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Da es den meisten Mitgliedstaaten nicht gelingt, einen wesentlichen Fortschritt bei der Verringerung der Zahl der Verkehrstoten zu erzielen und Europas Stauprobleme und die Umweltverschmutzung sich weiter verschlimmern, hat die Kommission angekündigt, dass mehr getan werden müsse, um die offensichtlichen Vorteile, welche der Einbau von Informations- und Kommunikationstechnologien in alle Fahrzeugen bietet, besser zu nutzen.
High-Tech-Autos haben sich seit Februar 2006 zu einer Priorität in der EU-Verkehrspolitik entwickelt, als sich herausstellte, dass die Mehrheit der Mitgliedstaaten im Bereich Straßensicherheit weit hinter den 2001 von ihnen gesetzten Zielen zurückgeblieben waren, die eine Halbierung der Zahl der jährlichen Verkehrstoten auf 25 000 bis zum Jahr 2010 vorsahen (EurActiv vom 22. Februar 2006).
Damals hatte die Kommission im Rahmen ihrer breitangelegten Strategie „Europäische Informationsgesellschaft’ 2010 eine Initiative „Intelligentes Fahrzeug“ ins Leben gerufen. Die Initiative will durch die Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) Beschäftigung und Wachstum in Europa ankurbeln.
Das Ziel des Projektes war mit der Wirtschaft, den Mitgliedstaaten und den Bürgern zusammenzuarbeiten, um IKT-Lösungen für Verkehrsprobleme zu schaffen, wie beispielsweise Unfälle mit Todesfolge oder Verletzungen, Materialschäden, schädigende Auswirkungen auf die Umwelt und die öffentliche Gesundheit aufgrund von giftigen Fahrzeugabgasen, hohe wirtschaftliche Kosten, die mit Staus in Zusammenhang stehen, und Energiemüll.
18 Monate nach der Einführung hat die Kommission erklärt, dass die Initiative „Intelligentes Fahrzeug“ wichtige Ergebnisse erzielt habe und dass es nun an der Zeit sei, eine neue Strategie vorzulegen, um die jüngsten technologischen und politischen Entwicklungen mit einfließen zu lassen.
Bestimmte Sicherheitssysteme, wie beispielsweise das automatische Notrufsystem „eCall“, eine elektronische Stabilitätskontrolle (ESC; electronic stability control) und Unfallvermeidungssysteme, könnten laut einer zweiten Kommunikation, die am 18. September 2007 von der Kommission während der Jahresveranstaltung der Initiative „Intelligentes Fahrzeug“ in Versailles (Frankreich) vorgelegt wurde, verpflichtend für alle Straßenfahrzeuge werden.
Die Kommission erklärt, dass eCall jährlich bis zu 2 500 Menschenleben retten könnte, aber dass sich bisher zu wenige Mitgliedstaaten (bisher 12 von 27 Mitgliedstaaten) für die Umsetzung der Technologien eingesetzt hätten.
Die Idee hinter eCall ist die, dass im Fall eines schweren Unfalls die mit dem System ausgestatteten Fahrzeuge automatisch die einheitliche europäische Notrufnummer 112 anwählen und damit der nächstgelegenen Notaufnahme die grundlegenden Informationen über den Unfall übermitteln, einschließlich der genauen Angabe des Unfallortes, selbst wenn es keinem der Insassen möglich ist zu kommunizieren.
Die Kommission hat angekündigt, sie werde Verhandlungen mit europäischen, japanischen und koreanischen Automobilherstellern über den freiwilligen Einbau von eCall als Standarausrüstung in allen neuen Fahrzeugen ab 2010 aufnehmen. Sie betont jedoch zugleich, dass, falls ein Fortschritt nur langsam erzielt werde, neue regulatorische Schritte zur Einführung des Systems eCall ab 2008 ins Auge gefasst werden könnten.
Die Kommission fügt hinzu, dass sie im Laufe des Jahres mit Stakeholdern die Frage diskutieren werde, ob der Einbau des Systems zur elektronischen Stabilitätskontrolle als auch von Bremsassistenz- und Unfallvermeidungssystemen verbindlich für alle Fahrzeuge ab 2011 vorgeschrieben werden sollte.
Laut Kommission könnte die elektronische Stabilitätskontrolle helfen, das Risiko der Schleudergefahr – das für mindestens 40% aller schweren Verkehrsunfälle verantwortlich ist – zu reduzieren und somit jährlich 4 000 Menschenleben zu retten und 100 000 schwere Unfälle zu verhindern.
Laut Angaben der Kommission sei die Verfügbarkeit der elektronischen Stabilitätskontrolle in neuen Fahrzeugen noch immer gering (40% in den Staaten der EU-25 im Jahr 2005) und variiert stark von Markt zu Markt aufgrund verschiedener Geschäftsstrategien der Hersteller sowie unterschiedlich großer Unterstützung durch die Behörden (85% in Schweden, 31% in Italien). Das Ziel sei die 100%ige Verfügbarkeit der elektronischen Stabilitätskontrolle in Europa bis 2012, so die Kommission.
