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29. November 2009
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EU streitet über Vorschlag zur Anwerbung ausländischer Arbeiter [DE][en][fr

Erschienen: Freitag 14. September 2007    | Aktualisiert: Montag 17. September 2007   

Eine Reihe von Vorschlägen der Europäischen Kommission, die darauf abzielen die sich abzeichnende demographische Krise durch die Anwerbung von rund 20 Millionen zusätzlicher Arbeiter aus Nicht-EU-Ländern zu entschärfen, ist bei deutschen Politikern auf scharfe Kritik gestoßen. Sie sind der Meinung, dass es allein in Deutschland noch ausreichend ungenutzte Arbeitskräfte gebe.

Hintergrund:

Zu Beginn des 21. Jahrhundert steht Europa vor einer doppelten Herausforderung:

  • Die demographischen Entwicklungen, die laut Prognosen dazu führen, dass bis 2050 zwei Arbeiter für den Lebensunterhalt einer pensionierten Person zahlen müssen (im Vergleich zu vier Arbeitern heute). Experten sagen, dass höhere Geburtenraten, welche die EU und die Mitgliedstaaten durch eine Reihe von Politiken versuchen zu erreichen, diese Entwicklung abschwächen, ihr jedoch nicht vollständig entgegenwirken können.
  • Eine zunehmend konkurrierende Weltwirtschaft, in der nach 2020 Wirtschaftswachstum vom Produktivitätswachstum abhängen wird. Daher wird eine zunehmende Zahl an hochqualifizierten Arbeitskräften benötigt werden. Die Pisa-Studie hat jedoch gezeigt, dass die europäischen Länder Probleme damit haben, Kinder und Jugendliche für die Herausforderungen des Berufslebens von Morgen auszubilden.

Gleichzeitig halten restriktive Einwanderungsgesetze europäische Unternehmen davon ab, das Personal aus dem Ausland einzustellen, das sie dringend benötigen. Einige Länder bilden Studenten gar in begehrten Ingenieurwissenschaften aus und zwingen diese dann dazu, das Land zu verlassen, sobald sie ihre Studien beendet haben.

Die Kommission schätzt, dass die EU in den kommenden 20 Jahren weitere 20 Millionen Immigranten, sowohl hochqualifizierte als auch ungelernte Arbeitskräfte, benötigen werde. Sie schlägt daher vor, dass Mitgliedstaaten nicht länger den Zugang von Ausländern behindern und stattdessen ihre Grenzen für regulierte, legale Immigration öffnen sollten.

Der Kommissar für Justiz, Franco Frattini, sagte, dass die EU vor allem lernen müsse, mit den USA zu konkurrieren, die es bisher vermögen, weltweit die meisten qualifizierten Arbeitskräfte zu gewinnen, wohingegen die Arbeitsimmigranten in der EU eher ungelernte Kräfte seien.

Die Kommission wird daher im Oktober 2007 ein Rechtspaket vorschlagen, dass folgendes enthält:

  • eine Rahmenrichtlinie zu den Rechten legaler Einwanderer;
  • eine Richtlinie zu hochqualifizierten Arbeitsimmigranten (Vorschlag der so genannten 'Blue Card'/'Blaue Arbeitskarte'); 
  • eine Richtlinie zu Saisonarbeitern;
  • eine Richtlinie zu innerbetrieblichen Versetzungen, und;
  • eine Richtlinie zu bezahlten Trainees.

Positionen:

Der Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, Migration sei eines der großen Probleme der heutigen Zeit. Die Kommission verfolge eine klare zweispurige Strategie: zu legaler Migration, von der die Migranten, deren Heimatländer und Europa profitieren, zu ermutigen, sowie strenger gegen illegale Migration vorzugehen. Die Kommission werde im Oktober 2007 zwei vorgeschlagene Richtlinien zu Arbeitsimmigration vorlegen, und damit den bereits vorgebrachten Vorschlag zu Maßnahmen gegen diejenigen, die illegale Migranten beschäftigten, vervollständigen.

