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Stellenangebot registrierenDie Kommission geht davon aus, dass 2007 und 2008 in der EU 5,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Regierungen stehen nun vor einer ungewöhnlichen Herausforderung: Arbeitnehmer für die offenen Stellen zu finden.
Laut den Daten, die am 1. Juni 2007 von Eurostat, dem statistischen Amt der EU, veröffentlicht wurden, betrug die Arbeitslosenquote in der EU im April 2007 7,1%. Damit ist ein Rückgang von fast einem Prozent im vergangenen Jahr zu verzeichnen und die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU seit mehr als 15 Jahren.
2006 entstanden zwei Millionen neue Arbeitsplätze und die Kommission geht davon aus, dass aufgrund des florierenden europäischen Wirtschaftswachstums 2007 und 2008 weitere 5,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden (EurActiv vom 08. Mai 2007).
Trotz dieser positiven Entwicklungen scheinen die Geschäftsleute und Politiker der EU vor einem Dilemma zu stehen: Menschen zu finden, welche die neuen offen Stellen füllen und den Wirtschaftsaufschwung aufrechterhalten.
Der Bevölkerungsrückgang in der EU, die alternde Arbeitskraft und der Mangel an qualifiziertem Personal bedeutet, dass ein Mangel an Arbeitskräften schnell zu einer der größten Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents wird und ernsthaft die Innovationsfähigkeit der High-Tech-Unternehmen schwächt, welche die Konjunktur anführen.
Mangel an Arbeitskräften
Mittlerweile gibt es nach Angaben der Kommission rund drei Millionen unbesetzte Stellen in Europa.
Während das Problem traditionellerweise Positionen für ungelerntes Personal betraf, wird die Besetzung von Stellen in Sektoren mit hohen Anforderungen wie im Ingenieurswesen zunehmend schwierig.
Dies trifft vor allem auf die größte europäische Volkswirtschaft zu: In Deutschland sind die Stellenangebote für Ingenieure im letzten Jahr um rund 30% auf 23 000 gestiegen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft können die Kosten, die der deutschen Wirtschaft durch das fehlende Personal entstehen, auf rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt werden.
Jüngst hat die deutsche Siemens AG einen Preis von 3 000 Euro geboten, für denjenigen, der dem Unternehmen bei der Rekrutierung eines Ingenieurs behilflich ist, da das Unternehmen mit seinen überquellenden Auftragsbüchern zu kämpfen hat.
Dieses Beispiel zeigt den Ernst des Mangels an qualifizierten Arbeitnehmern in Europa, der auch für den Sektor der Informationstechnologien gilt. Dieser trägt zu mehr als 5% des BIPs in der EU bei, aber es wird erwartet, dass ihm bis 2010 rund 300 000 qualifizierte Beschäftigte fehlen werden.
Ermutigung zum “aktiven Altern”
Unternehmen, die in den mageren Jahren ältere Arbeitnehmer in den vorzeitigen Ruhestand geschickt haben, erkennen jetzt, dass ihre einzige Möglichkeit darin besteht, die ‚silbernen Arbeiter’ zurückzuholen, um die Belegschaftslücken zu schließen.
22% der EU-Bevölkerung ist bereits über 60 Jahre alt und dieser Anteil wird bis 2050 vermutlich auf 36% anwachsen. Deshalb werden sich die Unternehmen in Zukunft sogar noch mehr auf ältere Arbeitnehmer verlassen müssen. Die EU setzt sich für die Politiken ein, welche die Menschen länger am Arbeitsplatz halten sollen.
Verbote zur altersbezogenen Diskriminierung, die Konzentrierung auf lebenslanges Lernen und die Ermutigung zu flexibleren Arbeitszeiten sind ein Teil der Bemühungen, die in diesem Bereich unternommen werden (EurActiv vom 20. März 2007).
Die Arbeitnehmerschaft länger zur Erwerbstätigkeit zu verpflichten, wird nicht allein ausreichen, um das Problem des Arbeitnehmermangels in Europa zu lösen.
Die EU hat die Bedeutung von Arbeitnehmermobilität und Migration für die Überwindung des Arbeitsmarktproblems erkannt. Bisher zeigten sich die europäischen Wähler jedoch zurückhaltend, diese Möglichkeiten zu unterstützen, sei es durch eine Erweiterung Europas, die EU-Mitgliedschaft der Türkei oder liberalere Einwanderungsgesetze.
Ältere Mitgliedstaaten, einschließlich Deutschland, geben sich trotz des drastischen Mangels an Arbeitskräften in zahlreichen Sektoren weiterhin zögerlich, Arbeitnehmer aus den zehn Ländern, welche der EU vor dreieinhalb Jahren beigetreten sind, einzustellen.
Dennoch zeigen Berichte aus Ländern wie dem Vereinten Königreich, die ihre Türen für Arbeitnehmer aus den neuen Mitgliedstaaten geöffnet haben, dass die Immigration von hochbegabten und billigen Arbeitskräften aus diesen Ländern den Unternehmen geholfen hat, in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähiger zu werden (EurActiv 23. November 2006).
Immer mehr Unternehmen kehren Europa bereits den Rücken, um in Länder wie China, dessen Märkte durch niedrigere Arbeitskosten und stärkere Nachfrage gekennzeichnet ist, zu expandieren. Wenn sich der Bedarf an Ingenieuren nicht erholt, könnte diese Entwicklung allmählich Europas ‚kritische Masse’ auf dem Weltmarkt verringern.
Der EU-Kommissar für Beschäftigung Vladimír Špidla ist der Meinung, dass eine uneingeschränkte Mobilität der Arbeitnehmer ihren Beitrag leisten kann, um Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel in Europa zu bekämpfen. Es müsse anerkannt werden, dass das Fehlen einer Mobilitätskultur in Europa seinen Preis habe, sagte Špidla. Er fügte hinzu, uneingeschränkte Arbeitnehmermobilität sei ökonomisch vernünftig und in den EU-Verträgen verankert. Man habe seit der Erweiterung der EU keinerlei katastrophale Auswirkungen verzeichnet. Im Gegenteil, betonte Špidla, die Auferlegung von Beschränkungen habe zu unerwünschten Nebeneffekten wie ein hohes Maß an illegaler Beschäftigung geführt.
Herbert Buscher, Ökonom am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), sagte, Deutschland habe sich selbst geschadet, indem es die uneingeschränkte Arbeitnehmermobilität beschränkt habe.
Dr. Willi Fuchs, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), sagte, dass er keinerlei Verbesserungen erwarte, weil die Studentenzahlen in den Ingenieurswissenschaften stagnierten. Er sei der Meinung, dass Politiken sich auf die jungen Generationen und Schulen konzentrieren sollten. Michael Schwartz, der Pressesprecher des VDI, sagte, der Beruf des Ingenieurs habe ein Imageproblem. Jugendliche glaubten noch immer, Ingenieure seien Menschen, die in blauen Anzügen arbeiteten und den ganzen Tag inmitten von Maschinen verbrächten. Er fügte hinzu, heutzutage wollten Menschen die Technologien lediglich konsumieren.