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EP: Neubesetzung der Ausschüsse [DE]

Veröffentlicht 31. Januar 2007 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Der Wechsel im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten, wo Jacek Saryusz-Wolski aus Polen den langjährigen Vorsitzenden Elmar Brok ersetzt, wird voraussichtlich die aufsehenerregendste Neubesetzung in den parlamentarischen Ausschüssen sein. 

Alle wichtigen Posten sind bereits zwischen den wichtigsten Fraktionen im Parlament verteilt worden. Einflussreiche Abgeordnete bleiben größtenteils in den Ausschüssen, in denen sie bereits saßen und in dem sie sich einen Namen gemacht haben.

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die wahrscheinlichen Neubesetzungen.

Ausschuss

Bisherige(r) Vorsitzende(r)

Voraussichtlicher neue(r) Vorsitzende(r)

Auswärtige Angelegenheiten

Elmar Brok (EVP-ED; D)

Jacek Saryusz-Wolski (EVP-ED; PL)

Entwicklung

Luisa Morgantini (GUE/NGL, I) 

Josep Borrell (SPE, E)

Internationaler Handel

Enrique Barón Crespo (SPE, E) 

Helmuth Markov (GUE/NGL, D)

Haushaltskontrolle

Szabolcs Fazakas (PSE, HU) 

Herbert Bösch (SPE, D)

Haushalt

Janusz Lewandowski(EVP-ED; PL)

Reimer Böge (EVP-ED; DE)

Wirtschaft und Währung

Pervenche Berès (SPE, F) 

Beschäftigung und soziale Angelegenheiten

Jan Andersson (SPE, SE) 

Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit

Karl-Heinz Florenz (EVP-ED, D)

Miroslav Ouzky (EVP-ED, CZ)

Industrie, Forschung und Energie

Giles Chichester (EVP-ED, VK)

Angelika Niebler (EVP-ED, D)

Binnenmarkt und Verbraucherschutz

Arlene McCarthy (SPE, VK) 

Verkehr und Fremdenverkehr

Paolo Costa (ALDE, I)

Regionale Entwicklung

Gerardo Galeote (EVP-ED, E)

Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Joseph Daul (EVP-ED, F) 

Neil Parish (EVP-ED,VK)

Fischerei

Philippe Morillon (ALDE, F)

Kultur und Bildung

Nikolaos Sifounakis (SPE, GR)**

Recht

Giuseppe Gargani (EVP-ED, I)

Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres

Jean-Marie Cavada (ALDE, F)

Konstitutionelle Fragen

Jo Leinen (SPE, D) 

Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter

Anna Záborská (EVP-ED, SK)

Petitionen

Marcin Libicki (UEN, PL)

Menschenrechte (Unterausschuss)

Hélène Flautre (Grüne, EFA, F) 

Sicherheit und Verteidigung (Unterausschuss)

Karl von Wogau (EVP-ED, D)

Krise der "Equitable Life Assurance Society" (nichtständiger Ausschuss)

Mairead McGuinness (EVP-ED, EI)

CIA-Gefängnisse (nichtständiger Ausschuss)

Carlos Coelho (EVP-ED, PT)

Der Großteil dieser Besetzungen ist unumstritten. Ein Streit innerhalb der EVP-ED-Fraktion zwischen Deutschland und Polen bezüglich der Verteilung der Spitzenpositionen hatte dazu geführt, dass die Abstimmung über die Sitzverteilung der Ausschüsse während der Straßburg-Woche Mitte Januar verschoben wurde.

Als Teil der Vereinbarung wurde beschlossen, dass Jacek Saryusz-Wolski von der polnischen Bürgerplattform den deutschen Abgeordneten Elmar Brok als Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten beerbt. Brok, der wegen seiner Erfahrenheit in der Außenpolitik und seinem Engagement für den Verfassungsvertrag hohes Ansehen genießt, tritt nach fast zehn Jahren an der Spitze des Ausschusses zurück.

