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Kommission verfolgt Frankreichs Ausweisung von Roma

Veröffentlicht 19. August 2010 - Aktualisiert 20. August 2010
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Die Europäische Kommission verfolge sehr genau die Art, wie Frankreich mit seinen Roma umgeht, die die Behörden in Gruppen abzuschieben planten, erklärten Vertreter der Kommission gestern (18. August), nachdem die Brüsseler Presse sie gefragt hatte, ob solche Abschiebungen mit der EU-Gesetzgebung im Einklang seien.

EU-Länder hätten zwar die Möglichkeit, Sicherheitsmaßnahmen gegen auf ihrem Territorium residierende Ausländer zu ergreifen, doch verfolge man die Situation mit großer Aufmerksamkeit, so die Kommissionssprecherin Amelia Torres.

Torres sagte, zwei Kommissare beschäftigten sich mit dem Thema: Viviane Reding, die Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft; und László Andor, der Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration.

Heute (19. August) beginnt Frankreich laut Berichten der französischen Presse mit der Ausweisung von 700 hauptsächlich aus Rumänien und Bulgarien stammenden Roma, die illegal im Land lebten. Am 28. Juli begann der französische Präsident, Nicolas Sarkozy, eine neue Initiative im Kampf gegen das Verbrechen. Diese zielte auf die „wandernde Bevölkerung“ ab, mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Roma-Gemeinde (EurActiv 29.07.10).

Der Immigrationsminister, Eric Bresson, sagte, 79 Roma, die sich im Austausch gegen 300 Euro für Erwachsene und 100 Euro für Minderjährige bereit erklärt hatten, nach Hause zurückzukehren, werden einen Charterflug nehmen, der am Donnerstag in die rumänische Hauptstadt Bukarest abhebt.

Ihm zufolge hat die Polizei bislang 51 illegale Roma-Camps abgebrochen. Zwei Flüge würden die Roma am 19. und 26. August nach Rumänien und Bulgarien bringen und ein dritter Flug sei für Ende September angesetzt.

Journalisten erkundigten sich nach der Grundlage, auf der die Ausweisung von 700 Menschen stattfand, da EU-Gesetze es erforderlich machen, jeden Fall einzeln zu untersuchen. Ein Kommissionssprecher sagte, solche Details würden später bekannt gegeben werden, da man die Situation zurzeit noch prüfe.

Teodor Basconschi, der rumänische Außenminister, drückte seine Befürchtungen steigenden Fremdenhasses in Frankreich zum Anlass der Abschiebung aus. Er sei besorgt über das Risiko populistischer Provokation und der Erzeugung xenophober Reaktionen zur Zeit einer wirtschaftlichen Krise, sagte er in einem Gespräch mit dem rumänischen Dienst des französischen Radiosenders RFI.

Basconschi, der ehemaliger Botschafter in Frankreich ist, rief zu einem gemeinsamen französisch-rumänischen Ansatz zur Lösung der Situation auf, ohne künstlich erzeugtes Wahlfieber. Damit bezog er sich scheinbar auf Sarkozys schwache Aussichten bei den für 2012 angesetzten Präsidentenwahlen.

Der Präsident und Gründer der Linken Partei, Jean-Luc Mélenchon, beschrieb die Verfahrensweise der französischen Regierung mit den Roma als erbärmlich und beschuldigte Sarkozy, einen Streit vom Zaun zu brechen, nur um dann die Rolle des Zorro spielen zu können.

Er sagte, niemand gewinne etwas, indem man versuche, die Komplexität solcher Themen zu verschweigen. Seit Sommerbeginn benötige der Präsident Sündenböcke.

Auf offizieller Ebene blieb es in Bulgarien stumm zu der Kontroverse, doch Journalisten der Oppositionspresse beschimpften Sarkozys „Politik der Vertreibung“.

Es wird angenommen, dass die Zahl der Roma aus Bulgarien in Frankreich und Westeuropa insgesamt viel niedriger sei als die der Roma aus Rumänien.

Stellungnahmen: 

Die amtierende französische Partei der rechten Mitte UMP keilte gegen ein UN-Komitee aus, welches der Regierung vorwirft, eine steigende Tendenz zum Fremdenhass im Land nicht zu bekämpfen. Mitglieder des UN-Komitees für die Beseitigung der Rassistischen Diskriminierung (Cerd) kämen aus Ländern, die die Menschenrechte nicht respektierten, und seien „meilenweit entfernt“ von der Wirklichkeit, sagten Parteivorsitzende laut dem RFI-Sender am 13. August.

Nicht jedes Land, das im Komitee vertreten ist, sei ein glühendes Beispiel für Demokratie und Respekt für Minderheiten, so der UMP-Abgeordnete Christian Vanneste. Algerien, Russland und Rumänien behandelten die Roma sehr schlecht, was man daran sehen könne, in welchem Zustand sie in Frankreich einreisten.

Der Bericht des Komitees verurteilte den Mangel an politischem Willen, um dem angeblichen Anstieg in der Zahl rassistischer und fremdenfeindlicher Zwischenfälle ein Ende zu setzen.

Der Bericht kritisierte auch die Erklärungen des französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, bezüglich der Roma-Bevölkerung in Frankreich, sowie den Plan, Verbrecher fremden Ursprungs ihrer französischen Nationalität zu berauben.

Hintergrund : 

Der Europäischen Kommission zufolge sind die Roma die größte ethnische Minderheit in der EU und ihre Ursprünge lägen im mittelalterlichen Indien. Es existieren in Europa viele Untergruppen der Roma.

Die augenblickliche Statistik besagt, dass 535.000 Roma in Rumänien leben, 370.000 in Bulgarien, 205.000 in Ungarn, 89.000 in der Slowakei und 108.000 in Serbien. Es wird geschätzt, dass 200.000 Roma in der Tschechischen Republik leben, die gleiche Anzahl in Griechenland und etwa 500.000 in der Türkei.

Viele Roma aus Osteuropa zogen nach der EU-Erweiterung in den Westen, was insbesondere in Italien Spannungen verursachte (EurActiv 30.06.09).

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