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Die Europäische Gesundheits- und Umweltstrategie (SCALE)[en][fr

Erschienen: Freitag 21. Januar 2005    | Aktualisiert: Freitag 3. August 2007   

Beunruhigt über die zunehmenden Gesundheitsauswirkungen der Umweltverschmutzung verabschiedete die Kommission im Juni 2003 eine Mitteilung, die eine Europäische Strategie für Umwelt und Gesundheit umriss. Ein Jahr später stellte sie einen Aktionsplan vor, bei dem die am häufigsten betroffenen Gruppen, insbesondere Kinder, im Vordergrund stehen. Verschiedene Umweltschutzorganisationen und die Europäische Grüne Partei kritisierten, dass sich der Plan hauptsächlich mit Forschung befasse, anstatt konkrete Gesetzgebungsvorschläge vorzulegen.

Zum gleichen Thema:

Nächste Schritte:

  • Februar 2005: Entsheidung des Parlaments über SCALE (EurActiv vom 25. Februar 2005).
  • 11. Juni 2007ZwischenbewertungPdf external  des Aktionsplans.
  • 2009: Fünfte ministerielle Konferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO über Umwelt und Gesundheit.

Zusammenfassung Links

Die Zahl umweltbedingter Krankheiten weist allem Anschein nach eine steigende Tendenz auf. Luftverschmutzung, Lärm, Chemikalien und elektromagnetische Felder sind mit Gesundheitsproblemen, wie Allergien, Asthma, Atemwegserkrankungen, Entwicklungsstörungen und Krebs in Verbindung gebracht worden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorgnaisation (WHO) hat die Häufigkeit von Asthma im Zeitraum von den 70er bis 90er Jahren um 200 Prozent zugenommen. 

Kinder, die zunehmend schädlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, sind von dieser Entwicklung am stärksten betroffen. Chemikalien, die für Erwachsene ungefährlich sind, können der körperlichen Entwicklung von Kindern schaden. Trotz der Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern werden bei Umweltgesetzgebungen jedoch zumeist Standards und Normen von Erwachsenen als Grundlage genommen. Darüber hinaus gibt es einen erheblichen Mangel an Daten über die gesundheitlichen Folgen von Chemikalien in der Umwelt für Kinder.

Kernfragen:

Die Umwelt- und Gesundheitsstrategie wurde von drei verschiedenen Generaldirektionen der Prodi-Kommission ausgearbeitet: Umwelt (Wallström), -Forschung (Busquin) und Gesundheit (Byrne). Die Strategie (bekannt unter der Bezeichnung 'SCALE') hat fünf Kernelemente:

  • sie wurde auf wissenschaftlicher Grundlage entworfen und untersucht die komplexen Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Schadstoffen und dem menschlichen Körper;
  • Kinder stehen im Mittelpunkt: die Kommission will ein Pilotprojekt zu Schadstoffen, die für Kinder ganz besonders schädlich sind (wie Dioxine, Schwermetalle und Hormonstörungen verursachende Stoffe) starten;
  • Ziel ist es, das Bewusstsein von Interessenvertretern und der allgemeinen Öffentlichkeit zu stärken;
  • EU-Gesetzgebung soll nationale Gesetze ergänzen und sie soll überprüft werden, damit sichergestellt werden kann, dass sie die besondere Situation und Bedürfnisse von Kindern widerspiegelt;
  • Die Maßnahmen, die ergriffen werden, werden regelmäßigen Überprüfungsverfahren  unterzogen.  

Die Europäische Umwelt- und Gesundheitsstrategie wird in Zyklen umgesetzt und wird sich zunächst auf vier Krankheitsbereiche konzentrieren:

  • Atemwegserkrankungen bei Kindern, Asthma und Allergien,
  • neurotoxische Entwicklungsstörungen,
  • Krebs bei Kindern,
  • Hormonstörungen. 

Diese Krankheiten können häufig auf Umweltfaktoren zurückgeführt werden. Zu ihnen gehören die Luftqualität sowohl drinnen als auch draußen, Dioxine, Schwermetalle, Hormonstörungen verursachende Stoffe, elektromagnetische Felder und städtischen Umgebungen.

