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Kritik der EZB an Lohnforderungen missfällt Gewerkschaften [DE]

Veröffentlicht 11. Januar 2008 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Eine Reihe von Äußerungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet zu Tarifverträgen, die Löhne an erhöhte Lebenskosten anpassen, wurden scharf von Gewerkschaften überall in der EU kritisiert.

Während einer Pressekonferenz der EZB am 10. Januar 2008 sagte Trichet, dass eine Dämpfung der derzeitigen hohen Inflationsraten zum Ende des Jahres nur dann zustande kommen könnte, wenn die jüngsten Entwicklungen der Öl- und Lebensmittelpreis und deren Einfluss auf die HVPI-Inflation (harmonisierter Verbraucherpreisindex) keine Zweitrundeneffekte auf Lohnabschluss- und Preisfixierungsverhalten hätten. Im Dezember 2007 lag die Jahresinflationsrate bei 3,1%.

Trichet äußerte seine Bedenken, zu den Gefahren dieses mittelfristigen Ausblicks für Preisentwicklungen zählte die Möglichkeit, dass es zu stärkeren Lohnzuwächsen als bisher erwartet kommen könnte, wenn man Kapazitätsengpässe und die positiven Entwicklungen der Arbeitsmärkte in Betracht ziehe. Er fügte hinzu, dass jegliches System der Indexbindung von Nominallöhnen an Preise beseitigt werden solle. 

Nach ähnlichen Äußerungen von Trichet vergangenen Samstag forderte der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) von der EZB, ihren „Kreuzzug gegen gerechte Löhne“ zu beende. Reiner Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär des EGB, griff die in Frankfurt sitzende Bank an: Die EZB kritisiere Tarifverträge und gerechte Löhne, um die Tatsache zu vertuschen, dass ihr Vorstand scheinbar unfähig sei, eine politische Reaktion auf die Wertsteigerung des Euro-Wechselkurses und die Subprime-Finanzkrise durch eine Senkung der Zinnsätze zu leisten.

Laut des EGB sei die Annahme, dass die Ölpreisanstiege zu einer Lohn-Preis-Spirale führten, aus zwei Gründen falsch:

  • Die Stundenlöhne wüchsen um nur 2,6% und der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen falle kontinuierlich; stärkere Lohnzuwächse stellten daher keine Inflationsgefahr dar;
  • Durch eine Wertsteigerung des Euro-Wechselkurses und das das Finanzsystem noch immer die Turbulenzen der Subprime-Krise erfährt, benötige die Eurozone robuste Lohnzuschüsse um Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen voranzutreiben.

In Deutschland, dem Wirtschaftsriesen der EU, fordern Gewerkschaften der einzelnen Sektoren Lohnanhebungen von acht Prozent für Beamte und Arbeiter der Stahlbranche. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Arbeitsminister Olaf Scholz und Finanzminister Peer Steinbrück haben sich kürzlich für Lohnsteigerungen ausgesprochen.

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