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Wissenschaftskommunikation – einseitige Vermittlung oder echter Dialog? [DE]

Veröffentlicht 15. November 2005 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Bei der Eröffnungszeremonie von "Communicating European Research 2005" wurde betont, dass Wissenschaftskommunikation auf Grundlage eines echten Dialogs mit den Bürgern stattfinden müsse.

„Kommunikation ist ein Erfordernis und eine Notwendigkeit für die Wissenschaften und die Öffentlichkeit dabei einzubeziehen ist mehr als nur eine Priorität – es ist eine Verpflichtung“, betonte EU-Wissenschafts- und Forschungskommissar Janez Potočnik  bei der Eröffnungszeremonie der zweiten CER-Konferenzausstellung 'Communicating European Research 2005'. Auf der Konferenz, die vom 14. bis 15. November 2005 stattfindet, kommen Projektkoordinatoren, Vertreter von Forschungseinrichtungen, Journalisten, Öffentlichkeitsarbeiter und andere Kommunikationsfachleute zusammen, um das gegenseitige Verständnis zwischen ihren Berufsfeldern und Rollen zu verbessern und Strategien für die Verbesserung der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an die europäischen Bürgern auszuarbeiten.

„Die Wissenschaften verdienen einen Platz in der europäischen Öffentlichkeit. Wir müssen die Anerkennung der Rolle von Wissenschaftlern in der Öffentlichkeit stärken und Forschern Ressourcen und Instrumente zur Verfügung stellen, die ihnen bei der Vermittlung ihrer Arbeit helfen“, sagte Potočnik. „Darüber hinaus müssen wir das Image der Wissenschaften in der Gesellschaft verbessern und definieren, wie der Mehrwert europäischer Forschung im Vergleich zu der auf nationaler Ebene betriebenen Forschung kommuniziert werden kann“, so Potočnik weiter. 

Ein weiterer Redner bei der Eröffnungszeremonie war Dr. Alan I. Leshner, Geschäftsführer der American Association for the Advancement of Science (AAAS), der das Ziel der Konferenz infrage stellte. In Bezug auf den sich wandelnden Kontext des Dialogs zwischen den Wissenschaften und der Gesellschaft – den er für „angespannter“ als früher hält – sagte er, „die Annahme, dass wissenschaftliche Grundkenntnisse ein Problem darstellen, ist nicht richtig“. Hinsichtlich der Notwendigkeit einer besseren und intensiveren Wissenschaftskommunikation sagte er, „wir können die Kluft zwischen Wissenschaft und Gesellschaft nicht einfach mithilfe von Bildung beseitigen, weil das Problem nicht darin besteht, dass die Menschen nicht über wissenschaftliche Themen Bescheid wissen - sondern vielmehr in der Tatsache, dass ihnen einige wissenschaftliche Fortschritte nicht gefallen“. 

„Während Forschung immer gemäß von Kosten-Nutzen-Analysen bewertet wurde, betrifft ein großer Teil der Forschung heute Themen, die mit menschlichen Grundwerten zu tun haben, und darum wollen die Bürger Einfluss auf die Wissenschaften ausüben anstatt nur von ihnen beeinflusst zu werden“, fügte Dr. Leshner unter Verweis auf Klon- und Stammzellenforschung und Studien zu Sexualität und Verhaltensgenetik (Aggressivität, Intelligenz) hinzu. 

Dr. Leshner betonte, Kommunikationsarbeit müsse über die bloße Vermittlung von Erkenntnissen hinausgehen. Stattdessen müsse ein echter Dialog mit der Öffentlichkeit eingegangen werden. „Wir müssen das Wesen der Wissenschaftskommunikation von einem Monolog zu einem Dialog ändern, der Öffentlichkeit zuhören und uns ihre Sorgen anhören“.

Stellungnahmen: 

Der Preisträger des Wissenschaftskommunikationspreises Descartes 2004 Wolfgang Heckel fasste seine Ansichten zur Wissenschaftskommunikation folgendermaßen zusammen: „Unterschätzen Sie die Öffentlichkeit nicht, erteilen Sie keine Lehren, und sprechen Sie die Bürger auf emotionaler Ebene an und respektieren Sie ihre Gefühle“. Er appellierte an Politik und Wissenschaften, die Verbindung zwischen Forschung und Gesellschaft zu verbessern. Wissenschaftszentren und Museen seien gute Beispiele für neutrale, informelle Rahmen für öffentliche wissenschaftliche Debatte. 

Donghong Cheng, Leiter der Wissenschaftskommunikation der Chinese Association for Science and Technology (CAST), umriss den derzeitigen Stand der Dinge und zukünftige Aktionspläne für Wissenschaftskommunikation in China und sagte, „Kommunikation kann nur dann wirksam sein, wenn es ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Gesellschaft gibt“.

Nächste Schritte: 

'Communicating European Research 2005' geht am 15. November 2005 mit einer Reihe von Workshops, einer davon von EurActiv.com, weiter. Zwei Workshops werden von EurActivs Chefredakteur Willy De Backer moderiert.

Die Pläne der Kommission zur Wissenschaftskommunikation sind folgende: 

  • Bessere Nutzung des Fernsehens und möglicherweise Investitionen in audiovisuelle Koproduktionen, die von verschiedenen Medien auf nationaler und lokaler Ebene ausgestrahlt werden könnten
  • Überdenkung der Möglichkeiten des Radios im Zusammenhang mit der Wissenschaftskommunikation
  • Zusammenlegung der bestehenden Internetportale (‚Cordis’ und ‚Europa’) zu einem einzigen benutzerfreundlichen Portal mit ansprechendem Design, Science Portal, um eine einheitlichere Wissenschaftskommunikation der Kommission zu erreichen
  • Schaffung eines Instruments zur Unterstützung der Ausbildung von Journalisten in europäischen Wissenschaftsthemen 

„Euroscience Open Forum“, ESOF 2006, wird vom 15. bis 19. Juli 2006 in München stattfinden.

Hintergrund : 

Im Mai 2004 organisierte die Kommission eine Konferenz zum Thema 'Communicating European Research - What’s in it for you?. Sie war die erste in einer Serie von Konferenzen über Wissenschaftskommunikation in Europa (CER), zu der Koordinatoren von EU-Projekten und Journalisten aus mehr als 30 Ländern eingeladen waren. 

Die jetzige Kommission hat Kommunikation als einen eigenständigen Politikbereich anerkannt und bessere Kommunikation zu einem ihrer Hauptziele erklärt. Ein „Aktionsplan für eine bessere Kommunikationsarbeit der Kommission zu Europa“ ist vor kurzem unter der Leitung von Kommissarin Wallström lanciert worden und ein Weißbuch wird für Dezember 2005 erwartet (siehe EurActiv, 22. Juli 2005).

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