EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Bestreben geht weiter Frauen in den EU-Topjobs zu bestellen

Veröffentlicht 22. Oktober 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat in dieser Woche EU-Staats- und Regierungschefs dazu aufgefordert, mehr Frauen in seiner nächsten EU-Exekutive zu benennen, nachdem eine der Hauptkandidatin, Mary Robinson, meinte sie stehe für die Position nicht zur Verfügung.

In einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs wies Barroso – der im Jahr 2007 die beiden neuen EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien dazu ermutigte Kommissarinnen zu benennen – auf die Bedeutung eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses in seinem neuen Kollegium hin.   „Um es mir zu ermöglichen ein ausgewogenes Team vorzuschlagen, fordere ich Sie auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis als Ziel anzusehen", sagte er und rief EU-Chefs dazu auf "besonderes Augenmerk auf die Präsenz von Frauen im Kollegium zu setzen".  Myria Vassiliadou, Generalsektretärin der Europäischen Frauenlobby (EWL), erzählte EurActiv, dass die „sehr glücklich" über Barrosos Initiative sei,  „er hätte sich aber zu mehr verpflichten können".  Hätte Barroso jeden Mitgliedsstaat gebeten, sowohl einen Mann als auch eine Frau zu benennen wäre die Wirkung größer gewesen, sagte sie und fügte hinzu, dass „eine reine Empfehlung nicht notwendigerweise helfen muss – es kann mehr guten Willen erreichen, aber ich denke nicht, dass das genug ist".   „Es spielt eine Rolle wie sie Fragen stellen", argumentierte Vassiliadou und schloss, dass wenn die Zahl der weiblichen Kommissare nicht größer ist als das letzte Mal, keine Fortschritte gemacht wurden. 

Danke, aber nein danke, sagt Robinson

Währenddessen hat die Kampagne in EU-Kreisen, in den beiden neuen Machtpositionen des Vertrags von Lissabon – dem permanenten Präsidenten des EU-Rats und dem Chef der Außenpolitik – mindestens eine Frau zu installieren, einen Schlag erlitten, als eine der heiß getippten Kandidatinnen, die ehemalige irische Präsidentin Mary Robinson, EurActiv gegenüber erklärte, sie sei nicht im Rennen.

Robinsons Name war in den vergangenen Wochen immer wieder in den Medien als mögliche externe Mitbewerberin für den Posten des Ratspräsidenten (EurActiv vom 14. Oktober 2009) genannt worden und ihre mögliche Kandidatur gewann schnelle Unterstützung in der Zivilgesellschaft – so traten innerhalb von nur zwei Wochen über 6,000 Leute einer Facebook-Gruppe zu ihrer Unterstützung bei.

Robinson sagte gegenüber EurActiv, „ich bin sehr geehrt und dankbar als Möglichkeit für die Position des EU-Präsidenten genannt zu werden – vor allem da es so scheint, als werde die Bewegung angeführt von der Zivilgesellschaft und denen, die Interesse an Themen zeigen, die ich sehr gerne ansprechen und weiter ausbauen möchte.“

Sie fuhr mit der Bemerkung fort, dass „ich mich in der jüngsten Vergangenheit immer stärker auf die Herausforderungen des Klimawandels und dessen schwere Auswirkungen auf Entwicklungsländer, d.h. auf das Thema der Klimagerechtigkeit, konzentriert habe. Es ist ein Thema von allergrößter Dringlichkeit und stellt sich als sehr zeitaufwändig und anspruchsvoll heraus.“

Infolgedessen „könnte ich mich mit diesem Schwerpunkt nicht dazu verpflichten, die Herausforderung der EU-Präsidentschaft anzunehmen“, schlussfolgerte sie und fügte hinzu: „Ich teile die Hoffnung, dass sich eine Kandidatin für einen (oder mehrere!) der hochrangigen EU-Posten findet, aber diese Person wird nicht ich sein.“

Als Reaktion auf diese Nachricht sagte Myria Vassiliadou von der EWL, dass „die Spitzenjobs uns große Sorge bereiten.“

Obwohl die EWL darauf hoffe, dass wenigstens eine der beiden Spitzenpositionen von Lissabon an eine Frau gehen wird, „haben wir zur Zeit noch keine Namen außer Robinson gehört”, sagte sie und gab zu, dass ein solches Ergebnis zwar sehr enttäuschend wäre, „ich aber nicht sehe, wie diese Posten mit einer Frau besetzt werden.”

