EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Klimaziele in Rettungsplänen für den Automobilsektor [DE]

Veröffentlicht 05. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Vier internationale Institutionen, unter anderem die UNO und die Internationale Energieagentur (IEA) haben sich zusammengeschlossen, um die Entwicklung neuer Automobil-Technologie voranzutreiben, mit dem Ziel den Treibstoffverbrauch aller Autos bis 2050 um 50 Prozent zu senken. Auf diese Weise sollen die CO2-Emissionen im Straßenverkehr bedeutend gesenkt werden.

Die globale Initiative zur Verbesserung der Treibstoffeffizienz, „50 by 50“, wurde gestern (4. März 2009) in Genf, vom UN-Umweltprogramm (UNEP), von der Internationalen Energieagentur (IEA), dem Weltverkehrsforum (ITF) und der FIA Foundation lanciert.

Die Initiative hat das Ziel, die Effizienz aller neuen Autos bis 2030 um 50% zu verbessern und bis 2050 alle Fahrzeuge der Welt an dieses Standard anzupassen/dieses Ziel erreicht haben.

Der Plan soll die jährlichen CO2-Emissionen bis 2050 um zwei Gigatonnen reduzieren und dabei bis zu sechs Milliarden Barrel Öl einsparen werden, so seine Befürworter.

Der Vorschlag kam auf, als Rettungspläne in der ganzen Welt eingesetzt wurden, um die durch die Rezession stark angeschlagenen Autohersteller aufzufangen. In Europa wurden wegen sinkender Absatzzahlen bereits tausende Beschäftigte entlassen.

Es hatte Bedenken gegeben, dass nationale Rettungspläne mit protektionistischen Maßnahmen einher gehen könnten, die gegen die Prinzipien des europäischen Binnenmarkts verstoßen können (EurActiv vom 4. Februar 2009). Des Weiteren wurde die Bereitstellung öffentlicher Gelder für Industriesubventionen in Frage gestellt.

Es wird erwartet, dass sich die Anzahl der Autos auf den Straßen bis 2050 verdreifachen wird. Angesichts dieser Zahlen, zeigten sich die an der Initiative beteiligten Organisationen zuversichtlich, dass sich das Ausmaß der CO2-Emissionen etwas über dem Niveau von 2005 stabilisieren werde. Auch die Luftqualität in schnell wachsenden Ländern werde sich entscheidend verbessern.

Laut der Organisationen, sei es möglich, die geforderten Emissionskürzungen mit existierenden Technologien zu erreichen. Um das Zwischenziel bis 2030 zu erreichen, müsse man die Hybrid-Technologie auf eine weitaus größere Zahl von Fahrzeugen ausdehnen.

 Des Weiteren, erwarten sie die Weiterentwicklung von batteriebetriebenen Fahrzeugen, Plug-in Steckdosenhybriden und möglicherweise Wasserstoff-Brennzellen-Fahrzeuge. Wenn es gelänge, diese in kurz- bzw. mittelfristiger Zukunft auf den Markt zu bringen, könne man weitere Emissionsreduzierungen erreichen.

Allerdings wird im Bericht auch anerkannt, dass die momentan schwierige Wirtschaftssituation, die Bereitschaft für Veränderungen in der Industrie einschränken könne. Man betrachte diese Initiative als langfristige Maßnahme, erklärten die Organisationen und betonten die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Regierungen und Autoherstellern, um die Ziele kosteneffizient erreichen zu können.

Richtlinien für verbesserte Effizienz

Die Behörden argumentieren, Richtlinien zur besseren Treibstoffeffizienz, deren Entwicklung  außerhalb der OECD immer noch in den Kinderschuhen  steckt, seien von entscheidender Bedeutung für den Fortschritt. Sie schlagen einige Strategien für Regierungen vor, die sich nach dem jeweiligen Markt richten.

Standards für Treibstoffeffizienz und den Herstellung von Kfz-Komponenten  könnten, die „verbreitete Abneigung gegen Investitionen in Treibstoffeffizienz“  bekämpfen, wird in dem Bericht festgestellt. Weiter wird vorgeschlagen, Steuern für den Fahrzeugbesitz und Gebühren für eine jährlich erneuerbare Fahrgenehmigung an die Treibstoffeffizienz und den Emissionsausstoß des Fahrzeugs anzupassen (siehe EurActiv LinksDossier „Autos und CO2“).

Der Bericht tritt ebenso für eine internationale Harmonisierung  von Tests zur Treibstoffeffizienz, Steuervorteilen und Kennzeichnungssystemen ein. Die Schaffung eines globalen Automarktes würde die Kosten, die durch die Einhaltung von  Standards entstehen, verringern.

EU-Minister diskutieren Abwrackprämie

Die EU-Minister treffen sich heute (5. März 2009) im Rahmen des Rates „Wettbewerbsfähigkeit“, um die Krise der Automobilindustrie zu diskutieren. Die Entwürfe für eine Schlussfolgerung unterstützen so genannte Abwrackprämien, die Verbraucher finanziell unterstützen, wenn sie ihre alten Modelle verschrotten und umweltfreundlichere Neuwagen anschaffen.  Dies soll zum Erreichen von Europas Umweltzielen beitragen. 

Die European Federation for Transport and Environment (T&E), einem Dachverband von Umweltverbänden, die ihren Schwerpunkt auf den Straßenverkehr legen, rief die EU dazu auf, ihre Methoden aufmerksamer zu prüfen. Eine OECD-Studie habe ergeben, dass der Kosten-Nutzen-Aspekt solcher Abwrackprämien äußerst ungünstig sei und dass alternative Maßnahmen wesentlich größere Auswirkungen auf die Umwelt haben würden.

