am 7. Juli explodierten vier Bomben im Zentrum Londons: drei von ihnen explodierten in der U-Bahn und eine der Bomben sprengte einen Doppeldeckerbusses in die Luft. Nach offiziellen Angaben sind den Attentaten bislang 38 Menschen zum Opfer gefallen und 45 Menschen befinden sich noch in kritischem Zustand.

Die geschockten EU-Chefs sprachen den Briten geschlossen ihr Beileid aus und bekundeten Solidarität. EU-Justizkommissar Franco Frattini beschrieb die Anschläge als „ein Angriff auf ganz Europa“.

Die Kommission wolle laut Frattini unverzüglich auf die Ereignisse reagieren. Gespräche über Maßnahmen, die eine koordinierte Reaktion Europas auf Terroranschläge in seinem Gebiet ermöglichen würden, sollen am 13. Juli 2005 geführt werden.

Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und Kommissionspräsident Barroso haben die Bombenschläge in London verurteilt. 

Der britische Regierungschef Tony Blair hat erklärt, die Terroristen würden erkennen, „dass unsere Entschlossenheit, unsere Werte und unseren Lebenswandel zu verteidigen, größer ist, als ihre Entschlossenheit, unschuldigen Menschen Tod und Zerstörung zu bringen, um der Welt ihren Extremismus aufzuzwingen."

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