Saryusz-Wolski, ehemaliger Staatssekretär für Europa in Polen, wird nun voraussichtlich die EU-Ostpolitik und das Verhältnis zu Russland in den Mittelpunkt rücken und die EU-Mitgliedschaft der Ukraine vorantreiben. Diese Entscheidung hat einige Förderer Broks erstaunt, während Abgeordnete aus den östlichen Mitgliedstaaten, vor allem aus Litauen, ihre Zufriedenheit betonten und die Hoffnung äußerten, die Berufung könnte den Druck auf Russland erhöhen.

Obgleich der Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten keine direkte Rolle im Gesetzgebungsverfahren der EU spielt, ist dieser Neubesetzung am meisten Beachtung zuteil geworden. Im Vergleich kommt jedoch dem Haushaltsausschuss bei der bevorstehenden Überarbeitung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Jahre 2008 eine entscheidendere Rolle zu. Hier übernimmt der deutsche Abgeordnete Reimer Böge den Vorsitz von dem polnischen Abgeordneten Janusz Lewandowski.

Die Verhandlungen zwischen den beiden großen Fraktionen haben dazu geführt, dass voraussichtlich keine großen Konflikte bezüglich der Ausschussvorsitze entstehen werden. In folgenden Fragen könnte es zu Unstimmigkeiten kommen:

  • Die Fraktion Grüne/EFA äußerte, es herrsche Einigkeit darüber, dass der Unterausschuss zu Menschenrechtsfragen, dem die französische grüne Abgeordnete Hélène Flautre vorsitzt, bis Juni 2007 zu einem vollwertigen Ausschuss aufgewertet werden solle. Der Abgeordnete Karl von Wogau (EVP-ED), Vorsitzender des zweiten Unterausschusses des Parlaments zu Sicherheit und Verteidigung, betonte, dass, wenn ein Unterausschuss aufgewertet würde, dies auch für den anderen gelten müsse. Ein konservativer Abgeordneter äußerte sich zweifelnd zu einer Aufwertung zum jetzigen Zeitpunkt, da die Durchführbarkeit nicht eindeutig sei.
  • Die rechtsextreme Fraktion IST fordert den Vorsitz des Kultur-Ausschusses für Marine Le Pen, Tochter des „Front National“-Gründers Jean-Marie Le Pen. Die EVP-ED-Fraktion und die sozialdemokratische Fraktion SPE haben sich darauf verständigt, den Rechtsextremen keine Stimme zu geben.
Nächste Schritte: 
  • 30. Januar 2007: Der Ausschuss der Präsidenten (die Vorsitzenden der acht Fraktionen) trifft sich, um über die Mitgliedslisten der jeweiligen Ausschüsse abzustimmen.
  • 31. Januar 2007: Die Plenarsitzung des Parlaments stimmt über die Listen ab.
  • 31. Januar und 1. Februar 2007: Alle Ausschüsse treten zusammen, um einen Vorsitzenden und vier Vizevorsitzende zu bestimmen.
Hintergrund : 

Nach der Hälfte der Legislaturperiode werden im Europäischen Parlament eine Reihe von Posten neu verteilt. Der offensichtlichste Wechsel fand Mitte Januar 2007 statt, als Hans-Gert Pöttering (EVP-ED) den Vorsitz des Europäischen Parlaments von Josep Borell (SPE) übernahm (siehe EurActiv, 16. Januar 2007). Um das Gleichgewicht zwischen den beiden größten Fraktionen des Europäischen Parlaments aufrechtzuerhalten, werden diesem Wechsel einige andere wichtige Neubesetzungen folgen.

Zusätzlich spielt die Ankunft von 53 neuen Abgeordneten aus Bulgarien und Rumänien am 1. Januar 2007 und die Schaffung einer neuen rechtsextremen Fraktion eine Rolle bei der Neubesetzung der Ausschüsse und der Verteilung der Ausschussvorsitze.

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