Die Kommission fügte hinzu, sie werde bis Mitte 2008 Leitlinien erarbeiten, in denen den Mitgliedstaaten Anreize – wie Steuererleichterungen – sowie Möglichkeiten zur vereinfachten Einführung intelligenter Fahrzeugsysteme aufgezeigt werden sollen. Ziel dieser Leitlinien werde es sein, die Fahrzeuge sicherer, umweltfreundlicher und intelligenter zu machen.
„Technik kann Leben retten, den Straßenverkehr verbessern und die Umwelt schützen. Die EU muss (…) weiterhin Druck auf alle Beteiligten ausüben, damit die Europäer so schnell wie möglich in den Genuss dieser gewinnbringenden Technik kommen“, sagte Viviane Reding, die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige Kommissarin. Sie fügte hinzu: „Sollten wir auf freiwilliger Grundlage nicht zügig vorankommen, bin ich zum Eingreifen bereit.“
ERTICO–ITS Europe vertritt mehr als 100 wichtige Stakeholder im Bereich der Entwicklung intelligenter Verkehrssysteme, einschließlich Autoherstellern, Elektronikanbietern, Kartenherstellern, Telekommunikationsbetreibern und europäischen Behörden. ERTICO–ITS Europe betonte die Bedeutung der Verbindung von Fahrzeug- und Infrastrukturtechnologien mit Informations- und Kommunikationstechnologien um die Sicherheits- und Klimaziele der EU erreichen zu können.
Michael Nielsen, Leiter der Abteilung Development & Deployment bei ERTICO–ITS Europe, sagte im Gespräch mit EurActiv: „Studien zeigen, dass mindestens 93% der Unfälle aufgrund menschlichen Versagens geschehen. Daher ist klar, dass dem Fahrer stärker entlastet werden muss. Durch die Verminderung der Fahrertätigkeiten, die bessere Erkennung von Gefahren sowie die notwendige Unterstützung in Gefahrensituationen könnten ‚Advanced driver assistance systems’ (ADAS; fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme) jährlich eine beachtliche Zahl an Menschenleben retten. Diese Anwendungen sollen nicht nur Fahrzeugbesitzer schützen, sondern auch andere unschuldige Verkehrsteilnehmer, wie Fußgänger und Radfahrer. Daher ist das Potential enorm“, so Nielsen.
Er betonte die Notwendigkeit, das Bewusstsein unter Autofahrern zu erhöhen und einen Massenmarkt für diese Technologien zu schaffen, und will dafür bestimmte Anreize, wie z.B. Preissenkungen, setzen.
„Die EU und die Mitgliedstaaten haben diese Technologien bisher weitgehend auf freiwilliger Basis eingeführt. Mitgliedstaaten könnten jedoch noch eine wichtigere Rolle spielen, indem sie beispielsweise Anreize für Endverbraucher schaffen würden, diese Systeme zu erwerben. Auch Versicherungsunternehmen könnten hier eine Rolle spielen, um einen schnellere Umsetzung sicherzustellen“, so Nielsen.
Der Verband europäischer Automobilhersteller (ACEA) ist der Meinung, dass das fehlende Bewusstsein für den Nutzen dieser Sicherheitstechnologien das größte Hindernis für deren flächendeckendere Einführung in Europa sei. Der Generalsekretär des ACEA, Ivan Hodac, erklärte, europäische Autohersteller statteten ihre Fahrzeuge zunehmend mit Sicherheitssystemen aus, standardmäßig als auch optional. Leider sei die Einbauquote bei diesen Systeme noch nicht zufriedenstellend. In vielen Fällen bevorzugten Verbraucher Komfort oder Unterhaltungsgeräte.
Jörg Beckmann, Geschäftsführer des Europäischen Rates für Verkehrssicherheit, einer NGO im Bereich Straßensicherheit, betonte, man beobachte, dass bestehende Technologien und Politiken, die Menschenleben retten können, bei Politikern nicht immer die oberste Priorität seien. Um die Sicherheitsvorzüge neuer Fahrzeugtechnologien zu maximieren, müsse der Schwerpunkt auf Innovation und Umsetzung gelegt werden. Hinweise auf Sicherheitsgurte, Alkoholverbote und Geschwindigkeitsregulierung lieferten ein hohes Maß an Sicherheit. Es seien jedoch Bemühungen von Politikern notwendig, um deren zügige Umsetzung sicherzustellen. Die Mitgliedstaaten als auch die Europäische Kommission müssten Verantwortung übernehmen.
17. September 2007: Die Kommission legt ihre zweite Mitteilung zu ihrer Initiative „Intelligentes Fahrzeug“ vor.
18. September 2007: Die Tschechische Republik, Portugal und Spanien führen eCall ein.
Mitte 2008: Die Kommission will Leitlinien für Anreize für die Einführung intelligenter Verkehrssysteme vorlegen.