EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Europaabgeordnete entzweit über Ethik in der Gentherapie [DE]

Veröffentlicht 24. April 2007 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Ein Bündnis von mitte-rechts und grünen Europaabgeordneten setzt sich für die Einbeziehung ethischer Schutzmaßnahmen in den vorgeschlagenen Rechtsrahmen für neue Therapieformen ein. Dies steht im Gegensatz zu einem Kompromisspaket, auf das sich die Kommission, der Rat, die Wirtschaft und Patientenvereinigungen geeinigt hatten.

Der Bericht von Miroslav Mikolášik (EVP-ED, Slowakei) über Arzneimittel für neuartige Therapien wurde am 23. April 2007 im Europäischen Parlament diskutiert.

In der Debatte stehen sich zwei Gruppen von Europaabgeordneten, die für entgegengesetzte Änderungen argumentieren, gegenüber: das Bündnis der mitte-rechts und grünen Europaabgeordneten, welches die Einbeziehung ethischer Schutzmaßnahmen in den vorgeschlagenen Rechtsrahmen für neue Therapieformen unterstützt, und die Fraktionen der Sozialdemokraten (SPE), der Liberalen (ALDE) sowie der Vereinigten Europäischen Linken/Nordischen Grünen Linken (KVEL/NGL), die ein „Kompromisspaket“ entworfen haben, dessen Änderungen vorsehen, dass ethische Fragen der Kompetenz der Mitgliedstaaten unterliegen.

Nach der Unterbrechung des informellen Trialogs wegen der Entscheidung des Berichterstatters Mikolášik, die ethischen Ergänzungen Gegenstand der Plenarabstimmung zu machen,  wurden die Änderungen am 18. April 2007 vorgebracht. Durch die Änderungen würden die Kommission und der Rat die vorgeschlagene Verordnung akzeptieren können. Das Paket wird des Weiteren von der Wirtschaft und von Patientenvereinigungen unterstützt.

Stellungnahmen: 

Der Kommissionsentwurf beschränkt die neue Regulierung auf technische Fragen und beinhaltet keine ethnischen Schutzmaßnahmen, da die Kommission ethische Fragen gemäß dem Subsidiaritätsprinzip der Kompetenz der Mitgliedstaaten zuweist. Der Rat unterstützt die Auffassung der Kommission.

Der Berichterstatter Miroslav Mikolášik (slowakischer Abgeordneter der EVP-ED-Fraktion) missbilligt das Kompromisspaket, das ohne sein Wissen von drei Europaabgeordneten - Roth-Behrendt (SPE), Ries (ALDE) und Adamou (KVEL/NGL) – sowie den Vertretern des Rates und der Kommission ausgehandelt worden war. Mikolášik sagte, dass die Ergänzungen weder von den Ausschüssen noch von ihm unterstützt würden.

Einige grüne Abgeordnete teilen die Auffassung des Berichterstatters. Hiltrud Breyer (deutsche Abgeordnete für die Fraktion Grüne/EFA), welche die ethischen Ergänzungen im Parlamentsausschuss für Rechtsangelegenheiten initiiert hatte, sagte, dass der JURI-Ausschuss das Recht habe, Ergänzungen zu ethischen Fragen vorzulegen.

Die KVEL/NGL-Fraktion  (Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/ Nordische Grüne Linke) stellt sich auf die Seite der Patienten mit dem Argument, dass die Versuche des Berichterstatter und der anderen Europaabgeordneten, die Annahme der Gesetzgebung wegen der ethischen Ergänzungen hinauszuzögern, den Patienten das Recht auf die bestmögliche Behandlung vorenthalte. Der Europaabgeordnete Adamos Adamou sagte, dass dieser Bericht zwar ernsthafte ethische Fragen offen lege, das Ziel aber nicht die Harmonisierung ethischer Standards, sondern in Hinblick des Einsatzes moralisch sensibler Produkte der Respekt vor den nationalen Kompetenzen sei. Das Subsidiaritätsprinzip stelle die Basis für jegliche Entscheidungen zum Thema dar, so dass die Länder entscheiden könnten, mit welchen Produktsorten auf ihrem Territorium gehandelt werden dürfe und welche verboten werden sollten.

