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Interview: ‚Wir brauchen eine Revolution in der Wissenschaftskultur’ [DE]

Veröffentlicht 10. Dezember 2007 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Wissenschaftler könnten nicht weiterhin in ihrer eigenen Welt leben; sie müssten gemeinsam mit den Bürgern neue Forschungsfragen formulieren, um den globalen Herausforderungen zu begegnen, so die Forscherin Marie-Claude Roland.

Marie-Claude Roland, eine Forscherin, die sich auf Wissenschaftskommunikation spezialisiert hat und Forschern dabei behilflich ist, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern, sprach mit EurActiv.com. Sie sagte: „Forscher leben in einem System, das bisher vollständig autonom und von der Gesellschaft losgelöst gewesen ist. Wenn man Mertons Soziologie der Forschung (1976) liest, wird ein System beschrieben, das autonom ist, sowie selbstreguliert und ohne Kontakt zur Gesellschaft. Dies ist der Grund, warum so viele Wissenschaftler Probleme haben, über den Einfluss ihrer Forschung zu sprechen.“

Roland sagte, dass „Forscher in einer Situation der Nicht-Kommunikation“ seien. Sie verstünden das Veröffentlichen als einen reinen Bestätigungsprozess ihrer Forschung [die Veröffentlichung der Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Arbeit]. „Ich versuche, Forschern zu erklären, dass es keinen Sinn macht, etwas zu publizieren, wenn sie nichts zu sagen haben. Das Problem ist, wenn die Schriften veröffentlicht werden, enthalten sie oft keine Botschaft. Man muss sich nur die Titel der Schriften anschauen, und dies wird deutlich“, fügte sie hinzu.

„Eine der Schwächen von Forschungsprojekten, die von der Europäischen Kommission finanziert werden, ist beispielsweise, die Rubrik mit dem Titel ‚Einfluss ihrer Forschung’. Forscher sind sich des Einflusses ihrer Forschung nicht wirklich bewusst. Sie versuchen lediglich, die Gesellschaft als ein Alibi zu benutzen, um ihre Arbeit finanziert zu bekommen“, fährt Roland fort.

Sie sagte, neue Technologien hätten zu sehr technischen Forschungsaktivitäten geführt; sogar junge Forscher seien sehr methodisch und technikorientiert. Forscher arbeiteten oft mit Stichworten und zögen die breitere Bedeutung ihres Forschungsthemas nicht in Betracht, oder sie verwendeten zu wenig Zeit auf die Formulierung der Fragen oder die Umformulierung von Problemstellungen. 

Dennoch, so Roland, „kann Forschung nicht länger von der Gesellschaft getrennt gesehen werden“. Sie forderte Forscher dazu auf, mit den Bürgern zusammenzuarbeiten, um deren Bedenken zu verstehen und sie in den entscheidenden Prozess der Formulierung neuer Fragen und Probleme einzubeziehen.

„Dies ist genau das, worum es bei dem sich ändernden Paradigma der wissenschaftlichen Kommunikation geht. Es ist eine kulturelle Revolution, in deren Verlauf Endverbraucher und andere Stakeholder einbezogen werden müssen. Forschung und Wissenschaftskultur können nicht länger außerhalb der Leitkultur und der Gesellschaft existieren. Die Bedrohungen für den Planeten und menschliches Leben sind heute viel zu groß. Wir brauchen eine Revolution in der Wissenschaftskultur“, sagte Roland.

Auf die Frage, warum man Wissenschaft vermitteln müsse, entgegnete Roland, Wissenschaft sei Kommunikation und solange sie nicht kommuniziert werde, existiere Wissenschaft nicht.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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