Es sei ironisch, dass die Automobilindustrie, die jedes Mal laut aufgeschrieen habe, wenn eine Umweltprämie vorgestellt wurde und stets mehrere  Folgenabschätzungen gefordert habe,  sich nun, da Milliarden von Regierungsgeldern involviert seien, auf einmal  seltsam still verhalte und nicht  wie gewohnt eine Kosten-Nutzen- Analyse verlange, sagte Kerstin Meyer von T&E.

Stellungnahmen: 

Auf der Veranstaltung sprachen mehrere Vorsitzende der an der Initiative beteiligten Organisationen, die allesamt die Wichtigkeit des Automobilsektors für das Erreichen der Emissionsziele betonten.

Nobuo TanakaVorsitzender der IAE  sagte, man habe Wege gefunden, berechtigte Forderungen nach Mobilität, ambitionierte Reduktionen der CO2-Emissionen und die Interessen der Wirtschaft, unter einen Hut zu bringen. In Zeiten der Wirtschaftskrise hätten Regierungen eine einmalige Gelegenheit, die Automobilindustrie zu unterstützen und gleichzeitig den  Emissionsrückgang und die  Treibstoffeffizienz zu fördern. Je schneller man handele, desto mehr Vorteile fielen an.

Achim Steiner, Vorsitzender der UNEP, sagte, die UN-Klimakonferenz, die in knapp 300 Tagen in Kopenhagen stattfinde, müsse ein umfassendes und klares Abkommen erreichen, um die Bedrohung von Milliarden von Menschen durch die Klimaerwärmung abzuwenden. Verkehr sei ein maßgeblicherFaktor  im Wandel zu einer grüneren Wirtschaft. Bis 2020 wird eine Verdreifachung von Autos auf der Welt erwartet, 80 Prozent dieses Wachstums wird in Entwicklungsländern stattfinden. Deswegen sei die GFEI-Initiative von entscheidender Bedeutung.

Jack Short, Generalsekretär der ITF, sagte, die globale Initiative zur Treibstoffeffizienz biete einen dringend benötigten Fahrplan für lang- und kurzfristige Maßnahmen. Man habe klare Ziele gesetzt, die Vorteile sowohl für die Umwelt als auch für die Wirtschaft brächten. Man verfüge bereits über  die Technologie und die Möglichkeiten, um die Treibstoffeffizienz von Autos um 50 Prozent zu verbessern – das einzige, woran es mangelte, seien koordinierte Anstrengungen der Wirtschaft und der  Regierungen.

David Ward, Generalsekretär der FIA Foundation, sagte, die Initiative könne große Auswirkungen auf die Öffentlichkeit haben. Durch Steueranreize und Informationskampagnen könne man größere Nachfrage für sparsamere Autos schaffen. Das Ziel, die Treibstoffeffizienz im 50 Prozent zu erhöhen erfordere, bald Schritte in die richtige Richtung zu unternehmen.

Die European Federation for Transport and Environment (T&E)  bewertete die Initiative als richtigen Schritt der leider etwas zu spat komme. Innerhalb der nächsten vierzig Jahre, sei zu erwarten, dass sich die Verbreitung von Autos im Vergleich zu heute verdoppele. Wenn bei Autos tatsächlich eine 50-prozentige Steigerung der Effizienz erreicht werden würde und der Fortschritt bei LKWs, Schiffen und Flugzeugen ähnlich ausfalle, würden die globalen Emissionen von CO2 trotzdem noch ansteigen. Man brauche also eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 80 Prozent, was eine Verbesserung der Treibstoffeffizienz bis spätestens 2020 und nicht erst 2050 voraussetze, sagte Jos Dings, Vorsitzender von T&E.

Hintergrund : 

Im Dezember 2007 hat die Europäische Kommission verbindliche Regelungen vorgeschlagen, die Kfz-Hersteller dazu zwingen würden, die durchschnittlichen Emissionen von Neuwagen durch verbesserte Fahrzeugtechnologien um 18% von derzeit 160 Gramm CO2 pro Kilometer auf 130g/km im Jahr 2012 zu senken. Eine weitere Reduzierung um 10g/km soll durch Verbesserungen in anderen Bereichen wie den Reifen, dem Kraftstoff, der Klimaanlage oder dem umweltfreundlichen Fahren erzielt werden.

Obwohl 130g/km das branchenweite Ziel ist, variieren die vorgeschlagenen Ziele je nach Art der hergestellten Autos. Fiats Ziel würde beispielsweise strenger ausfallen (122g) als das von Volkswagen (132g), da Fiats Autos kleiner sind und bereits jetzt weniger Emissionen verursachen.

Aufgrund dieser Unterschiede zwischen den einzelnen Autobauern, war im Dezember 2008 ein Kompromiss getroffen worden, der die Automobilunternehmen schrittweise zur Begrenzung ihrer Emissionen zwingt. Der Grenzwert von 120g/km gilt für 65 Prozent der im Jahr 2012 gebauten Autos, 75 Prozent  der im Jahr 2013, 80 Prozent für 2014 und schließlich für 100 Prozent der Autos von 2015 (EurActiv vom 2. Dezember 2009).

Die Kommission hatte außerdem als Teil der zweiten Überarbeitung der Energiestrategie eine neue Richtlinie für ein Kennzeichnungsverfahren von Reifen vorgeschlagen. Das neue Gesetz würde Reifenhersteller dazu verpflichten, Treibstoffeffizienz, Grad der Bodenhaftung bei nassem Untergrund, sowie Betriebslautstärke auf einem am Reifen angebrachten Etikett und in ihren Verkaufsbroschüren auszuzeichnen.

More in this section

Advertising