Giles Chichester (britischer Abgeordneter der EVP-ED-Fraktion), Sprecher des Parlamentsausschusses für Industrie, Forschung und Energie, sagte bezüglich der ethischen Ergänzungen des Ausschusses für Rechtsangelegenheiten, dass er nicht die Ansicht des Berichterstatters Mikolášik teile. Dessen Vorschläge zum Thema seien reaktionär, so Chichester.

John Bowis (britischer Abgeordneter der EVP-ED-Fraktion) sagte, die EU müsse Sicherheit und Effizienz garantieren. In ethischen Fragen sollten die Mitgliedstaaten entschieden.

Frédérique Ries (belgischer Abgeordneter der ALDE-Fraktion) sagte, dass die EU weder die Macht noch das Recht habe, ethische Angelegenheiten zu regeln. Er wiederholte, dass das Parlament Fördergelder der EU für Stammzellenforschung unterstützt habe, solange nationale Gesetze beachtet wurden.

European Biopharmaceutical Enterprises (EB) und die Europäische Vereinigung pharmazeutischer Industrien und Verbände (EFPIA) haben die Abgeordneten des Europaparlaments dazu aufgerufen, für den Kompromissvorschlag der SPE, ALDE und KVEL/NGL zu stimmen und die nationalen Gesetze zu ethischen Fragen zu respektieren. Die europäische Überprüfung und Entscheidung werde den Mitgliedstaaten nicht das Recht nehmen, auf Grund ihrer ethischen Werte ein Produkt zu verbieten. 

Europäische und internationale Patientennetzwerke und -Verbände fordern eine zeitnahe Annahme der Regelung. Sie fordern von den Europaabgeordneten, sicherzustellen, dass alle Produkte neuartiger Therapien durch das von der EMEA zentralisierte Verfahren bewertet würden, das ein einheitlich hohes Niveau an Erfahrung garantieren und Abweichungen zwischen den Mitgliedsstaaten vermeiden werde.

Zum speziellen Aspekt der embryonalen Stammzellenforschung und Produkte, die daraus entstehen könnten, fordern Patientenvereinigungen von den Europaabgeordneten, alle Fragen, die nicht die Sicherheit und Effizienz beträfen, den Mitgliedsstaaten, Patienten und ihren Familien zu überlassen.

Nächste Schritte: 
  • Die erste Lesung des Vorschlags für die Verordnung über neuartige Therapien wird am 25. April 2007 im Parlament stattfinden.
Hintergrund : 

Im November 2005 hat die Kommission einen Vorschlag für eine neue Verordnung zu neuartigen Therapieformen vorgelegt. Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat im September 2006 einen ersten Entwurf eines Berichts zurückgewiesen, da die Europaabgeordneten zu keiner Einigung hinsichtlich der Einbeziehung von Änderungen, die ethische Schutzmaßnahmen forderten, gekommen waren. Ein neuer Bericht, der die ethischen Ergänzungen ablehnt, wurde schließlich am 30. Januar 2007 angenommen.

Ein informeller Trialog zwischen der Kommission, dem Parlament und dem Rat (Februar und März 2007) zielte auf die Annahme eines Kompromisses in der ersten Lesung des Parlamentes im Frühjahr 2007 ab. Dieser Austausch wurde jedoch von Miroslav Mikolášik, Berichterstatter des Parlamentes, am 30. März 2007 unterbrochen; Mikolášik kündigte an, dass er in jedem Fall die ethischen Ergänzungen zum Gegenstand der Plenarabstimmung machen werde.

More in this section

Advertising