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Politiker und Wissenschaftler müssten den Menschen Gehör schenken und sich für mehr Demokratie in der Wissenschaft einsetzen. Dies könnte durch die Nutzung neuer, interaktiver Technologien, wie Blogs, geschehen, so Michel Serres, ein französischer Philosoph in einem Interview mit EurActiv.com.
„Wir müssen eine Demokratie der Forschung einführen“, sagt Michel Serres, Philosoph und Mitglied der Französischen Akademie, in einem Interview mit EurActiv zum Thema gesellschaftliche Auswirkungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit wissenschaftlichem Fortschritt und der Entwicklung neuer Technologien im 21. Jahrhundert.
„Es ist notwendig, auf die Bedenken der Bevölkerung zu reagieren – zu reagieren, nicht Vorgaben zu erklären! Zwei Jahrtausende lang hat die Welt der Wissenschaft geforscht, ohne auf Stimmen aus dem Volk einzugehen. Diese Haltung von ‚Sei bloß still und wir werden es dir erklären’ muss sich verändern: Wir müssen vermehrt reagieren und weniger erklären“, sagt Serres.
Serres schlägt eine Umfrage vor, um das Wissen der Bevölkerung über die Rolle der Wissenschaft zu verbessern und eventuell die Kluft zwischen Forschung und Gesellschaft zu überwinden. Diese Umfrage könnte die Bereiche ermitteln, über welche die Menschen mehr wissen möchten, sowie die Themen, die die Bevölkerung direkt betreffen. „Ein großer Anteil der Bevölkerung gibt an, über den wissenschaftlichen Fortschritt besorgt zu sein, aber wir sollten sie fragen worüber genau sie besorgt ist! […] Es macht keinen Sinn, zu erklären, was eine Supernova ist, wenn die Menschen eigentlich über genetisch veränderte Organismen besorgt sind“, sagt er.
Im Weiteren ermutigt Serres Wissenschaftler und Forscher, den Menschen besser zuzuhören. So sollten etwa Ärzte vermehrt mit ihren Patienten kommunizieren und sich nicht nur auf ihr schulmedizinisches Wissen verlassen. „Auch Politiker sollten mehr auf das Volk hören, […] wobei wir dafür keine neuen Mittel schaffen müssen, da es bereits Blogs gibt. Wir müssen diese neuen Technologien nutzen – es ist nicht notwendig, teure Treffen in Brüssel zu bezahlen. Wir müssen eine Demokratie der Forschung schaffen. Das ist die wichtigste Botschaft“, sagt Serres.
Der französische Philosoph denkt außerdem, dass es keine klar abgegrenzte Beziehung zwischen „Wissenschaft und Gesellschaft“ gibt. Seiner Meinung nach ist die Gesellschaft äußerst „vielseitig“, da verschiedene Akteure beteiligt sind, etwa Politiker, aber auch Rechtsanwälte und die Medien.
„Im Moment halten die Medien sich für die vox populi und entscheiden, worüber berichtet wird. Um höhere Einschalt- oder Hörerquoten zu erzielen, werden wissenschaftliche Nachrichten übersprungen“, sagt Serres, und fügt hinzu, dass Wissenschaft in den heutigen großen Massenmedien keine Rolle spiele.
Um das vollständige Interview (nur in französischer Sprache) zu lesen, klicken Sie bitte hier.