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EU erzielt Abkommen über CO2-Emissionen von Autos [DE]

Veröffentlicht 02. Dezember 2008 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Ein Kompromissabkommen zur Senkung der CO2-Emissionen von Neuwagen konnte gestern (1. Dezember 2008) erzielt werden. Die Automobilindustrie, die stark von der aktuellen Wirtschaftskrise getroffen ist, hatte im Vorfeld der Entscheidung viel Druck ausgeübt.

Die EU-Gesetzgeber im Ministerrat und im Europäischen Parlament erzielten gestern Abend ein Abkommen und schafften so die Voraussetzung dafür, dass der Vorschlag noch vor Ende des Jahres vom Parlament angenommen werden kann. 

Das Abkommen muss nun noch von den Fraktionen im Parlament und den EU-Botschaftern angenommen werden. 

Nach einmonatigen ‚Dreiergesprächen’ (EurActiv vom 4. November 2008) unterstützten die Mitgliedstaaten schließlich ein Abkommen auf Grundlage eines Vorschlags Frankreichs. Dieser sieht vor, dass der Grenzwert von 120 Gramm CO2 pro Kilometer zunächst für 65% der Neuwagen bis 2012, dann für 75% bis 2013, für 80% bis 2014 und für 100% bis 2015 gelten wird (EurActiv vom 1. Oktober 2008). Die Europäische Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, die Obergrenze für alle Neuwagen, die 2012 in Europa verkauft würden, einzuführen.

Eine Vorgabe von 130 g/km muss durch motortechnische Maßnahmen am Fahrzeug erfüllt werden. Eine weitere Senkung um 10 g/km zur Erreichung des Ziels von 120 g/km soll durch andere technische Verbesserungen, wie bessere Reifen oder die Verwendung von Biokraftstoffen, erreicht werden.

Das Abkommen, auf das man sich schlussendlich einigen konnte, legt außerdem geringere Bußgelder für Autohersteller, die die Grenzwerte überschreiten, fest als in dem ursprünglichen Vorschlag vorgesehen. 

Zwischen 2012 und 2018 werden die Bußgelder nun folgendermaßen gestaffelt: 5 Euro für das erste Gramm CO2 über dem Grenzwert, 15 Euro für das zweite Gramm, 25 Euro für das dritte und je 95 Euro ab dem vierten Gramm CO2. Ab 2019 werden die Hersteller für jedes Gramm, mit dem der Grenzwert überschritten wird, 95 Euro zahlen müssen. 

Die Kommission hatte vorgeschlagen, 2012 mit Bußgeldern in Höhe von 20 Euro pro überschrittenes Gramm zu beginnen und diese dann 2013 auf 35 Euro, 2014 auf 60 Euro und schließlich 2015 auf 95 Euro zu erhöhen. 

Langfristig wird in dem Kompromissabkommen eine Zielvorgabe von durchschnittlich 95 g CO2/km für alle Neuwagen bis 2020 festgelegt.

Stellungnahmen: 

Die Sprecherin des Verbands europäischer Automobilhersteller (ACEA) Sigrid de Vries sagte, sollte das Abkommen schließlich angenommen werden, wäre dies ziemlich hart für die Industrie, die sich bereits seit über einem Jahrzehnt sehr darum bemühe, die CO2-Emissionen zu senken. Auf die Frage, ob die Industrie die Ziele, die in dem Entwurf des Abkommens festgelegt werden, erreichen könne, meinte sie, das bleibe insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen Turbulenzen abzuwarten. 

ACEA wäre es lieber, wenn die EU ein Rahmenwerk zur Verfügung stellen würde, dass die Hersteller unterstützt und Maßnahmen, wie beispielsweise zinsgünstige Kredite, Anreize für den Markt, neue Technologien zu verbreiten, und eine bessere Regulierung enthält, meinte de Vries.

Die grünen Europaabgeordneten kritisierten die Einigung und meinten, dass die Werte für die CO2-Emissionen nicht nur erst später eingehalten werden müssten, sondern auch die Strafen für eine Überschreitung der Werte abgemildert würden. 

