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EP nimmt Ashton zu EAD in den Schwitzkasten

Veröffentlicht 11. Juni 2010 - Aktualisiert 14. Juni 2010
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Das Europäische Parlament macht der Hohen Repräsentantin für Auswärtige Angelegenheiten Catherine Ashton Druck, nachdem Fraktionsführer gestern (10. Juni) klar zu verstehen gaben, dass ihnen ihre Vorschläge zum neuen Diplomatischen Dienst der EU missfielen. Sie bestanden darauf, dass dieser an die Europäische Kommission angeschlossen sein müsse, ansonsten werde das Parlament der Finanzierung nicht zustimmen.

Die EU-Versammlung zeigte ihre Stärke, indem sie eine harsch formulierte Stellungnahme annahm, nachdem eine Konferenz zwischen den Fraktionsführern stattgefunden hatte. Sie verdeutlichte, dass es keine Übereinstimmung zu dem Charakter des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) gibt.

Zwischenstaatlich vs. Gemeinschaftlich

„Das Parlament glaubt, dass der Dienst eher gemeinschaftlicher als zwischenstaatlicher Natur sein sollte, und deswegen besteht es darauf, dass dieser Dienst der Kommission angeschlossen sein soll […] Das Parlament wird weiterhin stark seine Position verteidigen,“ heißt es in der Stellungnahme.

Den Fraktionsführern zufolge „ist es in diesen Zeiten der zunehmenden Zwischenstaatlichkeit von der größten Bedeutung, sicherzustellen, dass die Politik der Gemeinschaft nicht verzwischenstaatlicht wird. Die Gemeinschaftlichkeit des EAD ist daher essentiell.“

Außerdem haben sie ihre Sorge ausgedrückt über die Kohärenz zwischen gesetzlichen Situationen, die Verantwortlichkeitssphären der HRVP, wie Ashtons Position im Jargon genannt wird (Hohe Repräsentantin-Vizepräsidentin der Kommission). Führende Parlamentarier zeigten auch an, dass sie sich nicht den Zeitzwängen beugen würden.

EU-Chefs hatten Ashton gebeten, einen Vorschlag zur Schaffung des EAD zu unterbreiten, der Ende April 2010 angenommen werden sollte. Diese Frist wurde nicht eingehalten und die Institutionen sind nun bei der Nennung von Fristen vorsichtig.

Einige Aspekte der auswärtigen Politik, nämlich die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, basieren auf zwischenstaatlicher Grundlage. Alle anderen Sektoren, wie die Nachbarschaftspolitik und Hilfe an Drittländer, sind Gemeinschaftspolitik und werden von der Kommission entschieden.

„All das muss in einen einzigen Dienst amalgamiert werden. Wie man dies organisieren kann, ohne das augenblickliche Gleichgewicht der EU zu ändern, ist eine komplizierte Aufgabe“, sagte Elmar Brok, ein Veteran unter den deutschen Europaabgeordneten (EVP), der zusammen mit dem ehemaligen belgischen Premierminister und jetzigen Fraktionsführer der liberalen ALDE-Gruppe Guy Verhofstadt die Reaktion des Parlaments zu Ashtons Vorschlägen koordiniert.

Auf der Suche nach Stellvertretern

Brok sagt, dass Ashtons Stellvertreter für die gemeinschaftlichen Bereiche der Aktivität des Dienstes die zuständigen Kommissare sein sollten: Štefan Füle, der tschechische Erweiterungskommissar, Andris Piebalgs, sein lettischer Kollege, der für Entwicklungshilfe zuständig ist, und Kristalina Georgieva, die bulgarische Kommissarin für Humanitäre Hilfe (EurActiv 15.03.10).

Für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik  besteht Brok darauf, dass Ashtons Stellvertreter „politisch verantwortlich“ sein sollten. Er beharrte darauf, dass die Beamten „nicht einfach europäische Beamte sein können“.

Eine der Ideen, um verantwortungsvolle Stellvertreter zu finden, ist es, die Außenminister der Länder mit einzubeziehen, die die rotierende Ratspräsidentschaft halten, oder Minister, die in bestimmten Gebieten hoch spezialisiert sind, wie der Spanier Miguel Angel Moratinos für den Mittleren Osten.

Brok sagte auch, dass das Parlament unglücklich über die Mischung des EAD-Personals sei, und verlangte, dass mindestens die Hälfte der Mitarbeiter aus der Kommission stammen sollte, da der Dienst auch zur Gemeinschaftspolitik arbeiten würde.

