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Sozialverbände suchen nach Alternativen zu Arbeitsplatzstreichungen [DE]

Veröffentlicht 17. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Trotz der Kreditknappheit und der sich vertiefenden Wirtschaftskrise versuchen Arbeitgeber kreative Wege zu finden, um keine Arbeitsplätze abzubauen und Jobs zu sichern.

Laut einem Bericht der von Eurofound, der EU-Agentur für Sozialpolitik in Dublin, gibt es Anzeichen dafür, dass sich die EU-Regierungen und Unternehmen für Erhaltungsmaßnahmen der Beschäftigung entscheiden, statt Massenentlassungen durchzuführen, während sie mit dem derzeitigen finanziellen Chaos zu kämpfen suchen. 

Viele Arbeitgeber in Europa, entlassen Berichten zufolge Arbeitskräfte nur als letztmögliche Maßnahme, bevorzugen allerdings drei Typen von Alternativen: Kurzarbeit, bezahlten oder unbezahlten Langzeiturlaub und Abfindungszahlungen bei Jobverlust. Verhandelte Reduzierungen der Arbeitszeit, können auch durch verbesserte Weiterbildungsmöglichkeiten ausgeglichen werden.

Die Begründung für solche Maßnahmen, so betonte Eurofound sei, dass der Ausbau der Fähigkeiten der Beschäftigten, in einer Zeit niedriger Nachfrage, das Humankapital verbessere und die Modelle zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung erhalte, um für den Zeitunkt einer Erholung, der bis 2012 erwartet werde, vorbereitet zu sein.

Zeitkonto-Vereinbarungen

Der Automobil- und der Stahlsektor haben sich an den Abschwung, durch das Verkünden von Werksschließungen angepasst. Laut Eurofound, beschloss Honda, sein britisches Werk in Swindon, für vier Monate, von Februar bis Mai diesen Jahres zu schließen, während Renault Trucks, im Jahr 2009, drei seiner französischen Werke, für jeweils drei Monate schließen wird.

Bei Honda, werden die Schließungen 2.500 bis 3.700 Beschäftigte treffen, die für die ersten zwei Monate ihren vollen Monatslohn und für den Rest der Zeit 60% davon ausbezahlt bekommen werden. Wenn das Werk im Juni seine Tore wieder öffnet, werden die Beschäftigten, entsprechend dem Betrag den sie für die vier Monate erhalten haben,  unbezahlte Überstunden machen müssen. Ähnliche „Zeitkonto“ Vereinbarungen werden auch von Bentley und Aston Martin übernommen.

Konfrontiert mit verschiedenen nationalen Arbeitsgesetzen und Lohnverhandlungen, sehen andere Mitgliedstaaten sich dazu genötigt Pläne für Kurzzeitarbeit auszuarbeiten.

Der Eurofound-Bericht deutete an, dass zum Beispiel die Niederlande, Österreich, Deutschland und Frankreich, kurzfristig Programme zum Lohnausgleich geschaffen haben, bei denen Arbeitgeber sich temporär Staatshilfen sichern können, um Gehälter für reduzierte Arbeitsstunden zu beziehen.  Die Europäische Kommission regt den Gebrauch von Strukturfonds an, um Weiterbildungsmaßnamen während reduzierter Arbeitszeiten zu ermöglichen. Kommissionspräsident Barroso sagte vergangene Woche, dass dies in normalen Zeiten als staatliche Beihilfe angesehen würde und mit dem EU-Recht nicht in Einklang gebracht werden könne. Aber mit diesem Schritt behalte man Arbeitsplätze und könne gleichzeitig in die Weiterbildung und in die Zukunft von Arbeitnehmern investieren.

Langzeiturlaub statt Entlassungen

Eine andere Maßnahme Arbeitnehmer zu behalten und das Ende der Krise abzuwarten ist die Möglichkeit bezahlte Karrierepausen anzubieten. Diese Initiativen scheinen insbesondere im Banken- und Versicherungsgewerbe zu greifen.

Im Eurofound-Bericht werden zwei Beispiele genannt. Die Bankabteilung von IrishLife und Permanents bat zwei- oder dreijährige bezahlte Langzeiturlaube an. Als das Programm im Oktober 2008 angelaufen ist haben 140 von 2,500 Angestellten der Bank, meistens jüngere Beschäftigte, dieses Angebot angenommen. Es sieht vor, dass die Firma für eine zweijährige Pause 20.000 Euro zahlt und für eine dreijährige Pause 35.000 Euro.

Die britische KPMG hat einen ähnlichen Langzeiturlaub angeboten, obwohl das Angebot nur für eine kürzere Zeit galt. Arbeitgeber unterstützen jede Art von Flexibilität in wirtschaftlich schlechten Zeiten um qualifizierte Arbeitskräfte zu behalten, sagte der Präsident von BusinessEurope, Ernest-Antoine Seillière.

 

Stellungnahmen: 

Die britische Europaabgeordnete Liz Lynne (ALDE), glaubt, dass Alternativen zu Entlassungen oft sowohl für Arbeitgeber, als auch für Arbeitnehmer mehr Sinn machen. So würden Menschen bei Entlassungen nicht nur ihren Arbeitsplatz verlieren, sondern die Firmen auch hoch qualifizierte Arbeitskräfte, was eine Tragödie sei, da sie diese bräuchten, um sich wirtschaftlich wieder zu erholen. 

Der grüne Abgeordnete Jean Lambert warnt, dass die Rekrutierung von hoch qualifizierten Arbeitskräften schwierig werden könnte und betonte, dass pro-aktive Lösungen angebracht wären und sozial gesehen ebenfalls Sinn machen würden. Arbeitnehmer wollten für gute Arbeitgeber arbeiten, deshalb bekräftigte sie die Zusage, dass positive Maßnahmen nicht vergessen würden, sobald sich die Wirtschaft wieder erhole. 

Hintergrund : 

In den letzten Wochen haben Wirtschaftsstatistiken bestätigt, dass die schwerste wirtschaftliche Krise seit der Großen Depression der 1930er sich vertieft hat. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) sah für Januar 2009 voraus, dass sich die globale Arbeitslosigkeit im schlimmsten Fall um mehr als 50 Millionen verdoppeln könnte.

Zukunftsprognosen werden ständig nach unten revidiert und es ist unwahrscheinlich, dass die Wirtschaft der EU sich vor dem Ende des Jahres 2009 noch erholen wird.

Arbeitslosigkeitsraten in den 27 EU-Mitgliedstaaten wachsen seit Mai 2008. Der wirtschaftliche Abschwung hat Zentral- und Osteuropa besonders stark getroffen, während Arbeitsmärkte in der gesamten Gemeinschaft immer schlechtere Aussichten bekannt geben.

Letzte Woche veröffentlichte BusinessEurope, die Europäische Unternehmerorganisation, eine Studie, wonach die Wirtschaft der 16 Staaten der Eurozone im Jahr 2009 mehr als 2.1 Prozent einbrechen würde, im Vergleich zu 0.8 Prozent Wachstum im letzten Jahr. Für die 27 Mitgliedstaaten der EU wird das negative Wachstum auf 2.2 Prozent geschätzt (EurActiv 13/03/09).

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