ThemenRubriken
MiniRubriken
Die Kommission hat nun ihren „Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung“ (EGF) vorgestellt. Mit dem Fonds soll Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz aufgrund von Restrukturierungen verloren haben, die Rückkehr ins Erwerbsleben erleichtert werden. Viele Wirtschaftsexperten sind jedoch skeptisch.
Auf dem Gipfel des Europäischen Rates im Dezember 2005 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten, einen Globalisierungsfonds einzurichten. Die Idee, Erwerbslose zu unterstützen, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des durch die fortschreitende Globalisierung zunehmenden Wettbewerbsdrucks verloren haben, entstand im Kielwasser des ‚Neins’ zur EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden und einer umfassenden Restrukturierung von HP France, die zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten führte. Ursprünglich hatten mehrere Mitgliedstaaten den Vorschlag abgelehnt. Doch der Kompromiss über den EU-Haushalt 2007-2013 bahnte schließlich den Weg für den Globalisierungsfonds.
Der Globalisierungsfonds wird mit 500 Millionen Euro ausgestattet sein. Die Mitgliedstaaten werden künftig bei der Kommission finanzielle Mittel für die Umschulung von Erwerbssuchenden beantragen können, wenn diese ihre Arbeit aufgrund „struktureller Veränderungen im Welthandelsgefüge“ verloren haben. Die Kommission hat äußerst komplexe technokratische Kriterien dafür ausgearbeitet, unter welchen Bedingungen sie Unterstützung leisten kann.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz betonten Kommissionspräsident Barroso und Kommissar für Soziales Spidla den Solidaritätsaspekt des neuen Fonds: „Dies ist kein Fonds, der Sektoren unterstützen soll, die nicht mehr wettbewerbsfähig sind, sondern ein Fonds, der Menschen helfen soll“, so der Kommissionspräsident. „Wir wollen zeigen, dass sie der EU wichtig sind“, hieß es weiter.
Einige Wirtschaftsexperten hegen jedoch Zweifel an dem Fonds und weisen auf mehrere potentielle Probleme hin:
Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS) zeigte sich im Gespräch mit EurActiv skeptisch: „Der Fonds ist als Symbol dafür gedacht, dass die EU sich um die Verlierer der Globalisierung kümmert. Aber die Größe des Fonds bedeutet, dass er wirklich nicht mehr ist als ein Zeichen. Mit einer halben Milliarde Euro kann man auf EU-Ebene nicht viel machen. Und selbst diese bescheidenen Mittel werden wahrscheinlich höchst umstritten sein: sollte man diejenigen, die sich nicht auf die Globalisierung vorbereitet haben, belohnen? Kann man Unterstützung an relativ reiche Menschen zahlen (in Deutschland und Schweden), die ihre Arbeit verlieren, während Polen nur einen Bruchteil bekommen, selbst wenn sie ihre Arbeit behalten? Außerdem ist dies eigentlich nicht Aufgabe der EU, da die Mitgliedstaaten mit ihrer Politik entscheiden, wann Globalisierung ein Problem oder eine Möglichkeit ist“.
Eurochambres, die Vereinigung der Europäischen Industrie- und Handelskammern, ist ebenfalls der Ansicht, dass der Fonds „ein Fehler“ sei. Eurochambres hat erklärt, „dieser Fonds könnte den Eindruck erwecken, dass wir Europa vor dem Rest der Welt beschützen könnten, dies ist aber nicht der Fall“.
Der Europäische Gewerkschaftsbund EGB steht dem Globalisierungsfonds positiver gegenüber und begrüßt den Vorschlag der Kommission. Gleichzeitig kritisiert er die begrenzte Rolle, die den Sozialpartnern bei der Umsetzung des Fonds zukäme und die Tatsache, dass Unterstützung lediglich an Arbeitslose gezahlt werden solle, die Opfer von Standortverlagerungen in Drittländer werden und nicht auch an Arbeitnehmer, deren Firmen innerhalb der Europäischen Union [in ein anderes Land] abwandern“.
Poul Nyrup Rasmussen, Vorsitzender der Partei der Europäischen Sozialdemokraten, äußerte sich ebenfalls positiv. Gleichzeitig betonte er, der Fonds dürfe „in keiner Weise die Mitgliedstaaten von der Pflicht entbinden, in Bildung, Forschung und Entwicklung und andere Voraussetzungen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu investieren“.