Die Europaabgeordnete Rebecca Harms von der Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz, Schattenberichterstatterin für das Gesetz und Vizevorsitzende des parlamentarischen Ausschusses zum Klimawandel, kritisierte, die vorgeschlagenen neuen Regeln seien die ersten „Opfer“ der zurückgeschraubten Ambitionen bezüglich des EU-Klimaschutzpakets. Das Abkommen, das bei diesen Dreiergesprächen erzielt worden sei, werde zu einem Gesetz führen, mit dem bei Weitem nicht das erreicht werden könne, was zum Erreichen der Klimaschutzziele der EU notwendig sei. 

Es sei völlig irreführend, wenn öffentlich behauptet werde, mit diesen Maßnahmen werde gegen die Auswirkungen der Autos auf das Klima vorgegangen, erklärte sie und bezeichnete das Abkommen als „schlechten Zaubertrick“, der vorgaukeln solle, dass man etwas gegen den Klimawandel unternehme, obwohl man eigentlich nichts ändere. 

Die sozialdemokratischen Europaabgeordneten begrüßten das Abkommen als „gut für die Industrie, gut für die Umwelt und gut für die Schaffung von Arbeitsplätzen”. Der Europaabgeordnete Guido Sacconi beschrieb die Einigung angesichts der Probleme bei den Verhandlungen als „sehr zufrieden stellend“.

Der Europaabgeordnete und Mitglied der EVP-ED Martin Callanan meinte, durch das Abkommen würden die Emissionen von Autos deutlich gesenkt, ohne dass die „geknechtete“ europäische Automobilindustrie noch weiter belastet werde. Das Abkommen sei daher für beide Seiten die beste Lösung. 

Man habe gezeigt, dass man die Automobilhersteller dazu ermutigen könne, ihre Produktion umweltfreundlicher zu gestalten, indem man Anreize für Investitionen in umweltfreundliche Technologien geschaffen habe, ohne die Hersteller jedoch aus dem Geschäft zu drängen. Man habe erkannt, dass die Hersteller neue Autos und Technologien nicht über Nacht entwickeln könnten. Durch den wirtschaftlichen Abschwung, der die Branche vor große Herausforderungen stelle, gelte das ganz besonders, fügte Callanan hinzu.

Der Europaabgeordnete und Sprecher für Umweltfragen der ALDE Chris Davies kritisierte, dass es bei dem Kompromissabkommen an jeglichem Ehrgeiz fehle. Er bezeichnete das, was er sah als grundlegende Schwächung der ursprünglich ambitionierten Agenda für die Senkung der CO2-Emissionen. Das Gesetz, auf das man sich nun geeinigt habe, führe dazu, dass die europäischen Autohersteller auf dem Gebiet der ökologischen Innovationen von den japanischen und US-amerikanischen Konkurrenten überholt werden würden, warnte er. 

Die Umweltorganisation Transport and Environment (T&E) bedauerte den Abschluss des Kompromisses und beschrieb ihn als Fortsetzung des mittelmäßigen Fortschritts, den man im letzten Jahrzehnt habe beobachten können. Er biete keinerlei Anreize für den technologischen Wandel, der so dringend gebraucht werde. 

Die großen Autoherstellerländer Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Schweden hätten alle eine Rolle gespielt, da sie die Einzelinteressen ihrer Industrie verteidigt hätten. Deutschland habe dafür gesorgt, dass die kurzfristigen Ziele erst später umgesetzt werden müssten und der Text über die langfristigen Zielen eine weniger deutliche Sprache spreche; Italien habe deutliche Zugeständnisse bezüglich der Bußgelder erreichen können; Großbritannien einen besonderen Schutz seiner Luxusmodelle, die einen sehr hohen Verbrauch haben, und Schweden habe eine Sonderstellung für seine Flex-Fuel-Fahrzeuge erhalten. Frankreich als Ratsvorsitzender sei schlussendlich dafür verantwortlich, dass jedem Land die geforderten Schlupflöcher zugestanden worden seien. Die Versuche anderer Länder, sich für das allgemeine öffentliche Interesse einzusetzen, seien auf traurige Weise gescheitert, so der Direktor von T&E Jos Dings in einer Erklärung. 

