Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, teilte mit, dass die Zahl der Arbeitslosen im November 2009 um 102.000 auf 15,712 Millionen angestiegen war. Dies entspricht 10% der Arbeitskräfte in den 16 Ländern der Eurozone – die höchste Arbeitslosigkeit seit August 1998.
„Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote bis etwa zum dritten Quartal des Jahres ansteigen wird, bevor sie im Laufe von 2011 auf diesem höheren Niveau verharren wird”, so Nick Kounis, Volkswirt bei der Fortis Bank.
„Als Ergebnis dessen werden die Verbraucherausgaben für einen längeren Zeitraum schwächeln. Zudem wird die gesamtwirtschaftliche Erholung langsam sein”, fügte er hinzu.
Das statistische Amt der Europäischen Union bestätigte seine frühere Prognose, wonach die Eurozone die Rezession im dritten Quartal mit einem Wachstum von 0,4% im Vergleich zum vorigen Quartal verlassen hatte – nach fünf Quartalen mit schrumpfender Produktion.
Erholung ‚könnte an Fahrt verlieren’
Der Anteil der einzelnen Komponenten am Bruttoinlandsprodukt änderte sich im Vergleich zu den vorigen Angaben.
Der Aufbau neuer Vorräte, die Anfang 2009 ernsthaft zu Neige gingen, war stärker als gedacht und trug 0,5 Prozentpunkte statt der erwarteten 0,3 Prozentpunkte zum Gesamtergebnis bei.
Der Nettohandel trug mit 0,1 Prozentpunkten weniger als die erwarteten 0,2 Prozentpunkte bei.
Investitionen, die fast ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone ausmachen, zeigten sich schwächer als erwartet und nahmen um 0,2 Prozentpunkte statt der erwarteten -0,1 Prozentpunkte ab.
Die Nachfrage privater Haushalte schließlich, die mit 57% des Gesamtvolumens der größte Posten des BIP der Eurozone darstellt, nahm im Vergleich zum vorigen Quartal um 0,1 Prozentpunkte ab, obwohl dies durch einen Anstieg der Regierungsausgaben um 0,1 Prozent ausgeglichen wurde.
„Wir vermuten, dass die Erholung innerhalb der Eurozone während 2010 zunächst an Schwung verlieren könnte, bevor sich das Wachstum langsam wieder beschleunigt“, so Howard Archer, Volkswirt bei IHS Global Insight.
Dies rühre daher, dass die Regierungen allmählich einige ihrer Konjunkturmaßnahmen wie die Abwrackprämie und Maßnahmen zur Unterstützung der Beschäftigung auslaufen ließen.
„Zusätzlich könnte sich die Entwicklung bezüglich der Vorräte zur Mitte des Jahres hin weniger positiv entwickeln, während der starke Euro, die hohe und weiter ansteigende Arbeitslosigkeit sowie die anhaltende Kreditklemme vor dem Hintergrund weiterhin ernstlicher Probleme des Finanzsektors die Wachstumsaussichten der Eurozone immer noch beeinträchtigen“, sagte Archer.
Zusätzlich besteht die Gefahr, dass das weltweite Wachstum im Jahr 2010 ebenfalls eine Zeitlang ins Stocken geraten könnte, was die Exporte der Eurozone begrenzen würde.
Eurostat korrigierte seine Angaben zur Höhe des BIP im dritten Quartal und sieht nun eine Schrumpfung von 4,0% statt 4,1% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Außerdem korrigierte es die Zahl für das zweite Quartal auf eine Schrumpfung des BIP von 0,1% statt 0,2% im Vergleich zum vorigen Quartal.
Herman Van Rompuy, erster Vollzeitpräsident der Europäischen Union, hatte Anfang dieses Monats einen Sondergipfel für den 11. Februar einberufen, um einen Weg aus der Krise zu finden und die wirtschaftliche und soziale Tagesordnung der EU für das nächste Jahrzehnt zu setzen.
(EurActiv mit Reuters.)



