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EAD: Eine schwere Geburt

Veröffentlicht 05. März 2010 - Aktualisiert 09. März 2010
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Die Geburt des Europäischen Auswärtigen Dienstes, einer der größten Neuerungen im Lissabon-Vertrag, könnte eine schwere werden, stellte gestern (4.März) einer der höchsten Beamten der Europäischen Kommission fest.

João Vale de Almeida, Generaldirektor in der außenpolitischen Abteilung der Europäischen Kommission und zukünftiger EU-Botschafter in Washington, sprach von einer doppelten Herausforderung, den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) schnell und "richtig" aufzubauen. Dies sagte er auf einer Konferenz, die von 14 europäischen Denkfabriken veranstaltet wurde und ihren Angaben zufolge zum spanischen, belgischen und ungarischen Präsidentschafts-Trio einen Beitrag leisten sollte.

Vale de Almeida ist eine Schlüsselfigur im 13-köpfigen Ausschuss, der unter der Leitung der außenpolitischen Chefin der EU, Catherine Ashton, einen Vorschlag für den Aufbau des EAD vorlegen soll.

Auf Grundlage ihrer Vorschläge sollen die EU-Staats- und Regierungschefs bis Ende April eine endgültige Entscheidung über den neuen diplomatischen Dienst der EU fällen (siehe "Hintergrund").

"Für den Lissabon-Vertrag war eine neunjährige Schwangerschaft nötig", sagte Vale de Almeida. Der kurze Zeitrahmen für die Einführung des EAD bedeute hingegen, dass in diesem Fall eine Geburt nach drei Monaten sehr schwierig sein werde.

Der Spitzenbeamte betonte die Wichtigkeit, den neuen diplomatischen Dienst der EU auf bestmögliche Weise zu gestalten. Er forderte die EU-Mitgliedstaaten dazu auf, politischen Willen zu zeigen.

Implizit schien er jedoch auch zu bestätigen, dass die von Ashtons Ausschuss bereits entwickelten Pläne in einigen Mitgliedstaaten auf Widerstand stoßen.

Auf der Ebene der Ständigen Vertreter der EU-Mitgliedstaaten (Coreper) hätten gestern "lange Diskussionen" stattgefunden. Die Gespräche würden auf einem informellen Treffen der Außenminister im spanischen Córdoba am nächsten Tag (5. März) fortgeführt werden. Auch das Europäische Parlament werde ein Wort mitzureden haben.

Die Anwerbung von Mitarbeitern aus den Mitgliedstaaten wird Vale de Almeida zufolge jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Auch die Aufstockung des bestehenden Kommissionsnetzwerks an Auslandsdelegationen werde einige Monate benötigen.

Im Gespräch mit EurActiv sagte Vale de Almeida, er erwarte, dass der Dienst bis Ende des Jahres seine Arbeit aufnehmen könne, sollte eine entsprechende Entscheidung wie geplant bis Ende April fallen.

Eine Bewertung sowohl des EAD als auch des Lissabon-Vertrags könne vielleicht Ende 2012 durchgeführt werden. Man werde sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn man bereits jetzt seine Schlussfolgerungen ziehen würde, weil es viele kritische Stimmen gebe, denen zufolge der Lissabon-Vertrag nicht funktioniere und die ausgewählten Mitarbeiter nicht die besten seien.

Bildt und Miliband räumen Gerangel um Kompetenzen ein

Indessen haben der britische Außenminister David Miliband von der Labour-Partei und sein konservativer schwedischer Amtskollege Carl Bildt einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie ihrer Besorgnis über "einige der interinstitutionellen Grabenkämpfe, die in unseren derzeitigen Verhandlungen über das EAD-Paket offenkundig werden", Ausdruck verleihen.

Die Schaffung einer neuen Kultur könne beim Entwickeln des EAD möglicherweise der schwierigste Aspekt sein, schrieben sie vor dem Treffen in Córdoba.

Die beiden Minister scheinen Ashton dabei unterstützen zu wollen, für den EAD einen Aufgabenbereich zu schaffen, dem die Kommission zustimmen würde.

Insbesondere bestehen die Minister unter der Zwischenüberschrift "Finanzierung" darauf, dass die Zuständigkeit des EAD mehr Betriebsmittel wie etwa den Haushalt für die GASP und das Stabilitätsinstrument umfassen soll.

Unter der Überschrift "Programmierung" fordern sie zudem, dass der EAD in den Bereichen des Europäischen Entwicklungsfonds (EEF), des Instruments für die Entwicklungszusammenarbeit (DCI) sowie des Europäischen Nachbarschafts- und Partnerschaftsinstrument (ENPI) eine strategische Rolle spielen solle. Einem EU-Diplomaten zufolge hieße dies, dass der EAD während der strategischen Phase die Führung übernehmen und die Kommission mit der Umsetzung folgen würde.