Letzte Woche, in einer Debatte, die nationale Parlamente involvierte, hatten Abgeordnete aus Polen, Lettland, der Slowakei und der Tschechischen Republik, sowie Europaabgeordnete, darunter MdEPs wie der Pole Jacek Saryusz-Wolski (EVP), die Notwendigkeit betont, einen Grad von geographischer Ausgeglichenheit im Personal des EAD zu erreichen (siehe EurActiv 25.03.10). 

Sie betonten, dass von 1.800 Mitarbeitern, die im EAD arbeiten sollten - 1.100 aus der Generaldirektion für externe Beziehungen (GD RELEX) und 700 aus dem Rat – Staatsangehörige der „neuen“ Mitgliedsstaaten unterrepräsentiert seien.

Kein Deal, kein Geld

Das Europäische Parlament hat keine Entscheidungskraft bezüglich des EAD, doch ist für das Budget verantwortlich.

„Das Parlament hat die Budgetkompetenz inne. Das bedeutet, dass der Dienst keine Mitarbeiter haben kann, wenn das Parlament sein Budget nicht absegnet“, warnte Brok.

In der Zwischenzeit hat EurActiv erfahren, dass die Untersuchungsprozedur für die Berufung von hochrangigen Mitarbeitern aus Mitgliedsstaaten, darunter auch EU-Neumitglieder, auf Botschafterebene bereits stattgefunden hat.

Stellungnahmen: 

The Union of European Federalists (UEF), a politically non-affiliated NGO dedicated to the promotion of a democratic and federal Europe, expressed concern over the serious delay in setting up the EEAS.

"This hampers the EU's efforts to be a credible player in international affairs at a time of growing insecurity. UEF urges the Commission, the Council and the European Parliament to rapidly settle their internal disputes so that the EEAS can become operational and Catherine Ashton enabled to do her job," their statement reads. 

UEF also underlines the need for the EEAS to become as an efficient, coherent, transparent, democratically accountable European diplomatic service, which is given the necessary means for conducting an active European foreign policy, in particular in the areas of conflict prevention, peace-building, civilian and military crisis management and disarmament.

Hintergrund : 

Der Lissabonvertrag, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat, stellt der Europäischen Union einen Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) zur Verfügung: einen diplomatischen Dienst mit der Zielsetzung, eine wahrhaft europäische Außenpolitik zu entwickeln.

Trotz der Opposition seitens des Europäischen Parlaments, präsentierte die oberste EU-Außenpolitikerin Catherine Ashton am 25. März einen Vorschlag, der im französischen Stil einen Generalsekretär und zwei Vertreter in das Zentrum des zukünftigen diplomatischen Dienstes der EU stellt (EurActiv 26.03.10). 

Ashtons zwölfseitiger Vorschlagzum Aufbau des EAD ignorierte das Parlament, welches das französische Vorbild mit einem äußerst mächtigen Generalsekretär abgelehnt hatte (EurActiv 24.03.10).

Sollte sich dieses Modell durchsetzen, wird der Generalsekretär den EAD „wie eine Spinne“ leiten, warnten die MdEPs. Eine parteiübergreifende Gruppe von MdEPs gab eine Stellungnahme heraus, in der sie sagte, das Parlament lehne den Vorschlag als inakzeptabel ab.

Der Europäische Gipfel bat Catherine Ashton, die Hohe Repräsentantin der EU für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik,  im Dezember 2009 einen Vorschlag zur Organisation und Funktionsweise des EAD zu unterbreiten, der Ende April 2010 angenommen werden sollte.

Am 21. April haben die Vorsitzenden der drei größten politischen Gruppierungen im Europäischen Parlament eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie davor warnen, den zukünftigen diplomatischen Dienst der Gewalt der EU-Mitgliedsstaaten zu überlassen(EurActiv 21.04.10).

Am nächsten Tag präsentierte Ashton einen überarbeiteten Entwurf, der nicht mehr die vorherigen Pläne für ein detailliertes Organigramm beinhaltete (EurActiv 23.04.10). 

Am 26. April erreichten EU-Minister ein „politisches Abkommen“ zum Europäischen Außendienst (EAD), das weiterhin das OK der Europaabgeordneten benötigt (EurActiv 27.04.10). 

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