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sich wenigstens eine irische Frau in einem prominenten EU-Posten hervortun wird. Irische Quellen berichteten EurActiv von Spekulationen bei der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg diese Woche, dass der nächste Kommissar aus Irland Máire Geoghegan-Quinn sein wird, eine ehemalige Ministerin, die zur Zeit dem Europäischen Rechnungshof angehört.

Stellungnahmen: 

In seinem Schreiben an EU-Staats- und Regierungschefs erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: „Nach meiner Wahl zum designierten Präsidenten der neuen Kommission haben die meisten von Ihnen mich zu Nominierungen für die nächste Kommission kontaktiert."

 „Obwohl der Nominierungsprozess vor einem Beschluss des Europäischen Rates nicht formell gestartet werden kann, möchte ich bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Bedeutung einer ausgewogenen Zusammensetzung des Kollegiums unterstreichen, insbesondere die Gleichstellung der Geschlechter, “ so Barroso.

“Etliche Mitglieder der bestehenden Kommission werden für ein nächstes Mandat bleiben und neue Entscheidungen müssen getroffen werden um das Team zu vervollständigen. Um dem Rat und dem Europäischen Parlament eine ausgewogene Mannschaft vorzustellen, bitte ich Sie auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis als gemeinsames Ziel in geteilter Verantwortung zu achten. Deshalb möchte ich Sie auffordern, besonderes Augenmerk auf die Präsens von Frauen zu richten, “ fuhr er fort. 

Während einer Plenarsitzung des Europäischen Parlaments über einen Europäischen Auswärtigen Dienst forderte die ungarische sozialdemokratische EU-Abgeordnete Zita Gurmai am Mittwoch (21. Oktober), dass das neue Doppelamt des Hohen Vertreters für die Außenpolitik sowie Vizepräsident der Kommission einer Frau aus dem Mitte-Links-Bündnis gegeben solle.

Nächste Schritte: 

• 29-30 Oktober: EU-Staats- und Regierungschefs diskutieren voraussichtlich Zeitplan und Abfolge für die Nomminierungen der nächsten Kommission sowie der Spitzenjobs des Lissabon-Vertrags auf dem Brüssel-Gipfel. • 1. Januar 2010: Erwartetes Inkrafttreten der neuen Kommission. 

Hintergrund : 

Neben der Nationalität, der geographischen Lage (Nord-Süd-, Ost-West), der Größe des Landes und der politischen Zugehörigkeit kann Geschlecht auch als Kriterium angesehen werden, wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs die Top-Jobs in der EU aushandeln. 

Nach dem Fahrplan der Europäischen Kommission für die Gleichstellung von Frauen und Männern sind auch weiterhin „Frauen im politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen unterrepräsentiert".

In der Vergangenheit kam dies bei den Machtpositionen der EU zum Ausdruck. Die Kommission hatte noch nie einen weiblichen Präsidenten, während nur zwei der 13 Präsidenten des Europäischen Parlaments seit den Direktwahlen im Jahr 1979 weiblich waren. Beides waren Französinnen, Simone Veil (1979-1982) und Nicole Fontaine (1999-2002). 

Derzeit sind nur zwei der 27 EU-Staats- und Regierungchefs Frauen: Angela Merkel in Deutschland und Dalia Grybauskaite in Litauen. 

Der Frauenanteil der Abgeordneten im Europäischen Parlament liegt derzeit bei 35%, höher als der europäische Durchschnitt (24%), jedoch niedriger als das Trio Schweden, Finnland und die Niederlande – die einzigen EU-Länder mit 49% Frauen im Parlament. 

More in this section

Advertising