Zur Besetzung des Dienstes bitten Miliband und Bildt um ein Gleichgewicht im neuen Dienst zwischen EU-Beamten und so genannten "Bediensteten auf Zeit". Bisher hatten Beamte der EU-Institutionen im Vergleich zu zeitweilig Bediensteten mit demselben Dienstgrad in Bereichen wie Haushaltsführung mehr Rechte. Es wird erwartet, dass die EU-Länder dem EAD nationale Diplomaten zur Verfügung stellen, die den Status von Bediensteten auf Zeit erhalten werden.

Die Minister betonen, dass der EAD die klügsten Köpfe benötige, woher diese auch immer stammten. Diplomaten räumten jedoch ein, dass andere Mitgliedstaaten wie etwa die EU-Neulinge mehr Wert auf Kriterien des geographischen Gleichgewichts als auf Verdienst legen würden.

Stellungnahmen: 

Von EurActiv um einen Kommentar zum straffen Zeitplan für die Einrichtung des EAD gebeten, sagte Piotr Maciej Kaczyński vom Centre for European Policy Studies (CEPS), Ziele und zeitliche Planung seien extrem schwierig.

Herr Almeida habe erwähnt, dass es im April einen Entwurf von der Hohen Vertreterin geben werde, damit das neue Gesetz vom Rat angenommen werden könne, weil dies Teil eines Gesetzespakets sei, über das derzeit verhandelt werde. Es sei richtig, dass das Parlament bezüglich der Einrichtung des Europäischen Auswärtigen Dienstes nur konsultiert werde. Bei den Dienstvorschriften und dem Haushalt des neuen Dienstes habe es jedoch das volle Mitentscheidungsrecht. Daher sei das Parlament vollständig am Verhandlungsprozess beteiligt.

Es bestehe die Möglichkeit, dass sich die Verhandlungen hinziehen würden. Allerdings gebe es starken politischen Druck, die Fristen einzuhalten. Politische Akteure wollten eine schnelle Einrichtung des EAD für den Zeitraum nach Kopenhagen, für die nächste UN-Konferenz zum Klimawandel in Cancún. Wenn sich in einigen Kreisen über die schwache Leistung der Hohen Vertreterin beklagt werde, dann hätten diese teilweise Recht, weil derzeit kein System eingerichtet sei.

Die größte Verantwortung liege jedoch bei den Mitgliedstaaten und nicht bei der Kommission oder Catherine Ashton, weil die Mitgliedstaaten sie ernannt hätten und weil all diese schwierigen Fragen zwischen der Unterzeichnung des Lissabon-Vertrags im Dezember 2007 und jetzt hätten gelöst werden sollen. Nach Ansicht des Experten hätte dies hinter verschlossenen Türen geschehen können. Er verstehe, dass die Mitgliedstaaten dies nicht getan hätten, damit man ihnen nicht vorwerfen könne, den Ausgang des zweiten irischen Referendums vorwegzunehmen. Die jetzige Situation sei allerdings der Preis für diese Entscheidung.

Die Frage, ob die überlastet wirkende Catherine Ashton möglicherweise Stellvertreter benötigt, bejahte er. Er glaube jedoch nicht, dass der spanische Außenminister, der derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, ihr Stellvertreter sein solle. Stattdessen benötige Ashton Stellvertreter im EAD.

Nächste Schritte: 
  • 5.-6. März: Informelles Außenministertreffen im spanischen Córdoba. EAD auf der Tagesordnung.
  • Ende April: Frist für die Annahme von Gesetzgebung, um Struktur und Arbeitsweise des EAD zu regeln.
Foreign affairs chief Catherine Ashton
Hintergrund : 

Der Lissabon-Vertrag, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat, stattet die Europäische Union mit einem Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) aus. Dieser diplomatische Korps soll eine wirkliche europäische Außenpolitik entwickeln.

Das Festlegen von Wesen, Zuständigkeiten und Einstellung der neuen Institution könnte sich jedoch als umstrittener erweisen, als ursprünglich von den Verfassern des Vertrags erwartet.

Im Dezember 2009 bat der Europäische Rat die Hohe EU-Vertreterin für Außenpolitik, Catherine Ashton, um einen Vorschlag über Struktur und Arbeitsweise des EAD, der möglichst bis Ende April 2010 angenommen werden sollte.

Derzeit ist der EAD immer noch ein Entwurf, der nur innerhalb von Ashtons Diensten im Umlauf ist. Allerdings hat er schon zu nervösen Reaktionen der Mitgliedstaaten und der EU-Institutionen geführt.

Aufgrund der fehlenden Rechtsgrundlage hat der Einstellungsprozess noch nicht begonnen, obwohl hochrangige EU-Politiker den Wunsch zum Ausdruck gebracht haben, der EAD solle bis Juli oder zumindest September arbeitsfähig sein.

Sobald er eingerichtet ist, soll der EAD etwa 5.000 Beamte umfassen – etwa so viele wie das Außenministerium eines großen europäischen Staats. Das deutsche Außenministerium beschäftigt zum Beispiel etwa 6.000 Diplomaten.

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