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Die Pläne der Kommission, bis 2020 den Anteil der Biokraftstoffe am europäischen Energiemix auf 10% anzuheben, sind bei NGOs auf Kritik gestoßen. Die Förderung von Biokraftstoffen könnte nach Auffassung der NGOs mehr Schaden als Nutzen anrichten.
Das von der Kommission vorgelegte Energiepaket sieht das verbindliche Ziel von 20% für erneuerbare Energien im europäischen Energiemix vor. Zusätzlich zu diesem Ziel sollen 10% des Kraftstoffverbrauchs durch Biokraftstoffe abgedeckt werden, um die Erdölabhängigkeit Europas zu reduzieren. Derzeit verursacht der Verkehrssektor ein Drittel der CO2-Emissionen und 98% des Verbrauchs wird durch Erdöl abgedeckt.
Der derzeitige Ansatz der EU geht auf die Richtlinie für Biokraftstoffe aus dem Jahre 2003 zurück, die ein unverbindliches Ziel von 5,75% für Biokraftstoffe bis 2010 festlegt. Die Kommission hat bereits eingestanden, dass dieses Ziel nicht erreicht werden wird und setzt nun darauf, dass die neue Gesetzgebung die bestehende Richtlinie stärken wird.
Biokraftstoffe werden als „kohlenstoffneutrale“ Energieträger gewertet, da sie theoretisch nicht mehr CO2 verursachen als sie während des Wachstums aufnehmen. Außerdem könnten Biokraftstoffe zu einer Reduzierung der Luftverschmutzung und der Abfallverursachung beitragen.
Die Kommission führt als Vorteile an, dass die Biokraftstoffe neue Arbeitsplätze schaffen und neue Einkommensquellen für die Landwirtschaft erschließen werden. Außerdem tragen sie dazu bei, die Kyoto-Ziele zu erreichen und erhöhen die Vielfalt des europäischen Energiemixes.
Einige Nichtregierungsorganisationen kritisieren jedoch, dass der Anbau von Biokraftstoffen aus mehreren Gründen schädliche Auswirkungen haben könnte:
Die Kommission plant derzeit, die Entwicklung von Biokraftstoffen der „zweiten Generation“ zu fördern (aus lignuzellulosischen Trägern wie Stroh, Holz, Hackschnitzel oder Dung). Es scheint einiges darauf hinzudeuten, dass diese Träger geeigneter sind als die Träger der „ersten Generation“ (Zucker, Rüben und Raps) aufgrund der niedrigeren Kosten, der besseren Treibhausgaswerte und der besseren Eignung als Kraftstoff. Die größere Auswahl an Trägern verringert ebenfalls die Gefährdung der Lebensmittelproduktion (siehe die Anhörung der Kommission zu Biokraftstoffen
). Derzeit befindet sich die Technologie für die Biokraftstoffe der „zweiten Generation“ jedoch noch in der Entwicklungsphase.
Die europäische Biotechnologiebranche unterstützt die Initiativen der EU zur Erhöhung des Biokraftstoffanteils. Die Industriegruppe EuropaBio sagte, sie könne und wolle eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation bilden.
Die Herstellung von als Kraftstoff genutzter Ethanol aus Biomasse sei bereits Realität, erläuterte EuropaBio in einer Mitteilung zu den so genannten „weißen Biotechnologien“. Dank des Einsatzes von Enzymen, die die Stoffe aufschlüsselten, könnten die bislang vernachlässigten Ressourcen aus landwirtschaftlichen Rückständen und Forstabfällen nutzbar gemacht werden, was eine Möglichkeit für „alternative Einkommen in der Landwirtschaft“ darstelle, so EuropaBio.
Der Europäische Rat der Verbände der Chemischen Industrie ist zurückhaltender. CEFIC begrüße die Anerkennung der Biokraftstoffe, da sie eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen könnten. Dennoch stelle CEFIC die Benennung neuer ehrgeiziger Ziele – noch bevor die aktuellen Ziele erreicht worden sind – in Frage. CEFIC rät vielmehr, dass zunächst die Gründe dafür analysiert werden sollten, dass die derzeitigen Ziele bis 2010 nicht erreicht werden können.
In einem offenen Brief von lateinamerikanischen NGOs an die EU wurde der unausgewogene Einsatz von Biokraftstoffen als eine der Hauptursachen der globalen Erwärmung kritisiert. Die NGOs äußerten auch die Befürchtung, die europäische Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels könnte auf Kosten der südlichen Welt gehen. Es sei äußert unwahrscheinlich, dass Europa jemals seinen Bedarf an Biokraftstoffen aus der europäischen Herstellung von Energiepflanzen decken könne. Somit sei es sehr wahrscheinlich, dass die Europäer auf Flächen zurückgreifen würden, die die Länder des Südens zur Sicherung ihrer Lebensmittelsouveränität benötigten, so die NGOs.
Auch Greenpeace äußerte sich skeptisch und sagte, dass - im Gegensatz zur Mehrheit der erneuerbaren Energietechnologien - die Herstellung von Biokraftstoffen in vielen Fällen mit schwerwiegenden Umweltproblemen verbunden sei. Die Kommission müsse erst noch ein überzeugendes System vorschlagen, dass die umweltfreundliche Herstellung solcher Kraftstoffe garantiere, so Greenpeace.
Jos Dings vom Europäischen Verband für Verkehr und Umwelt (T&E), einem Netzwerk für nachhaltigen Verkehr, kritisierte, der Plan der Kommission enthalte keine Folgenabschätzung. Das europäische System würde einfach bestimmen, dass 10% der für den Verkehr genutzten Kraftstoffe Biokraftstoff sein sollten, ohne Rücksicht darauf, ob der Kraftstoff nachhaltig hergestellt oder wie viel CO2 im Laufe der Herstellung ausgestoßen wurde, sowie ohne die Erwägung in Betracht zu ziehen, dass erneuerbare Energiequellen möglicherweise die bessere Wahl seien, so Dings.
Die Kommission gab zu, dass Biokraftstoffe in einigen Fällen möglicherweise nicht zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes führten. Daher schlage die Kommission die Einführung eines Anreiz-/Unterstützungssystems vor, um dies zu vermeiden und die Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation anzuregen.
Voraussichtlich Ende März wird die Kommission einen formellen Gesetzgebungsvorschlag vorlegen, durch den der Anteil von Biokraftstoffen bis 2020 auf mindestens 10% des Energiemixes des Verkehrssektors angehoben werden soll.