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Europa unterschätzt seinen Wasserverbrauch [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 18. Februar 2009   

In Europa gebe man auf seinen Wasserverbrauch zwar besser Acht, als dies in anderen Kontinenten der Fall sei, aber tatsächlich ist der europäische Wasserverbrauch größer als man denke. Ins Gewicht fiele der hohe Wasserverbrauch von Importgütern, wie Baumwolle, Bohnen oder Holz, die meistens auch noch aus Regionen kommen, die sehr unter Wasserknappheit leiden, erklärt eine UN-Expertin in einem Interview mit EurActiv.

Die Idee von virtuellem Wasser, das in einer Ware oder einem Produkt eingeschlossen ist, sei ein entscheidender Faktor des gesamten Wasserverbrauchs, der bisher viel zu wenig  Aufmerksamkeit bekommen habe, argumentierte Maude Barlow, Beraterin des Präsidenten der UN-Generalversammlung in Wasserangelegenheiten.

Allerdings warnte sie, dass man in den nächsten Jahren sehr viel mehr über diese Art von Wasserhandel erfahren würde.

Der so genannte „Wasser Footprint“ stellt die gesamte Menge an Wasser dar, die ein Land aufbringt um Bevölkerung und Wirtschaft zu versorgen. Europa versucht zwar seine eigenen Ressourcen so gut es geht zu schonen, verbraucht aber Wasser aus anderen Teilen der Erde durch den Import von Agrarerzeugnissen. „Ich denke, es ist wichtig, zu ermitteln wie viel Wasser im Footprint der jeweiligen Landes außerhalb dieses Landes verbraucht wurde und wie viel Energie dafür gebraucht wurde, das Wasser ins Land zu transportieren“, sagte Barlow.

Barlow kritisierte die Gewohnheiten der europäischen Konsumenten, die das Ganze Jahr über Erdbeeren kaufen wollten, während afrikanische Seen austrocknen. Das Wasser werde für die Erdbeerproduktion verbraucht und dann, in den Früchten gebunden, aus dem Land geschafft. Allein Großbritannien importiere zwei Drittel seines Wasser-Fußabdrucks. Das Land importiere aus Afrika, Lateinamerika und aus anderen Regionen die selbst unter Wasserknappheit litten, stellte die fest.

Im Bezug auf Biokraftstoffe, merkte sie an, dass man beim Anbau von Biokraftstoffen, mit denen man CO2-Emissionen verringern will, andere Konsequenzen auf die Natur außer Acht lasse. Sie seien große Wasserverschwender. 

Wasser und Klimawandel
Barlow denke, dass die Chancen das Thema des Wassers, weit oben auf der Agenda der UN-Debatte zum Klimawandel zu sehen, relativ schlecht sein, weil die Konferenz in Kopenhagen bereits so kontrovers sei und es so viele Frage zu klären gebe.

„Die Wasserkrise ist jetzt dort, wo der Klimawandel vor fünf Jahren war. Sie beginnt gerade erst in die Medien und in die Köpfe der Menschen zu kommen und in fünf Jahren wird auch dies etwas sein, worüber die Menschen sprechen werden.“

Balow argumentierte auch, dass die Wasserkrise nicht länger als Ergebnis des Klimawandels angesehen werden dürfe, sondern eher als ein weiterer Punkt auf der Liste der Ursachen für den Klimawandel. „Man muss die Analyse richtig machen, wenn man richtige Antworten will“, sagte sie. 

Der Zugang zu Wasser als Menschenrecht

Im Bezug auf Stimmen, die nach der Verankerung von Wasser als Menschenrecht riefen, sagte Barlow, sei es möglich „einen Prozess mit der Absicht zu beginnen, dass keinem Menschen der Zugang zu Wasser verwehrt werden darf, nur weil er nicht dafür bezahlen kann.“ Weiterhin erklärte sie: „Das umfasst selbstverständlich nicht das Recht, sich seinen Swimmingpool zu füllen, sondern das Recht auf Leben und damit das Recht auf Zugang zu genug Wasser für die Grundbedürfnisse, sowie das Recht auf eine nachhaltige, lokale Nahrungsmittelproduktion.“

Dies werde allerdings nicht über Nacht geschehen und einige Länder hätten verschiedene Gründe, einen solchen Prozess nicht zu unterstützen, betonte Barlow. So gebe es laut Barlow, in Kanada und den Vereinigten Staaten starke Engpässe in den Wasserreserven der Ureinwohner. Die beiden Regierungen wollen sich aber nicht den möglichen Gerichtsverfahren aussetzen, die aus einem gesetzlich festgelegten Recht auf Wasser, entstehen könnten. 

Auch wenn sie Wasser als Menschenrecht verankern möchte, sagte Barlow, unterstütze sie eine Preisfestsetzung für Wasser. Allerdings unter den folgenden drei Bedingungen:

  • Die Wasserversorgung ist in öffentlicher Hand und wird von staatlichen, gemeinnützigen Behörden betrieben. Auf diese Weise gehen die Einnahmen zurück in die Verbesserung der Infrastruktur, bzw. in den Wasserschutz.
  • Man bezahlt nicht das Wasser, sondern den Dienst der Wasserversorgung. Niemand besitzt Wasser.
  • Eine gewisse Menge an Wasser, bzw. die Deckung der Grundbedürfnisse erfolgt kostenlos. Für Verbrauch, der darüber hinaus geht, steigt der Preis.

„Wasser kann auch ein kommerzielles Gut sein, aber das muss immer mit der Erlaubnis durch die Regierung geschehen“, sagte Barlow, auf diese Weise habe die Regierung die Möglichkeit, die Erlaubnis bei unangebrachter Nutzung, zu entziehen und so wieder Kontrolle über die Ressource zu erlangen.

„Ich denke nicht, dass wir private Unternehmen brauchen, die die Wasserversorgung betreiben, da staatliche, gemeinnützige Betriebe perfekt für diese Aufgabe geeignet sind. Ich halte nicht viel von Unternehmen, die kommerzielle Wasserversorgung betreiben, wie Suez und Veolia“, denn private Unternehmen sollten nicht die Macht haben, über die Verteilung von Wasser zu entscheiden.

Trotzdem sehe sie ein kommerzielles Geschäftsmodell in der Wasserversorgung und zwar dann, wenn es darum gehe, Infrastruktur und Technologien zu entwickeln und zu verbessern, die nicht in der Kontrolle der Regierung seien. Unternehmen könnten außerdem mit ihrer Expertise, Beratung und Neuentwicklungen dafür sorgen, dass die Wirtschaft ihren Wasserverbrauch senke und neue Wasserreinigungsverfahren entwickeln.

Um das komplette Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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