Der Kommissar für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, Vladimír Špidla, sagte, er sei überzeugt, dass das heutige Europa keine Wahl zwischen einer Zukunft mit oder einer Zukunft ohne Einwanderung habe. Die einzige Wahl, die Europa habe, sei zwischen einer Einwanderung, die gut oder schlecht organisiert sei. Die Europäische Union entwickle eine ehrgeizige und ausgewogene Einwanderungs- und Integrationspolitik. Špidla erklärte, seiner Meinung nach sei es notwendig, die Einwanderung und die Integration von Migranten durch sozialen Zusammenhalt zu meistern. Dies sei derjenige Wert, der Europa von anderen westlichen Kulturen unterscheide.

Der Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit, Franco Frattini, sagte, die Länder, die in den vergangenen Jahren ein schnelles Wirtschaftswachstum verzeichnen konnten, wie Spanien und Irland, hätten ohne Frage von der Einwanderung qualifizierter Arbeiter aus sowohl der EU als auch von außerhalb profitiert. In der EU würden Arbeitskräfte aller Qualifikationen benötigt. Die Herausforderung sei, die Arbeiter anzuwerben, die benötigt würden, um bestimmte Lücken zu schließen. Zusammenarbeit stärke die EU, nicht nur bei der Handhabung von Problemen wie illegaler Einwanderung oder Grenzschutz, sondern auch bei der Wahrnehmung der Möglichkeiten, die Migranten mit sich brächten. Gemeinsame Maßnahmen auf EU-Ebene verliehen den Mitgliedstaaten ein stärkeres Gewicht auf der internationalen Bühne; dabei müsse man im Hinterkopf haben, dass verschiedene Länder und Regionen weltweit um qualifizierte Migranten konkurrierten, besonders diejenigen mit hohen Qualifikationen.

Wirtschaftsminister Michael Glos  (CSU) lehnte die Vorschläge der Kommission unmittelbar nachdem diese vorgelegt wurden ab. Deutschland könne nicht „massenhaft ausländischer Arbeitnehmer holen, nur weil wir sie im Moment gerade einmal brauchen“. Er fügte hinzu: „Das wäre so, als könnte man einen Wasserhahn mal eben auf- und wieder zusperren.“ Glos erinnerte daran, dass es noch „ein sehr großes Reservoir an nicht ausgeschöpfter Arbeitskraft“ in Deutschland gebe. Die Politiker der anderen Parteien der Bundesregierung pflichteten ihm bei.

Der britische grüne Europaabgeordnete, Jean Lambert, sagte, der neue Schwerpunkt von Kommissar Frattini, die EU-Politik auf legale Migration und Integration zu fokussieren, sei sehr willkommen. Die EU brauche Einwanderung und sollte nicht davor scheuen, dies zu äußern, so wie es Kommissar Frattini getan habe. Man könne kulturell, sozial und wirtschaftlich gesehen viel gewinnen, wenn man einen kohärenten Ansatz auf EU-Ebene für Einwanderung annehme. Hierbei sei die vorgeschlagene 'Blue Card' ('Blaue Arbeitskarte') eine positive Initiative. Dennoch höre eine erfolgreiche Einwanderungspolitik nicht nach Ausstellen des Visums auf. Ein umfassender Ansatz, der sich mit der Integration von Einwanderungsgemeinschaften auseinandersetze, sei entscheidend. Daher begrüße er den Schwerpunkt, den die Kommission auf Teilnahme und Staatsangehörigkeit sowie auf eine Vermeidung von Entfremdung und Diskriminierung gegen Einwanderer lege.

Bashy QuraishyPräsident des Europäischen Netzes gegen Rassismus (ENAR), sagte, obwohl grundsätzlich jede Person in der EU das Recht auf gleichberechtigte Behandlung habe, unabhängig von deren rechtlichem Status, sei die Realität in den meisten EU-Staaten, dass Migranten und deren Angehörige zunehmend Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt seien. ENAR sei sehr besorgt über den Mangel an Respekt der Rechte von Menschen aus Drittstaaten. Die EU-Politik und die EU-Politiker, die während der Konferenz anwesend seien, müssten Lösungen finden, um diese Situation zu verändern, sowie die Staats- und Regierungschefs der EU auffordern, ihrer Verpflichtung zu den Grundrechten gerecht zu werden.

Nächste Schritte:

Dokumentensammlung: 

OEIL: Policy plan on legal migrationexternal  [FRexternal ]

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Leserbriefe
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paulstpancras, European citizen
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Claudette Abela Baldacchino, Member, PES Group, Committee of the Regions (MT)
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