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Barroso warnt Gegner, die EU nicht zu schwächen [DE]

Veröffentlicht 16. September 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Nach einer Marathon-Prozedur um die Unterstützung der Europaabgeordneten zu gewinnen, vor der heutigen Abstimmung zu seiner Wiederwahl, erklärte der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso seinen Gegnern im Europaparlament, sie würden einen Fehler machen indem sie versuchen ihn gegen den Willen der Mitgliedstaaten zu schwächen.

Heute (16. September) findet eine geheime Wahl im europäischen Parlament statt, bei der über die Wiederwahl Barrosos als Kommissionspräsident abgestimmt wird. Im Vorfeld musste Barroso in den letzten Tagen den MdEPs in teilweise erhitzen Debatten Rede und Antwort stehen.

Unter anderem beantwortete Barroso Fragen wie beispielsweise: „Können Sie nachts gut schlafen, wenn Sie an die Arbeitslosigkeit in der EU denken?“. Er verteidigte auch die Entscheidungen, die er während seiner Amtszeit getroffen hatte. Besonders die Linken und die grüne Partei stehen Barroso in dieser Frage kritisch gegenüber.

Während der Debatte mit den MdEPs nahm Barroso auch zu verschiedenen Themen Stellung, so zum Beispiel zu seiner maoistischen Vergangenheit in den Jahren nach der portugiesischen Revolution 1974. Ihm wurde auch vorgeworfen, er habe die Lieblingsthemen der verschiedenen Gruppen im Parlament nur deshalb in seine politische Agenda aufgenommen, um Stimmen zu gewinnen und er sei eine willenlose Marionette der großen EU-Länder.

Körpersprache der Wut

Während der Plenarsitzung schien Barrosos Körpersprache auszudrücken, dass einige der MdEPs in ihren Angriffen zu weit gegangen waren. Er betonte gegenüber seinen Kritikern, dass sie lediglich eine Karikatur seiner Person geschaffen hätten, aber dass er sie nicht davon abhalten könne, dieses falsche Bild anzugreifen.

„Ich glaube, diese Angriffe schwächen Europa. Sie sagen, dass Sie einerseits ein starkes Europa und eine starke Kommission wollen, und dass ich mich gegen die Mitgliedsstaaten stellen soll, die ihre nationalen Interessen durchsetzen wollen. Andererseits sagen Sie, wir werden Sie nicht wählen, wir werden Ihren Einfluss verringern, wir werden Sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten schwächen. Das ist ein Widerspruch. Wenn Sie eine starke Kommission wollen, mit der Kraft und der Initiative, die europäischen Interessen zu vertreten, sollten Sie mir zumindest im Zweifelsfall die günstigere Auslegung zugestehen.“, sagte ein wütender Barroso.

Er fügte hinzu, er wundere sich selbst darüber, dass er der einzige Kandidat für diese Position sei. Manchmal verstände er auch seine Kritiker, da er vermute, dass sie ihn mit dem perfekten Kandidaten vergleichen würden. „Aber es gibt keinen perfekten Kandidaten, denn ein solcher Kandidat würde niemals genug Unterstützung [von den EU-Regierungschefs] erhalten“, sagte Barroso.

Ein guter Vertreter für den Rat

Der Anführer der sozialistischen und demokratischen Gruppe, Martin Schulz, sagte, er sei überrascht, dass ein im Parlament so kontroverser Kandidat wie Barroso die einstimmige Unterstützung des europäischen Rats erhalten habe.

„Ich glaube, die Antwort ist einfach. Wäre ich ein Staatschef, hätte ich José Manuel Barroso gewählt. Er ist ein hervorragender Vertreter der Interessen des Rats. Es wäre unmöglich gewesen, in den letzten fünf Jahren einen besseren zu finden. Ihre Forderung nach Kooperation mit dem Parlament ist richtig, Mr. Barroso, aber sie ist zu spät“, sagte Schulz.

Die sozialistische und demokratische Gruppe (S&D) ist sich uneinig über Barrosos Wiederwahl. Bei einer Pressekonferenz, die nach der Plenarsitzung stattfand, sagte Schulz, ein Vorschlag der deutschen SPD, die MdEPs der S&D sollten sich bei der heutigen Wahl enthalten, wäre von 95 Prozent der MdEPs angenommen worden. 43 Prozent hätten dagegen gestimmt und fünf MdEP hätten sich enthalten.

Hintergrund : 

Im Juni gewann José Manuel Barroso die einstimmige Unterstützung der EU Staats- und Regierungschefs für eine zweite fünfjährige Amtszeit als Präsident der europäischen Kommission. (EurActiv vom 19. Juni 2009) 

Diese politische Unterstützung wurde bei einem schriftlichen Verfahren am 9. Juli offiziell festgehalten. Schweden, das derzeit den EU-Präsidentschaftsvorsitz innehat, hatte darauf bestanden, Barroso solle sobald wie möglich wiedergewählt werden, da die EU einen Kommissionspräsidenten brauche, der sich mit seiner vollen Kraft einsetzen könne (siehe EurActivLinksDossier zur schwedischen EU-Präsidentschaft).

Die Wiederwahl Barrosos im europäischen Parlament nahm jedoch einen anderen Weg. Nachdem eine von den Schweden vermittelte Beratungssitzung stattgefunden hatte, wurde entschieden, dass das europäische Parlament bei seiner Plenarsitzung im Juli nicht über Barroso abstimmen würde. (EurActiv vom 2. Juli 2009) 

Unterstützt von der Linken und der grünen Partei verkündeten die MdEPs der sozialdemokratischen und liberalen Gruppierungen, dass jede Entscheidung über eine derartig wichtige Amtsberufung warten solle, bis die deutschen Bundestagswahlen im September und das irische Volksreferendum am 2. Oktober stattgefunden hätten. Kurz vor der Sommerpause entschieden die Vorsitzenden der politischen Parteien im EU-Parlament, mit ihrer Entscheidung über den Wahltermin für diesen Posten bis zum 10. September zu warten (EurActiv vom 17. Juli 2009)

Am 3. September veröffentlichte Barroso sein Programm für die nächsten fünf Jahre. Dieses Werk mit einem Umfang von 41 Seiten steht sowohl inhaltlich als auch von der Länge her in starkem Kontrast zu dem kurzen Brief, mit dem er im Juni die Unterstützung der europäischen Staats- und Regierungschefs gewann. In den letzten Wochen stellte Barroso allen politischen Gruppen sein Programm vor.

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