Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Großbritannien, Polen, Italien, Deutschland und sieben weitere Staaten wussten, dass die USA Europa als Transitstrecke für illegal festgehaltene Terrorverdächtige genutzt haben und somit europäische Menschenrechtsgesetze verletzt haben. Der Bericht fordert den Rat auf, eine unabhängige Untersuchung einzuleiten und falls notwendig, Strafmaßnahmen einzuleiten.
Die Art der Strafmaßnahmen wird nicht näher erläutert, jedoch hatte der für Justiz und Sicherheit zuständige Kommissar, Franco Frattini, im November 2005 mit ernsten Konsequenzen gedroht, wenn sich die Vorwürfe bezüglich geheimer CIA-Gefängnisse bewahrheiten sollten, unter anderem mit der Aussetzung des Stimmrechts im Ministerrat.
Laut Bericht haben zwischen 2001 und 2005 mindestens 1.245 CIA-Flüge den europäischen Luftraum durchquert und sind auf europäischen Flughäfen gelandet. Die höchste Dichte an solchen Flügen weisen Großbritannien, Deutschland und Irland auf.
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Terrorverdächtigen, die über Europa transportiert – und teilweise in Europa festgehalten wurden – während der Befragung gefoltert wurden.
Ein in letzter Minute eingebrachter Änderungsantrag, der mit nur einer Stimme Mehrheit angenommen wurde, stellt jedoch fest, dass es nicht möglich sei, mit Sicherheit festzustellen, dass die USA geheime Gefängnisse in Polen unterhalten hätten.
Die Europaabgeordneten erhoben Vorwürfe wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft gegen eine Reihe von Mitgliedstaaten und den Hohen Vertreter der EU, Javier Solana, sowie gegen den Anti-Terror-Koordinator Gijs de Vries. Diese hätten dem Parlamentsausschuss nicht ihr ganzes Wissen mitgeteilt.
Deutschland, das derzeit den Vorsitz der EU innehat, ist in einer besonders prekären Lage: Außenminister Steinmeier sieht sich derzeit mit ernsten Vorwürfen bezüglich der unterlassenen Hilfe für den in Deutschland aufgewachsenen türkischen Staatsangehörigen Murnat Kurnaz konfrontiert, der sich mehr als vier Jahre in amerikanischer Gefangenschaft in Guantanamo Bay befunden hatte.
Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die eine Schließung des Gefangenenlagers auf Kuba fordern und die europäischen Staaten dazu auffordern, die Rückkehr der von US-Behörden illegal festgehaltenen Bürger zu fordern, werfen der deutschen Regierung vor, ein Angebot der US-Behörden im Jahre 2002, Kurnaz zu entlassen, zurückgewiesen zu haben – trotz der Erkenntnis der deutschen und amerikanischen Geheimdienste, dass von Kurnaz keine Terrorbedrohung ausgehe,.
Auf Druck des Ausschusses, sein Wissen über die Causa Kurnaz offenzulegen, sagte Steinmeier, der zu dem fraglichen Zeitpunkt Kanzleramtschef unter Bundeskanzler Schröder war, dass er keine Kenntnisse über ein solches Angebot habe.