Die Geschichte dieses Gesetzes sei die Geschichte von den Einzelinteressen der Industrie und der nationalen Regierungen, die auf Kosten von forschenden und entwickelnden Unternehmen, Lieferanten, Autofahrern und all jenen, die von den allgemeinen Auswirkungen des Klimawandels und den höheren Ölpreisen betroffen seien, den Status Quo beibehalten wollten, fügte er hinzu.

Die Greenpeace Europa brachte ebenfalls ihre Enttäuschung über das „sinnentleerte“ Abkommen über die Senkung der Emissionen von Autos zum Ausdruck. Mit dem Abschluss dieses Abkommens habe man dem Drängen der Automobilindustrie auf eine spätere Umsetzung und Abschwächung der vorgeschlagenen Ziele und geringere Strafen für eine Überschreitung der Werte nachgegeben. 

Länder wie Deutschland und Italien hätten dieses Gesetz zugrunde gerichtet, als sie die kurzsichtigen Interessen ihrer Automobilbranchen verteidigt hätten. Das verheiße nichts Gutes für die zukünftigen Bemühungen der EU im Kampf gegen den Klimawandel. Die Kohleindustrie und andere Branchen, die das Klima verschlechterten, stünden schon Schlange bei der EU, um eine Sonderbehandlung im Rahmen des Klimaschutzpakets zu erhalten, über das in ein paar Tagen abgestimmt werde, so die Verkehrs-Kampaignerin von Greenpeace Europa Franziska Achterberg.

Friends of the Earth Europe zufolge sei der Kompromiss ein völlig falsches Ergebnis für einen grundlegenden Bestandteil des Klimaschutzgesetzes und missachte die Forderungen der Bürger an ihre Politiker, die Autohersteller dazu zu bringen, den Kraftstoffverbrauch der Autos, die sie herstellten, zu reduzieren. 

Nächste Schritte: 
  • 4. und 5. Dezember 2008: Voraussichtliche Einigung des Rats der Umweltminister bezüglich des Vorschlags.
  • 16. und 17. Dezember 2008: Erste Lesung und Abstimmung bei der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments. 
Hintergrund : 

Im Dezember 2007 hat die Europäische Kommission verbindliche Regelungen vorgeschlagen, die Kfz-Hersteller dazu zwingen würden, die durchschnittlichen Emissionen von Neuwagen durch verbesserte Fahrzeugtechnologien um 18% von derzeit 160 Gramm CO2 pro Kilometer auf 130g/km im Jahr 2012 zu senken. Eine weitere Reduzierung um 10g/km soll durch Verbesserungen in anderen Bereichen wie den Reifen, dem Kraftstoff, der Klimaanlage oder dem umweltfreundlichen Fahren erzielt werden.

Obwohl 130g/km das branchenweite Ziel ist, variieren die vorgeschlagenen Ziele je nach Art der hergestellten Autos. Fiats Ziel würde beispielsweise strenger ausfallen (122g) als das von Volkswagen (132g), da Fiats Autos kleiner sind und bereits jetzt weniger Emissionen verursachen.

Frankreich – neben Deutschland, Italien und Großbritannien einer der größten Kraftfahrzeughersteller der EU – hat die EU-Regierungen gedrängt, die Vorschläge abzuschwächen und der Industrie mehr Zeit und Flexibilität zuzugestehen, um die Ziele zu erreichen (EurActiv vom 1. Oktober 2008). 

Die europäischen Autohersteller haben die EU außerdem dazu gedrängt, ihre Maßnahmen zur Senkung von CO2-Emissionen auf 2015 zu verschieben und die Höhe der Bußgelder für diejenigen, die die Vorgaben nur knapp verfehlen, zu senken.

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