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Parlament erwägt verpflichtenden Sportunterricht an Schulen [DE]

Veröffentlicht 01. März 2007 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Alle europäischen Schulen sollten mindestens zwei Stunden Sportunterricht pro Woche auf ihren Lehrplänen einführen. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht über den Sportunterricht in der EU. 

Der von Professor Ken Hardman von der University of Worcester für den parlamentarischen Ausschuss für Kultur und Bildung verfasste Bericht „Current situation and prospects for physical education in the EU” wurde während einer öffentlichen Anhörung über die Rolle des Sports in der Bildung am 28. Februar 2007 vorgestellt. 

Der Bericht befasst sich mit den Sportplänen der europäischen Schulen, unter anderem mit der Zeitbemessung, dem Status des Unterrichts, inhaltlichen und thematischen Aspekten des Lehrplans, Ressourcen (materiell und personell) sowie Fragen wie Gender, Behinderung und ethnische Minderheiten. 

Laut Professor Hardman variieren die derzeitigen nationalen Praktiken in den Mitgliedstaaten stark, wobei einige Staaten größeren Wert darauf legen, junge Menschen für den Sport zu begeistern, andere weniger. Hardman wies auch auf große Unterschiede in der Anzahl und Qualität der Sporteinrichtungen zwischen den Schulen in Ost- und in Westeuropa hin.

Die wichtigsten Empfehlungen des Berichts sind:

  • Verpflichtender Sportunterricht in Schulen. Dem Sportunterricht wird eine Schlüsselrolle bei der Vermeidung hoher Kosten, Gesundheitsrisiken und sozialabträglichem Verhalten zugemessen;
  • Modernisierung der schulischen Sportpläne, indem auf gesellschaftliche Trends Rücksicht genommen wird, um junge Menschen stärker für körperliche Aktivitäten zu begeistern, und;
  • Mindestens zwei Stunden Sportunterricht wöchentlich. Die Anzahl sollte langfristig auf drei Stunden erhöht werden.

Hardman sagte, derzeit bestünden 77% des Sportunterrichts in Grundschulen und 79% des Sportunterrichts in Sekundarschulen aus Spielen, Gymnastik und Athletik. Diese Sportformen seien im 21. Jahrhundert überhaupt nicht mehr relevant, so der Professor. Wie er hinzufügte, hätten finanzielle Erwägungen negativen Einfluss auf den Sportunterricht gehabt, da 50% der EU-Mitgliedstaaten im letzten Jahrzehnt Kürzungen bei der Unterstützung für den Sportunterricht angedeutet hätten.

Der Kommissar für Bildung und Kultur, Ján Figel', stellte kurz das erwartete Weißbuch der Kommission zu Sport und den Ansatz der Kommission für Sport in der Bildung vor. Wie der Kommissar sagte, würde das Weißbuch auf die Zeitdauer, die dem Sportunterricht in den Lehrplänen zugemessen wird, die Qualität der Ausbildung und Möglichkeiten des Austausches der besten Erfahrungen auf EU-Ebene eingehen. Die Schulen spielten eine wichtige Rolle bei der körperlichen Betätigung, sie bräuchten aber mehr Unterstützung, so Figel'.  

Zudem sprach sich der Kommissar für eine „sauberere europäische Sportagenda“ aus und sagte, diese würde durch einen Aktionsplan verwirklicht, der gemeinsame europaweite Maßnahmen unterstützen könnte. Er werde versuchen, auch andere Generaldirektionen einzubeziehen, so Figel'.

Stellungnahmen: 

Die Sportanlagen der Schulen sollten auch nach der Schule, am Abend und an den Wochenenden zugänglich sein, um es den Kindern zu ermöglichen, sportlich aktiv zu sein, sagte die Europaabgeordnete Karin Resetarits (Österreich, Alde). Sie sei überzeugt, dass Kinder gerne zum Beispiel nach der Schule Basketball spielen würden und dass die Eltern es schätzen würden, wenn die Kinder dies täten.

Die Europaabgeordnete Ljudmila Novak (Slowenien, EVP-ED) betonte, dass die örtlichen Behörden dazu gezwungen werden müssten, etwas zu unternehmen, um den Zugang zu Sportanlagen zu fördern. Viele Familien lebten derzeit zu weit von Sportanlagen entfernt, um Sport machen zu können. 

Die Europaabgeordnete Christa Prets (Österreich, SPE)  betonte, dass mehr sportliche Betätigung an den Schulen auch mit stärkerer Finanzierung zusammenhinge und somit eine Frage sei, die im Ministerrat diskutiert werden müsste.

Dr. Franz Karner, Vize-Präsident von ASKÖ, der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Niederösterreich, wies darauf hin, dass Studien zeigen würden, dass jeder Euro, der in die sportliche Ausbildung junger Menschen fließe, das drei- oder vierfache an Kosten spare, durch Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben. Er betonte ebenfalls, wie wichtig es sei, dass Eltern ihre Kinder ermutigten, mehr Sport zu betreiben.

Professor Csaba Istvannfy von der Budapester Universität für Sportunterricht ist der Auffassung, dass Sportlehrer bei der Ausarbeitung von Gesundheitsförderungsprogrammen an Schulen führend sein sollten. 

Der ehemalige finnische Olympiasieger Tapio Korjus von dem finnischen Sportinstitut Kuortane stimmt mit Istvannfy darin überein, dass die Schulen ihre Verantwortung für den Sportunterricht der Kinder wahrnehmen sollten und dass Sportlehrer als „Sprecher“ für einen gesunden Lebensstil fungieren und versuchen sollten, Wege zu finden, um den Anteil körperlicher Übungen am Schulalltag zu erhöhen. Korjus bedauerte zudem, dass die Kinder sich kaum noch körperlich betätigten, da Computer- und Videospiele das Spielen im Freien ersetzt hätten. Am wichtigsten sei es, so Korjus, die passivsten Jugendlichen, etwa 30% in Finnland, zu einem neuen Verhalten zu bewegen und ihnen klar zu machen, wie bedeutend körperliche Betätigung für ihre Gesundheit sei, erklärte Korjus.

Nächste Schritte: 
  • Das Weißbuch Sport wird derzeit zwischen den Dienststellen beraten. Es wird voraussichtlich Ende Juli 2007 veröffentlicht werden. 
Hintergrund : 

Laut Statistiken nimmt die Anzahl der Kinder, die keinen Sport treiben, europaweit stetig zu. Als Hauptursachen werden Computer- und Videospiele genannt, die vor allem junge Menschen dazu verleiteten, auf jeglichen Sport zu verzichten. 

Im Zusammenhang mit der immer größer werdenden Debatte um Fettleibigkeit bei Kindern und die Gesundheitsrisiken in späteren Lebensjahren gewinnt die Diskussion um die Rolle der Schulen, junge Leute für mehr Bewegung zu motivieren, an Bedeutung.

Die EU verfügt im Bereich Sport über keine speziellen Kompetenzen. Dennoch besagt Art. III-182 der derzeit auf Eis liegenden Verfassung, dass die EU zu Verbesserung der Qualität des Sportunterrichts durch unterstützende und ergänzende Maßnahmen beitragen solle (Article III-182). 

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