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Es seien neue politische Maßnahmen nötig, um sicherzustellen, dass der globalen Lebensmittelnachfrage auf nachhaltige Art begegnet würde, so Franz Fischler. Er sprach sich für GVO-Technologie aus, die helfen könne, neue Kulturpflanzen zu entwickeln, welche den Bedingungen des Klimawandels entsprächen und in der Herstellung von Biobrennstoffen benutzt werden könnten.
Es seien moderne Rahmenrichtlinien nötig, welche die Landwirte ermunterten, der weltweiten Lebensmittelnachfrage auf nachhaltige Weise zu begegnen, so Fischler auf einem Forum
über die Zukunft der Agrikultur in der EU am 27. März 2008.
Der ehemalige Kommissar für Agrikultur sagte, ein marktgeleiteter Ansatz zur Agrikultur könne sich nicht mit Problemen wie Umweltsicherheit befassen. Teilnehmer der Konferenz bestätigten Marktversagen im Hinblick auf Lebensmittelsicherheit und Umweltsicherheit. Keins von beiden erhalte ausreichende Aufmerksamkeit oder Unterstützung der Regierung, so Fischler, der derzeit Vorsitzender der RISE Foundation
ist. Die Stiftung unterstützt und kontrolliert private Investitionen in ländlichen Gebieten.
Zur gegenwärtigen Debatte in der EU über GVOs sagt der ehemalige Kommissar, dass die Thematik echte Vorteile für die Verbraucher beinhalte. So lange man nicht in der Lage sei, den Verbrauchern die Vorteile aufzuzeigen, würden sich deren Konsumgewohnheiten nicht ändern.
Zudem gäbe es zwei grundsätzliche ungelöste Probleme, die mit der Debatte verbunden sind. Das erste, sagte er, sei, dass die Agrikulturbranche zukünftig auch neue Pflanzen erzeugen müsse, die nicht für Nahrungsmittel oder Futter bestimmt seien, sondern für andere Zwecke, wie beispielsweise Biobrennstoffe. Für diese Zwecke, die nicht Nahrung beträfen, könne GVO-Technik eine wichtiger werdende Rolle spielen.
Die zweite Frage betreffe den Klimawandel und die Notwendigkeit, Pflanzenarten an die neuen klimatischen Bedingungen auf eine Weise anzupassen, die es den Pflanzen erlaube, mit geringeren Mengen Wasser auszukommen. Es sei hierbei die Frage, ob genug Zeit sei, dies mit herkömmlichen Zuchtmethoden zu erreichen, oder ob die Entwicklung so schnell sei, dass es notwendig werde, GVO-Technik einzusetzen, die viel schneller neue Arten erzeugen könne, so Fischler.
Fischlers Ansichten wurden von John Atkin von Syngenta, einem in der Agrarindustrie weltweit führenden Unternehmen, das die Konferenz gesponsert hatte, wiedergegeben. Bis 2030 würden 50% mehr hochwertige Nahrungsmittel benötigt werden. Dies bedeute zwei Milliarden Menschen und Münder, die gefüttert werden müssten, so Atkin. Die Technologie könne enorm dazu beitragen, den Herausforderungen der Lebensmittelsicherheit zu begegnen. Dafür sei es wichtig, aufzuzeigen, was Technologie leisten könne und die Auswirkungen von verbessertem Saatgut, verbesserten Chemikalien und verbesserten Düngemitteln darzustellen, fügte er hinzu.
Ungeachtet der positiven Bewertungen der Sicherheit seitens der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist die EU 27 weiterhin geteilter Ansicht hinsichtlich der Akzeptanz von GVOs. Einige Mitgliedstaaten widerstehen dem Druck der Europäischen Kommission, ihre jeweiligen GVO-Verbote für bestimmte Arten von Genmais, der beispielsweise von dem amerikanischen Hersteller Monsanto exportiert wird, aufzuheben.
Anfang dieses Jahres schloss sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy Österreich, Deutschland und Polen im Ruf nach einer EU-Schutzklausel an, die es Frankreich ermöglichen würde, das Marketing und Wachstum von genveränderten Kulturpflanzen im eigenen Land zu unterbinden.
Die Kommission hat nie die Anträge auf die Schutzklausel bekräftigt, während es den EU-Umweltministern mehrfach nicht gelungen ist, eine Mehrheit für oder gegen die Vorschläge der Kommission, die nationalen Verbote aufzuheben, zu erlangen.