EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Barrosos soziales Versprechen überzeugt nicht [DE]

Veröffentlicht 01. Oktober 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Das Versprechen des wiederbestellten Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, die Sozialagenda der EU zu erneuern, hat ein geteiltes Echo unter den Beteiligten hervorgerufen. Einige befürchten "business as usual".

Das Versprechen des wieder ernannten EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso die soziale Agenda der EU neu zu beleben, hat ein geteiltes Echo unter den Beteiligten hervorgerufen. Einige geben sich vorsichtig optimistisch, andere befürchten "business as usual".

Barroso, der in dieser Woche etliche Aussagen über die sozialen Prioritäten für seine zweite Amtszeit machte, behauptete, er beabsichtige nachhaltiges Wachstum und sozialen Zusammenhalt in ein Gleichgewicht zu bringen, „denn in einer sozialen Volkswirtschaft wie der unsrigen müssen Wachstum und soziale Sicherung Hand in Hand gehen".

Die Verpflichtungen des Präsidenten während seiner Kampagne im September das "Soziales Europa" zu stärken, wurden im Allgemeinen von Experten begrüßt, auch wenn sie vieles sie als zu vage bezeichneten, um echtes Vertrauen zu schaffen.

In einer Rede am Montag (28. September) bei einem Treffen der ‚Spring Alliance’, einer der größten zivilgesellschaftlichen Koalition in der EU, skizzierte Barroso eine detaillierte Strategie sozialen Prioritäten für seine zweite Amtszeit.

Gleich zu Anfang widerlegte er Behauptungen, dass eine soziale Agenda bloß Lippenbekenntnisse der Kommission seien und argumentierte, dass "äußerst wichtige Mechanismen der Solidarität" derzeit bereits existieren.

Er bestätigte jedoch, dass "unter den aktuellen Umständen mehr getan werden müsse", aber dafür "brauche ich die Unterstützung der Mitgliedstaaten".

Nimmt es Barosso mit den EU-Hauptstädten auf?

Die Frage der sozialen Bestrebungen der Kommission, die von Vetos der Mitgliedsstaaten klein gehalten werden, war ein immer wiederkehrendes Thema. Barroso versprach gegenüber NGOs in seiner zweiten Amtszeit mehr zu tun.

Barroso beschuldigte nationale Vetos für die Blockade seiner sozialen Ambitionen. „Ich denke, mit der jetzigen Krise sollten wir die Frage prüfen ob wir jetzt nicht doch etwas auf EU-Ebene für die Ärmsten haben sollten? Meine Position dazu ist "Ja". Die bisherige Position des Rates dazu ist "Nein "- das ist die Realität ", resümierte er.

Er ging auch ein auf das heikle Thema der sozialen Ziele und behauptete, dass die Kommission die Notwendigkeit mit ihrer Mitteilung von 2008 erkannt habe. Das Problem sei, so Barroso, dass die Mitgliedstaaten uneinig seien, wie Methoden für soziale Standards auf EU-Ebene umzusetzen seien. Als Resultat davon wurden", einheitliche Ziele in der Sozialpolitik" bisher nie erreicht.

Aber Barroso erklärte, er würde mit neuem Elan die Debatte in die europäischen Hauptstädte bringen. "Lasst es uns noch einmal versuchen und wir werden sehen, ob sie nun bereit sind es zu akzeptieren", forderte er.

Die Meinungen waren geteilt, ob diese Ansprüche echter Überzeugung entsprachen oder bloße Lippenbekenntnisse zum Ausdruck brachten. Der Vorsitzende der Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) Poul Nyrup Rasmussen wies im Gespräch mit EurActiv Barrosos Argumente zurück. Er gebe anderen die Schuld für seinen chronischen Führungsmangel. Er war in der Krise passiv und jetzt weigert er sich wieder, Vorschläge für den Fortschritt des sozialen Europa im Interesse der Menschen zu machen", sagte er.

Die ‘Spring Alliance’, ein starker Befürworter für "Messinstrumenten , die über das BIP hinaus gehen," sieht die Sache positiver. Roshan di Puppo, Direktor der ‚Social Platform’, die mit der ‚Spring Alliance zusammen ein Manifest herausgab, sagte gegenüber EurActiv, wenn Barroso offene Kommunikationsmethoden als primäres Instrument für die grenzüberschreitende Koordinierung der EU-Sozialpolitik stärkt, ist eine EU-Bewertungsliste für soziale Standards eine realistische Option für die kommenden Jahre.

Allerdings forderte sie einen schrittweisen Ansatz mit dem Argument, das die Zeit für eine solche Bewertungsliste zwar reif sein mag, die Mitgliedstaaten jedoch die Schaffung von messbaren Standards nicht mittragen würden.

"Was ich aus der Erklärung Barrosos entnommen habe ist, dass wir zuerst die Bewertungsliste vornehmen und dann die Hauptstädte. Ich denke dies ist der richtige Ansatz," sagte sie. 

