EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Click here for EU news »
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

EU-Spitze wird Präsident auf Sondergipfel ernennen [DE]

Veröffentlicht 12. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
DruckversionSend by email

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union werden einen Präsidenten und einen Chef der Außenpolitik beim Abendessen am 19. November benennen, aber Diplomaten sagen, dass eine Einigung über die Ernennung immer noch nicht steht.

Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, der die Beratungen zwischen den 27 Mitgliedsstaaten leitet, verkündete am Mittwoch (11. November), dass sich die Staats- und Regierungschefs der EU für ein Abendessen in Brüssel treffen und über die neuen Posten entscheiden werden.

Die Treffen werden unter dem Lissabonner Reformvertrag der EU abgehalten, welcher der Union größeren globalen Einfluss gegenüber aufstrebenden Mächten wie China wie auch als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise verschaffen soll.

„Nach einer Einführungsrunde der Beratungen mit den Staats- und Regierungschefs hat der schwedische Premierminister Fredrik Reinfeldt beschlossen, am 19. November einen zusätzlichen informellen Gipfel abzuhalten“, teilte die schwedische EU-Präsidentschaft mit.

Reinfeldt machte klar, dass der neue EU-Ratspräsident wahrscheinlich aus den Reihen der amtierenden oder ehemaligen Staatschefs gewählt wird.

Diplomaten sagen, es gebe starke Unterstützung für den belgischen Premierminister Herman Van Rompuy als Präsident. Dies signalisiert den Wunsch nach einer Führungsperson mit relativ geringem EU-Profil (EurActiv vom 2. November 2009).

Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagte jedoch, dass der ehemalige britische Premierminister Tony Blair und der Ministerpräsident von Luxemburg Jean-Claude Juncker noch im Rennen seien.

Der britische Außenminister David Miliband hat viel Unterstützung für die Position des Chefs der EU-Außenpolitik erhalten. Er teilte jedoch mit, dass er nicht verfügbar sei, so dass unklar bleibt, wer den Job erhalten wird (EurActiv vom 9. November 2009).

Verschiedene Szenarien

Die Einsetzung der Spitzenämter wurde von Machtkämpfen zwischen kleinen und großen Mitgliedsstaaten sowie widersprüchlichen Vorstellungen über die Rolle der Politiker in Brüssel beeinträchtigt.

„Es gibt ein paar Namen, die in die Luft geworfen worden (Präsident zu sein), und wir erwarten eine Mehrheit für einen Kandidaten, keinen Konsens“, sagte ein EU-Diplomat und unterstrich die Probleme bei einer einhelligen Unterstützung für eine Person.

„Die Konsultationen sind nicht vorüber… Hoffentlich können wir größeren Streitigkeiten auf dem Gipfel vermeiden.“ Die EU ruft einen Sondergipfel ein, um die Ernennungen zu beschleunigen, obwohl ein regulärer Gipfel für den 10.-11. Dezember anberaumt ist.

Eine neue EU-Kommission, die EU-Regierung, kann nur eingesetzt werden, wenn die beiden neuen Spitzenämter besetzt sind. Jede Verzögerung könnte zu Problemen führen, weil es bedeuten würde, dass die Kommission über einen längeren Zeitraum als Übergangsregierung betrieben werden müsste. Van Rompuy, 62, besitzt Fähigkeiten zur Konsensbildung, die Deutschland und Frankreich, die traditionell treibenden Kräfte in der EU, gefallen könnten. Juncker hat starke wirtschaftliche Reputationen, aber Frankreich wird sich ihm wahrscheinlich widersetzen.

Blairs Chancen sind wegen seiner Unterstützung für den US-geführten Krieg im Irak und in Afghanistan begrenzt, ebenso wie durch das Fehlen Großbritanniens in der Liste der 16 Länder der Euro-Währung.

Da Miliband für den Außenpolitikposten unwahrscheinlich ist, rücken andere Favoriten in den Vordergrund wie der ehemalige italienische Ministerpräsident Massimo D'Alema, der finnische EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn und die ehemalige österreichische Außenministerin Ursula Plassnik.

(EurActiv mit Reuters)

Hintergrund : 

Nach dem Abschluss der Ratifizierung des Lissabon-Vertrags (EurActiv vom 3. November 2009) begann der schwedische Ministerpräsident Frederik Reinfeldt diskrete Beratungen, um den zwei Spitzenposten, die vom Lissabon-Vertrag eingeführt werden, Namen und Gesicht zu verleihen. Diese Positionen sind ein in der Öffentlichkeit stehender Präsident, der die EU-Gipfeltreffen für eine zweieinhalbjährige Amtszeit leiten wird, sowie ein umgestalteter Chef für Außenpolitik, der so genannte Hohe Vertreter für Außenpolitik.

Reinfeldt, der in seiner zeitlich begrenzten Rolle als EU-Vorsitzender Eindruck gemacht hat, sagte, dass er selbst nicht als Kandidat für den Posten des ständigen Ratspräsidenten zur Verfügung stehe (EurActiv vom 30. Oktober 2009).

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair ist offensichtlich aus dem Rennen (EurActiv vom 29. Oktober 2009), sodass inzwischen andere Namen beharrlich in Umlauf gehalten werden, unter ihnen:

  • der belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy,
  • der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende,
  • der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker und
  • die ehemalige lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga.

Aber da die interessierten Parteien ihr Schweigen bewahren, ist jegliche neue „Information“ reine Spekulation.

Was die möglichen Kandidaten für den Hohen Repräsentanten angeht, so ist die Situation noch verworrener. Eine Einigung gibt es anscheinend nur darüber, dass bei einem Ratspräsidenten aus Mitte-Rechts-Kreisen der Chef der Außenpolitik ein Sozialdemokrat sein sollte (EurActiv vom 19. Oktober 2009).

More in this section

Advertising

Advertising

Advertising