Wasserstoff gehört zusammen mit Biokraftstoffen zu den größten Hoffnungsträgern der Kommission, um in Zukunft Öl im Verkehr zu ersetzen und dadurch die Abhängigkeit der EU vom Öl zu reduzieren.
Nach dem anfänglichen Enthusiasmus wurde bald Kritik laut, die auf die „Illusionen“ der Wasserstoffwirtschaft hinweist:
- Wie Strom, ist Wasserstoff ein Energieträger und keine Energiequelle. Das bedeutet, dass die Wasserstoffwirtschaft immer nur so sauber sein wird, wie die Quelle aus der er gewonnen wird (Kohle, Atomkraft, Erdgas oder erneuerbarer Energien);
- Ein wasserstoffbetriebenes Verkehrssystem erfordert ein Netzwerk von Tankstellen, das große Kosten verursachen würde. In einer Studie, die im Dezember 2005 erschienen ist, veranschlagt die International Energieagentur (IEA), dass die Kosten für die Entwicklung der Infrastruktur, die für eine verbreitete Nutzung von Wasserstoff erforderlich ist, in Billionenhöhe liegen würden (EurActiv 2. Dezember 2005);
- Brennstoffzellenbatterien, die Wasserstoff durch eine chemische Reaktion in Elektrizität umwandeln, haben eine eingeschränkte Effizienz und Speicherungskapazität und während des Umwandlungsprozesses geht viel Energie verloren;
- Brennstoffzellenbatterien sind aufgrund der bei der Herstellung verwendeten Materialien immer noch sehr teuer (ungefähr 10.000 Euro für ein mittelgroßes Auto). Zu den Bestandteilen gehören Platin und Nafion, eine Membran, die in den Elektrolyten der Brennstoffzellen verwendet wird.
Öffentliche und private Investitionen in Forschung und Entwicklung konzentrieren sich darum auf die Kostenreduzierung für Brennstoffzellen, die Erhöhung ihrer Speicherkapazität und die Lösung des Infrastrukturproblems.
Auf europäischer Ebene wurde 2004 die Plattform für Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologien (HFP) eingerichtet, um Forschung und Entwicklung im Bereich der Wasserstofftechnologie zu fördern. Die Plattform, die von der Industrie geleitet wird, bringt Wissenschaftler aus der Öffentlichkeit und der Privatwirtschaft, öffentliche Behörden und die Wirtschaft zusammen.
Im März 2005 legte die Plattform ihre „Strategische Forschungsagenda“ vor, um die Forschung zu dirigieren und öffentliche und private Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsprogramme anzuregen (EurActiv 17. März 2005). Die Programme zielen auf die Kommerzialisierung von Fahrzeugen bis 2015 ab, jedoch glauben viele, dass diese Fahrzeuge frühestens 2020 wettbewerbsfähig sein werden.
Mehrere EU-finanzierte Projekte wurden eingerichtet, um die Realisierbarkeit von Wasserstoffzellen im öffentlichen Verkehr voranzutreiben. Das EU-Programm „Umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel“ (Clean Urban Transport for Europe - CUTE) hat den Einsatz von 27 wasserstoffbetriebenne Brennstoffzellen-Bussen in neun europäischen Großstädten unterstützt, u. a. in Amsterdam und Barcelona. Die Ergebnisse des Praxistests wurden im Mai dieses Jahres vorgestellt (EurActiv 11. Mai 2005). Hierbei wurde deutlich, dass in einigen Bereichen Verbesserungen notwendig sind:
- Konstruktion, Bau und Betrieb der Wasserstoffversorgungsketten und Tankstellen;
- Effiziente Gewinnung und Nutzung von Tonnen von Wasserstoff
- Optimierung der Infrastruktur