Im Juni 2004 stellte die Kommission ihren 'European Environment & Health Action Plan 2004-2010Pdf external ' zur Umsetzung der Strategie vor. Der Plan umreisst 13 Maßnahmen zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheits-, Umwelt- und Forschungssektoren. Die Maßnahmen sind in drei Bereiche unterteilt:

  • Überwachungs- und Meldesysteme: Indikatoren sollen entwickelt werden, mit deren Hilfe die Verbindung zwischen Umwelt und Gesundheit gemessen werden kann. Es soll aufgezeigt werden, wie Schadstoffe von ihren Quellen in den menschlichen Körper gelangen. Hierzu würde beispielsweise 'Biomonitoring' gehören (regelmäßige Entnahme von Blut-, Urin- und Haarproben), das dazu dient, die Schadstoffbelastung des menschlichen Körpers zu messen.
  • Forschung: Forschung soll sich auf vier Krankheitsbereiche konzentrieren (Asthma/Allergien, Neuroentwicklungsstörungen, Krebs und Hormonstörungen), um den Wissensmangel auf diesem Gebiet zu beheben.
  • Vermittlung: Bürger sollen besser informiert werden, damit sie in die Lage versetzt werden, fundierte Entscheidungen hinsichtlich ihrer Gesundheit zu treffen. Andere Maßnahmen umfassen die Fortbildung von Medizinern, um sicherzustellen, dass sie der Wechselbeziehung zwischen Umwelt und Gesundheit aufmerksam gegenüberstehen.  

Positionen:

Die European Public Health Alliance hat gegenüber EurActiv erklärt, sie begrüße die neue Strategie: "Dies ist das erste Mal, dass Gesundheitsschutz in die anderen politischen Bereiche von Umwelt und Forschung integriert wird. Die Strategie wird Pilot-Überprüfungsaktivitäten umfassen, um den Weg von Schadstoffen aus der Umwelt in die menschliche Nahrungsmittelkette zu verfolgen. Löcher im Fachwissen sollen identifiziert und gestopft werden. Mangel an verlässlichen Daten wird dann nicht mehr als Vorwand für Tatenlosigkeit dienen können". 

Der Europäische Rat der Verbände der Chemischen Industrie (CEFIC) unterstützt das Ziel der Europäischen Kommission, ein pan-europäisches Gesundheits- und Umweltüberprüfungsprogramm zu schaffen, das in den Mitgliedstaaten wissenschaftlich geprüft und angeglichen wird. Madeleine Laffont von CEFIC erklärte: "Sofern dieser Rahmen die gesamte Bandbreite an Umweltfaktoren mit einbezieht - einschließlich Lebensführung, sozial-wirtschaftliche, physische, biologische und chemische Faktoren - könnte es hilfreiche Informationen liefern, die es ermöglichen, beschränkte Ressourcen dort einzusetzen, wo der größte Bedarf im Hinblick auf öffentliche Gesundheit besteht. Wir sind jedoch darüber besorgt, dass der unglaublich knappe Zeitplan, der den Interessenvertretern aufgezwungen worden ist (einige Monate), bedeutet, dass die Planungsphase wissenschaftlich nicht so gründlich durchgeführt werden kann, wie die Herausforderungen eines solch komplexen Projekts es erfordern".

In Bezug auf den Aktionsplan erklärte Carline De Bie von CEFIC, dass der von der Kommission während des Konsultationsverfahrens vorgelegte Entwurf die Chemikalienindustrie zu sehr in den Vordergrund gestellt hätte, während andere Faktoren, die umweltbedingte Krankheiten verursachen können, vernachlässigt worden waren. "Der Plan ist erheblich verbessert worden. Die endgültige Fassung ist weitaus ausgewogener als der erste Entwurf," so De Bie. 

Umweltgruppierungen werfen der EU vor, sie hätte bei der Europäischen Regionalkonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keinen Führunswillen bewiesen. Sie bedauern, dass der von der Kommission vorgeschlagene Umwelt- und Gesundheitsaktionsplan "keine Gesetzesinitiativen vorsieht und die Möglichkeit versäumt, die bevorstehende REACH-Chemikalienverordnung zu unterstützen," so Stefan Scheuer vom Europäischen Umweltbüro. Er kritisiert, dass die Kommission es vorzieht "den eingennützigen Geschichten der Chemikalienindustrie zuzuhören, statt Kinder vor Chemikalienverseuchung zu schützen".

Ein Angestellter der Kommission, der anonym bleiben wollte, erklärte gegenüber EurActiv, dass die Verhandlungen mit den Interessenvertretern, die zur endgültigen Fassung des Aktionsplanes geführt hätten, "sehr schwierig" gewesen seien. "Die Lobby der Industrie war sehr stark," sagte er. Das größte Problem sei gewesen, ein Gleichgewicht zwischen der Forderung von Umweltgruppen nach raschen Gesetzesvorhaben und dem Druck der Industrie, Gesetzesinitiativen weiter aufzuschieben bis mehr Forschung durchgeführt worden ist, herzustellen. Weiter hieß es, "obwohl es viel gibt, was wir nicht wissen, können wir doch trotzdem einiges unternehmen".

Links Zusammenfassung

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