ThemenRubriken
MiniRubriken
Der Präsidentschaftskandidat Barack Obama erfreute gestern die Europäer, indem er versprach, den freien Handel und die Bekämpfung des Klimawandels zu Prioritäten seiner Politik zu machen, falls er im November gewählt werde. Er forderte Europa jedoch auch auf, in Zukunft mehr Verantwortung zu übernehmen.
45 Jahre, nachdem sich der damalige US-Präsident John F. Kennedy mit dem berühmten Ausruf „Ich bin ein Berliner“ an die Bevölkerung Berlins gewandt hatte, haben sich 215 000 Menschen an der historischen Siegessäule versammelt, um der seit langem erwarteten Rede Obamas beizuwohnen.
„Amerika wird keinen besseren Partner finden als Europa“ sagte Obama zu Beginn seiner Rede und fügte hinzu, dass es an der Zeit sei, „neue Brücken über den Globus zu bauen“. Außerdem brauche die Welt eine starke EU, die die Sicherheit und den Wohlstand für den europäischen Kontinent sichere, gleichzeitig aber dem Ausland die Hand reiche.
Obama war bemüht, sich vom unbeliebten derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush abzuheben und sagte, dass es keine Alternative zur Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen den Ländern gebe. Dies sei vielmehr der einzige Weg, „die gemeinsame Sicherheit zu bewahren und die gemeinsame Menschlichkeit voranzubringen“.
Obama forderte, dass „Amerikaner und Europäer […] mehr tun müssen in diesem Jahrhundert“, ohne dabei konkrete Forderungen zu stellen. Führende deutsche Politiker hatten Obama davor gewarnt, die Entsendung zusätzlicher deutscher Soldaten nach Afghanistan zu verlangen; Deutschland würde ohnehin schon mehr leisten, als es könne.
Obama sprach sich auch für die Öffnung der Handelsmärkte aus, wobei die Gewinne der Liberalisierung gleichmäßiger verteilt werden müssten. Der Handel fördere seit jeher das Wachstum und die globale Entwicklung. Dennoch müssten die Gewinne des Handels auf alle verteilt werden, sollten Wachstum und Entwicklung anhalten. Wie Obama hinzufügte, müsse der Handel „frei und fair“ für alle sein.
In einem Gespräch mit EurActiv hatte Francois Lafonde, der Direktor des Pariser Büros des German Marshall Funds, einem transatlantischen Think Tank, die Europäer davor gewarnt, dass ein demokratischer Präsident starken Forderungen eines demokratisch dominierten US-Kongresses ausgesetzt sein werde der einen protektionistischeren Ansatz verfolge (EurActiv vom 24. Juli 2008
).
Die Rede Obamas wurde von deutschen Politikern positiv aufgenommen, so auch von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, der sie als Signal für einen US-amerikanischen Kurswechsel wertete.
Der potentielle Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, kritisierte indes Obama und sagte er hätte eine solche Rede nicht zu diesem Zeitpunkt halten dürfen. Er sei noch nicht einmal zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei ernannt worden. Die Nominierung Obamas wird allerdings nur noch als Formalität betrachtet.
Obama wird heute in Paris erwartet, wo er mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zusammentreffen wird, das wohl pro-amerikanischste Staatsoberhaupt, das die „Grande Nation“ jemals hatte. Sarkozy hat seit seiner Amtsübernahme im Mai 2007 die US-amerikanische Führung heftig umworben, da er darum bemüht ist, die bilateralen Beziehungen der beiden Länder zu verbessern, die unter der entschiedenen französischen Ablehnung des Irak-Krieges schwer gelitten hatten.
Nach seinem Aufenthalt in Paris wird Obama in das Vereinigte Königreich weiterreisen, das seit dem Zweiten Weltkrieg eine besonders intensive Beziehung zu den USA pflegt. Sowohl Frankreich als auch Großbritannien hätten ihre Unzufriedenheit über Obamas Entscheidung kundgetan, Berlin zur Priorität seiner Europareise zu machen, berichtete die amerikanische Presse.
Sie erklärte, Obamas Reiseroute sei der Tatsache geschuldet, dass er Merkel als derzeit wichtigste Politikerin in Europa und die deutsch-amerikanischen Beziehungen – abgesehen von den anglo-amerikanischen Beziehungen – als die „fundiertesten“ betrachte.