Stellungnahmen: 

Nach Erscheinen von Präsident Barroso bei der Spring Alliance, sagten Vorsitzende seiner Mitgliederorganisationen folgendes:

Conny Reuter, Präsidentin der Social Platform, sagte "Wir schätzen es, dass Präsident Barroso sich einem Europa verpflichtet, welches die Menschen in den Mittelpunkt der Tagesordnung stellt. Für uns bedeutet dies, die jetzige Strategie des Wettbewerbs und des Wachstums zugunsten einer Politik, die Armut und Diskriminierung wirksam bekämpft zu verändern. Wir erwarten von Präsident Barroso, dass er die Menschen und den Planeten an erste Stelle setzt."

Justin Kilcullen, Präsident von CONCORD, der europäischen NGO für Nothilfe und Entwicklung, erklärte: "Es ist Zeit das jetzige europäische Modell in Frage zu stellen, ein Modell, das auch starkem wirtschaftlichen Wachstum basiert, ungleich Reichtum verteilt und natürliche Ressourcen ausbeutet. Wir wollen eine Reform der globalen Wirtschaft und den Entwicklungsländern eine wirkliche Beteiligung an wichtigen Entscheidungen geben, die Auswirkungen auf ihre Zukunft haben." 

Mikael Karlsson, Präsident des European Environmental Bureau (EEB) sagte: "Wir fordern konkrete Maßnahmen einer nachhaltigen Agenda der EU, die Konsum und Produktionsmuster ändert und der Umwelt und den Menschen maximale Aufmerksamkeit gibt. Die neue Kommission muss Maßnahmen vorschlagen." 

Der Präsident der europäischen Sozialdemokratischen Partei (SPE), Poul Nyrup Rasmussen, sagte, "Barroso gibt wieder einmal anderen die Schuld an seiner fehlenden Führung. Er war während der Krise passiv und weigert sich nun, Vorschläge zu einem sozialen Europa zu machen. Ich hoffe, er muss nicht daran erinnert werde, dass die Kommission – und nicht der Rat – die einzige Institution ist mit einem Recht der Gesetzesinitiative." 

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat im vergangenen Monat gesagt "es ist noch nicht klar" ob "Barrosos Aktionen ein Schritt in die richtige Richtung sind". "Es gibt immer noch einen Mangel an genauen Vorstellungen darüber, wie die Post-Arbeitsdirektive aussehen wird. Erkennt der Präsident der Kommission gleichen Lohn für gleiche Arbeit für die entsendeten Arbeitnehmer an? Es ist enttäuschend, dass der keinen Schritt gemacht hat hinsichtlich des EGB-Vorschlages für einen Sozialen Fortschritt."

Eurofund, die in Dublin ansässige EU-Agentur, argumentiert, dass "umfassende Krisenpakete sind besser geeignet a ls isolierte Initiativen, die Wachstum am Arbeitsmarkt fördern, um Europa aus der Rezession zu holen." 

Ein Bericht der Agentur behauptet, dass "die Vermeidung von Arbeitslosigkeit eine weit effizientere Strategie für den Schutz der Arbeit sei als der Versuch sie zu beheben. Arbeitslosigkeit kann durch die Förderung von Unternehmen, durch einen besseren Zugang zu Finanzmitteln sowie strategische Entwicklung und Innovation behoben werden."

Eurofund fügt hinzu, dass "der soziale Dialog eine essentielle Rolle bei der Gewährleistung eines fairen Arrangements spielt, vor dem Hintergrund der Rezession, die beide, Arbeiter und Arbeitnehmer, herausfordert. In ganz Europa unterscheidet sich die Miteinbeziehung der Sozialpartner in der Entwicklung und Umsetzung der Rezession in Bezug auf die Höhe und das Ausmaß ihrer Integration in die Gestaltung der Politik." 

Hintergrund : 

Der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso wurde für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. (EurActiv vom 16. September 2009) 

Im Rahmen seiner Kampagne zu seiner Wiederbestellung veröffentlichte Barroso sein 41-seitiges Dokument mit dem Titel "Politische Leitlinien für die nächste Kommission", die einen allgemeinen Überblick über seine Ambitionen der nächsten fünf Jahre gibt. 

In Bezug auf seine Sozialpolitik erklärte Barroso, es sei seine "Überzeugung, dass die EU mit seiner sozialen Marktwirtschaft der Weg für eine besser Zukunft für uns" sei und fügte hinzu, dass "die soziale Priorität viel wichtiger ist als vor fünf Jahren."

Die letzte Aussage erhöhte die Hoffnungen bei einigen EU-Akteuren und sozialen NGOs, dass Barroso II eine stärkere Sozialpolitik fördern würde, andere argumentierten, dass Barrosos Aktionsplan etwas mehr  als eine Liste guter Absichten wäre und der Portugiese präziser sein müsse. 

More in this section

Advertising