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Auf mehreren in Brüssel organisierten Konferenzen wird diese Woche diskutiert, wie dem voranschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 Einhalt geboten werden kann. Im Vordergrund steht der Beitrag der EU.
Am 22. Mai hat die EU ihren neuesten Aktionsplan
über die biologische Vielfalt vorgelegt. Er ist der fünfte seiner Art, seit sich die Staats- und Regierungschefs 2001 auf einem Gipfeltreffen darauf geeinigt hatten, den Artenrückgang in der Tier- und Pflanzenwelt in der EU bis 2010 einzudämmen (s. EurActiv, 23. Mai 2006).
2001 wurden im Rahmen der 1998 verabschiedeten Europäische Strategie zur Biovielfalt
vier Aktionspläne angenommen. Diese bezogen sich auf: 1. Schutz von Naturressourcen
, 2. Landwirtschaft
, 3. Fischerei
und 4. Enwicklungshilfe und wirtschaftliche Kooperation
außerhalb der EU.
Der Naturschutz und der Erhalt der biologischen Vielfalt gehören zu den vier wichtigsten Elementen des 6. Umweltaktionsprogrammes 2002 – 2012 (s. EurActiv LinksDossier über das 6. Umweltaktionsprogramm).
Von Dienstag bis Freitag (30. Mai – 2 Juni) werden nun hochrangige Referenten , wie der WTO-Chef Pascal Lamy und der ehemalige tschechische Präsident Vaclav Havel, über Maßnahmen beraten, welche das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten auf der Erde stoppen können.
Laut der Kommission, welche diese Konferenzen als Teil ihrer alljährlichen „Green Week“ organisiert hat, sind weltweit bereits zwei Drittel der Ökosysteme gefährdet. In der EU sind 42 % der Säugetiere, 43 % der Vögel, 45 % der Schmetterlinge, 30 % der Amphibien, 45 % der Reptilien und 52 % der Süßwasserfische vom Aussterben bedroht (s. EurActiv, 23. Mai 2006).
Die Diskussionsteilnehmer werden sich Fragen wie beispielsweise der Theorie des „ökologischen Fußabdrucks“ widmen, mit dessen Hilfe die benötigte Fläche auf der Erde berechnet wird, die notwendig ist, um den Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Wie viel Land, Wasser und andere natürliche Ressourcen werden für unsere Lebensmittel, Wohnunterkünfte, Konsumgüter und Dienstleistungen benötigt?
Diese Berechnungen haben ergeben, dass die Industrienationen einen wesentlich größeren Fußabdruck auf der Erde hinterlassen als weniger entwickelte Länder. Und die Belastungen für das Ökosystem nehmen mit wachsender Weltwirtschaft stetig zu. Könnten aber eine bessere Planung und neuere Technologien dieses Problem beheben? Oder werden die Erfolge der Ökoeffizienz unweigerlich durch die rasant anwachsenden Bevölkerungszahlen und das rapide Wirtschaftswachstum von Staaten wie China oder Indien zunichte gemacht.
Für die Kommission, bei welcher Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen ganz oben auf ihrer Agenda steht, besteht die größte Herausforderung darin, zwischen der Förderung der kränkelnden EU-Wirtschaft und der Minderung der negativen Wachstumsauswirkungen den richtigen Ausgleich zu finden.
Sie hat sogar versucht, den wirtschaftlichen Nutzen der Ökosystemleistungen, wie beispielsweise die Luft, die wir Atmen, Wasser, Lebensmittelproduktion oder die Regulierung des Erdklimas mit Preisschildern zu versehen. Die Kommission geht davon aus, dass sich der Wert diese „Güter und Dienstleistungen“ jährlich auf € 26 Billionen beläuft, oder mehr als doppelt so viel wie die gesamte Menschheit jährlich produziert.
„Diese Leistungen unterstützen Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand in der EU“, heißt es.
Umweltorganisationen wie der WWF oder das Europäische Umweltbüro (EUB) sagen, dass der Umweltschutz aufgrund der politischen Schwerpunktsetzungen der Barroso-Kommission auf EU-Ebene ins Hintertreffen geraten sei . Lediglich zwei Jahre, nachdem er zu einer Priorität erklärt worden war, gebe es nun „genügend Beweise“, dass der Umweltschutz zu Gunsten der EU-Strategie für Wachstum und Arbeitsplätze erneut in den Hintergrund gedrängt wird, behaupten sie (s. EurActiv, 18. Mai 2006).