EurActiv Logo
 
7. Juli 2008
Breaking News:

Kontroverse um offenen Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen [DE][en][fr

Erschienen: Freitag 16. Februar 2007   

Die Herausgeber von wissenschaftlichen Schriften fürchten, dass die Pläne der Kommission, den kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Internet zu fördern, geschäftsschädigend sein könnten. 

Hintergrund:

Im Frühjahr 2006 wurde eine öffentliche Anhörung über eine StudiePdf external  bezüglich wissenschaftlicher Veröffentlichungen durchgeführt. Die Studie bietet eine wirtschaftliche Analyse dieses Bereichs in Europa und macht eine Reihe von Empfehlungen.

Der Bericht und die Empfehlungen wurden von der wissenschaftlichen Gemeinde begrüßt, während die Verlagsbranche Kritik an der Methodologie und den Schlussfolgerungen äußerte. 

Die Kontroverse bezieht sich auf die Frage des kostenlosen Zugangs external ("Open Access"). Derzeit nehmen die Forderungen zu, den unmittelbaren und freien Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Internet zu ermöglichen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Verleger Geld von Autoren dafür verlangen, dass die Veröffentlichung im Internet frei zugänglich ist. Es findet also eine Verlagerung der Kosten vom Leser zum Autor statt.

Ungefähr 200 Organisationen (Universitäten, Forschungsinstitutionen, Leistungsträger, Stiftungen, Buchhandlungen, Museen und Archive) aus aller Welt haben 2003 die Berliner Erklärung Pdf external unterzeichnet, die die „Open Access“-Bewegung einleitete. In der Erklärung heißt es: „unsere Aufgabe Wissen weiterzugeben ist nur halb erfüllt, wenn diese Informationen für die Gesellschaft nicht in umfassender Weise und einfach zugänglich sind“.

Weitere Nachrichten:

Die Kommission hat am 14. Februar 2007 die Mitteilung Wissenschaftliche Informationen im digitalen Zeitalter: Sicherung des aktuellen und des künftigen Zugangs im Interesse von Forschung und Innovation vorgelegt. In der Mitteilung wird das System der wissenschaftlichen Veröffentlichungen in Europa und die Auswirkungen auf die Forschung angesprochen. Fragen wie Zugang, Verbreitung und Bewahrung wissenschaftlicher Informationen sind Teil der Mitteilung. Die Mitteilung bietet einen Überblick über den derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der Bewahrung von Forschungsergebnissen unter Einbeziehung organisatorischer, rechtlicher, technischer und finanzieller Aspekte in Europa.

Die Mitteilung kündigt ebenfalls eine Reihe von geplanten Maßnahmen auf europäischer Ebene an, unter anderem die Förderung neuer Möglichkeiten für einen besseren Zugang zu wissenschaftlichen Online-Informationen und zur digitalen Erhaltung von Forschungsergebnissen für künftige Generationen. Die Mitteilung geht ebenfalls darauf ein, wie die Kommission mit dem Konzept des offenen Zugangs in Projekten des siebten Forschungsrahmensprogramms umgehen will.

Er sei sich bewusst, dass wissenschaftliche Verlage und die wissenschaftliche Gemeinde über den offenen Zugang diskutierten (manchmal auch kontrovers), sagte Forschungskommissar Janez Potočnik. Die Kommission glaube jedoch, dass ein besserer Zugang zu wissenschaftlichen Informationen die Forschung ankurbeln werde und zu mehr Veröffentlichungen führen werde und somit den Europäischen Forschungsraum stärken werde.

Die größte Herausforderung sei es, so die Kommission, eine Lösung zu finden, die sowohl für Wissenschaftler als auch für Verleger von Vorteil ist. Dies bedeutet, die schnelle Verbreitung von Ergebnissen innerhalb der Wissenschaftsgemeinde, die durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien vereinfacht wird, zu fördern und für Verleger von wissenschaftlichen Schriften, dass sie entsprechende Bezahlung dafür erhalten, in Instrumente und Mechanismen zu investieren, um den Informationsfluss und das Peer-Review-System zu organisieren. 

Positionen:

Der internationale Verband der wissenschaftlichen, technischen und medizinischen Verleger (STM) hat eine gemeinsame Erklärung, in der die Rolle der spezialisierten Verleger bei der Unterstützung der europäischen Forschungsgemeinschaft betont wird, vorgelegt. Die Verleger organisierten und unterstützten den Peer-Review-Prozess in wissenschaftlichen Zeitschriften finanziell. Diese Zeitschriften spielten eine unersetzbare Rolle bei der Authentifizierung von Artikeln durch Registrierung, Zertifizierung, Verbreitung und redaktioneller Überarbeitung, so STM.

Der Verband begrüßte die Initiative der Europäischen Kommission, den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen und ihre Bewahrung zu verbessern. Dieses löbliche Vorhaben sei der Daseinszweck der STM-Verleger und sie unterstützten dies durch die Erklärung. Jedoch habe die Mitteilung der Kommission dieses Vorhaben nur schwach unterstützt und nicht deutlich gemacht, warum Maßnahmen seitens der Regierungen erforderlich seien. Derzeit riskiere man, ein Geschäftsmodell dem anderen vorzuziehen. Keiner profitiere davon, wenn ein großer europäischer Wirtschaftszweig untergraben werde und somit das Peer-Review-System, auf das die Wissenschaft aufbaue, so Michael Mabe, Aufsichtsratvorsitzender von STM.

Nächste Schritte:

  • Die Konferenzexternal  Wissenschaftliche Veröffentlichungen im Europäischen Forschungsraum Zugang, Verbreitung und Bewahrung im digitalen Zeitalter findet am 15. und 16. Februar in Brüssel statt.

Links

Advertising
Advertising