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Der Dialog zwischen großen Unternehmen und Forschungsorganisationen sollte verbessert werden, um das Innovationspotential der EU zu fördern. Dies behauptet Michael Cosnard vom französischen Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (INRIA) in einem Interview mit EurActiv.
Die Umwandlung von Forschung in kommerziellen Anwendungen für Unternehmen – der so genannte Technologietransfer – ist ein Prozess, der durch stärkere Zusammenarbeit dramatisch verbessert werden könnte, sagte Cosnard.
„Das Problem ist nicht, dass Universitäten zu wenig elementare Forschung betreiben. Das Problem liegt mehr bei Unternehmen, die sich nicht um elementare Forschung kümmern oder zukünftige und neu entstehende Technologien nicht in ihre Strategiepläne einbeziehen. Unternehmen sind in dieser Hinsicht zu zurückhaltend und nicht an elementarer Forschung interessiert. Ich denke, Unternehmen müssen elementare Forschung unterstützen“, erklärte Cosnard.
Er fügte hinzu, dass Unternehmen beispielsweise der Einstellung von Mitarbeitern mit einer Promotion in Informatik abgeneigt seien, weil diese zu sehr „auf elementare Forschung ausgerichtet“ und nicht ausreichend interessant für Unternehmen seien. „Dies ist eine sehr eigentümliche Situation, da ich glaube, dass – insbesondere große – Firmen Mitarbeiter brauchen, die wissen, was Forschung, und besonders elementare Forschung, bedeutet. Wir brauchen mehr Leute, die von der Forschungs- zur Unternehmensseite überwechseln“, so Cosnard.
Er sehe drei Möglichkeiten, um den Technologietransfer zu stärken. Erstens könnten Zusammenarbeit und Gemeinschaftsprogramme zwischen großen Unternehmen und Forschungsorganisationen mithilfe eines besseren Verständnisses zwischen den beteiligten Parteien sowie durch die Gestaltung und Einrichtung von Kompetenzzentren geschaffen werden. Zweitens sei es möglich, den Transfer von Qualifikationen von Forschungslaboren zu Unternehmen zu verbessern, wenn die Unternehmen mehr Forscher anstellen würden.
Zu guter Letzt sagte Cosnard, dass „der Technologietransfer durch die Schaffung neuer Unternehmen ein guter Weg“ sei, da sich „einige der neu gegründeten Unternehmen weiterentwickeln und zu kleinen, mittelständischen oder großen Unternehmen werden oder von anderen Unternehmen aufgekauft“ würden. Er fügte jedoch hinzu, dass mehr Unterstützung nötig sei, damit die neu gegründeten Unternehmen wachsen könnten. „Dafür benötigen wir mehr Mittel und Risikokapital“, behauptete er. Er bedauere die Tatsache, dass es in den Vereinigten Staaten drei bis fünf Mal so viel Risikokapital gebe. Cosnard glaubt, dass der europäische Markt noch zu fragmentiert sei. Aus diesem Grund könnten „Start-Up-Unternehmen in Europa nicht so schnell wie diejenigen in den USA wachsen“, sagte er.
Cosnard zufolge wüssten die Risikokapitalgeber in den USA, wo sie investieren müssten – im Silicon Valley beispielsweise. In Europa dagegen seien die Kompetenzzentren in unterschiedlichen Bereichen sehr verschieden und nicht glaubwürdig genug, um Risikokapitalgeber zu überzeugen und anzusprechen. „Wenn man beispielsweise die Mikroelektronik betrachtet, gibt es nur drei große Zentren in Europa. Die Situation in der Telekommunikationsbranche oder der im Sektor der Software-Technologie ist viel vielfältiger. Wir brauchen eine erhöhte Konzentration und einige Cluster, die als Aushängeschild fungieren, sollten daraus entstehen.“
„Es ist nicht immer genug, gute Forscher und Ingenieure zu haben, da gute Forscher und gute Ingenieure nicht immer gute Manager sind“, fügte Cosnard hinzu. Er behauptete, die Hauptsache sei, mithilfe guter Manager und Unternehmer aus diesen Mitarbeitern ein Team zu bilden.
Auf die Frage, ob ein Gemeinschaftspatent den Technologietransfer in Europa verbessern könne, sagte Cosnard, es sei sehr für eine europäische Politik für Patente. Dennoch warnte er: „Patente sollten für tatsächlichen Fortschritt ausgehändigt werden, nicht für bloße Ideen. Patente für unspezifizierte Ideen auszugeben, könnte ein Hindernis für Innovationen bedeuten.“
INRIA wird am 28. Mai 2008 in Brüssel den Vorsitz eine Konferenz über „Innovation für Wettbewerbsfähigkeit in der IKT: hin zu einem EU-Rahmen für Technologietransfer“ (Innovating for competitiveness in ICT: towards an EU framework for technology transfer
) ausrichten. Damit will das Institut seine vierzigjährige Erfahrung in diesem Gebiet zeigen und von EU-Institutionen und anderen Organisationen lernen sowie das Netzwerk mit seinen europäischen Schwesterorganisationen vergrößern.
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