In einem neuen Bericht, der am 1. Februar 2005 vorgestellt wurde, fordert die sozialdemokratische Fraktion des Europäischen Parlaments (SPE) "ein nuancierteres Verständnis von Wettbewerb, das die wechselseitige Abhängigkeit von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt anerkennt". Der Bericht, der die Überschrift "Ein Europa der Spitzenklasse" trägt, wurde von einer Gruppe politischer Experten unter Leitung der SPE-Vizepräsidenten Harlem Désir und Robert Goebbels erarbeitet. In ihm werden 33 'neue' Ideen vorgestellt, wie die Lissabon-Strategie neu belebt werden kann.
Der Bericht beginnt mit der der folgenden Feststellung: "das Wesentliche der Lissabon-Strategie ist die wechselseitige Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fortschritten". Er verweist auf das Beispiel der nordischen Länder Finnland, Schweden und Dänemark, die im 'Globalen Wettbewerbsbericht' des Weltwirtschaftsforums hohe Platzierungen erzielt haben. Die Sozialdemokraten im EP sehen "zwei Modelle", um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzugehen. Europa sollte seine "Wettbewerbsstrategie auf der hohen Qualität seiner Infrastruktur, seiner öffentlichen Dienstleistungen, seines Wohlfahrtssystems, seiner Arbeitskräfte und seiner Unternehmen" basieren.
Hier sind einige der konkreten 'neuen' Vorschläge, die als Alternativen zu den Plänen der Kommission angeboten werden:
- neue und bessere Nutzung der finanziellen Ressourcen
- mehr Investitionen in Bildung, Weiterbildung und Forschung (Mitgliedstaaten sollten angeben, um wie viel sie ihre Bildungsausgaben anheben wollen, nationale Pläne für die Aufstockung der Budgets für Forschung & Entwicklung auf 3 % des BIP und nationale Strategien für lebenslanes Lernen ausarbeiten)
- zügige Annahme des Gemeinschaftspatents
- die umgehende Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats und eines Europäischen Innovationsraumes
- mehr Finanzmittel für Forschung im Bereich der Umwelttechnologien
- Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts, mit einer gemeinsamen Definition von 'intelligenter Investition'
- weniger umfangreiche und vereinfachte Berichterstattung der Mitgliedstaaten
- Nennen und Bloßstellen der Mitgliedstaaten in Bezug auf den Stand der Umsetzung der Lissabon-Verpflichtungen
- neuer Aktionsplan über die Gleichbehandlung von Frauen und Männern
- eine neue Vorgehensweise zur Steuerung der Einwanderung
- nationale Zeitpläne für die Umsetzung des Aktionsplans für Umwelttechnologie
- ein Zeitplan für die Umsetzung der Integrierten Produktpolitik (IPP)
- bis Ende 2005 detaillierte und ehrgeizige Vorschläge zur nachhaltigen Energiepolitikmaßnahmen
- eine reibungslose Annahme des REACH-Vorschlags
- gemeinsames Handeln für ein nachhaltigeres Verkehrswesen
- einen Aktionsplan für die Ökologisierung des öffentlichen Vergabewesens
- Neubewertung des Ansatzes zu einer Dienstleistungsliberalisierung
- eine neue Binnenmarktstrategie für den Zeitraum 2007 - 2010
- einen Zeitplan für die Umsetzung des Aktionsplans für Unternehmen und der Charta für Kleinunternehmen



