Bei einem Sondergipfel, der bei einem Abendessen stattfand, sprachen sich die EU-Staats- und Regierungschefs einstimmig für den belgischen Ministerpräsidenten Herman Van Rompuy als ersten ständigen EU-Präsidenten und für die derzeitige Handelskommissarin Baroness Catherine Ashton als Hohe Vertreterin für Außenbeziehungen aus.
Die Ernennungen spiegeln das Widerstreben der Europäischen Union wider, einen hochkarätigen Präsidenten zu ernennen, der mit anderen führenden Politikern auf einer Stufe steht.
Letzen Monat hatte der britische Außenminister David Miliband den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair für die Rolle des EU-Präsidenten befürwortet. Damals hatte er gesagt, ein Kandidat müsse „den Verkehr in Peking und Moskau zum Stehen“ bringen können.
Aber die Wahl Van Rompuys verdeutlicht die Präferenz der Union für einen zurückhaltenden, auf Konsens achtenden Vorsitzenden statt einer hochkarätigeren politischen Führungsperson.
Der britische Premierminister Gordon Brown gab zu, dass „Tony Blair unsere erste Wahl für den Posten war”, begrüßte jedoch die Tatsache, dass Catherine Ashton zur Chefin für Außenpolitik ernannt wurde.
Der Findungsprozess für Präsident und Außenministerin
Erste Neuigkeiten über die Entscheidung der EU-Spitze wurden gegen 18 Uhr – und damit wesentlich früher als erwartet – bekannt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Abendessen gerade erst begonnen.
Britische Diplomaten waren die ersten, die ankündigten, dass die Kandidatur des ehemaligen Premierministers Tony Blair für die Position des EU-Präsidenten von einer einvernehmlichen Unterstützung für Handelskommissarin Catherine Ashton als Hohe Vertreterin für Außenbeziehungen ersetzt worden war.
Brown hatte sich am Nachmittag hinter Ashton gestellt, als sich die sozialdemokratischen EU-Ministerpräsidenten trafen, um ihre Positionen vor dem Gipfel untereinander abzustimmen.
Nach einer inoffiziellen Einigung zwischen den EU-Politikern sollte der Ratspräsident von einer Partei der rechten Mitte kommen, so wie Van Rompuy, während der Hohe Vertreter aus den Reihen einer Mitte-Links-Partei stammen sollte.
Der Weg zur Ernennung Ashtons war frei, als die Sozialdemokraten die Kandidatur des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Massimo D’Alema aus dem Grund ablehnten, dass er nicht aus einer sozialdemokratischen Regierung kam.
Im Gegensatz dazu kam die Ernennung Van Rompuys nicht überraschend, da Diplomaten bereits vor mehr als zwei Wochen gesagt hatten, er sei der einzige Kandidat, der einen Konsens zwischen den 27 EU-Staats- und Regierungschefs hervorrufe (EurActiv vom 2. November 2009).
Der Name von Catherine Ashton war erst in den letzten paar Tagen genannt worden, nachdem der britische Außenminister David Miliband das Angebot abgelehnt und gelobt hatte, in der nationalen Politik zu verbleiben.
Die Suche nach einer Frau
Die Wahl Ashtons, die nur begrenzte internationale Erfahrung hat und noch nie von den Bürgern in ein Amt gewählt wurde, war auch günstig für die Bestrebungen nach einem stärkeren Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen in den EU-Institutionen.
Eine Reihe anderer Kandidatinnen, von denen die bekannteste die ehemalige lettische Präsidentin Vaire Vike-Freiberga zu sein schien, hatten sich alle für die höhere Kategorie des Ratspräsidenten beworben (EurActiv vom 17. November 2009).
Ashton traf nach dem Abendessen beim Rat ein, gerade rechtzeitig für das so genannte Familienfoto. Sie nahm auch an der Pressekonferenz teil. Die Videoschirme des Rats gaben einen Einblick in die Atmosphäre auf Ebene 80, wo sich die Politiker trafen. Während Van Rompuy und Ashton Glückwünsche entgegennahmen, zeigten die Kameras auch, wie Javier Solana, der derzeitige Hohe Vertreter der EU für Außenbeziehungen, den luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker tröstete, der ebenfalls ein Kandidat für den hohen EU-Posten gewesen war.
Solana wird nun zugunsten von Ashton zurücktreten, die sich noch einem Votum des Europäischen Parlaments stellen muss, zusammen mit der gesamten Barroso II Mannschaft. Laut Lissabon-Vertrag ist der Hohe Repräsentant gleichzeitig Vizepräsident der Europäischen Kommission.
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