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Frauenlobby plädiert für Spitzenjobs [DE]

Veröffentlicht 17. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die schwedische EU-Präsidentschaft organisierte gestern (16. November) eine Presseveranstaltung und warb für eine Berücksichtigung von Frauen bei der Besetzung der Spitzenpositionen vor dem außerplanmäßigen Gipfeltreffen, auf dem über die Spitzenpositionen entschieden wird.

EU-Spitzenpolitiker hoffen auf eine Einigung über die Besetzung der Posten bei einem Gipfel in Brüssel am Donnerstag, aber obwohl einige Frauen als mögliche Kandidatinnen gehandelt werden, wird keine als Favoritin gesehen.

Sollte keine Frau in eine Spitzenposition ernannt werden, könnte dies die Bemühungen der EU untergraben, sich als dynamisch und modern zu präsentieren und skeptische Europäer von sich zu überzeugen, die – so zeigen es Meinungsumfragen – die EU mehrheitlich als realitätsfremd betrachten.

„Es wäre gut, wenn wir einen dieser Posten für eine Frau haben könnten, aber nur sehr wenige Frauen sind nominiert”, sagte die schwedische Ministerin für EU-Angelegenheiten Cecilia Malmström am Montag in Brüssel.

„Wenn man sich die bisherigen Listen anschaut, dann sind da durchaus einige Frauen, die Außenministerin oder Ministerpräsidentin gewesen sind […] Es wäre gut, wenn wir eine dieser Kandidatinnen haben könnten.”

Schweden, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat, bemüht sich um eine Besetzung dieser Positionen, hat aber Schwierigkeiten, jemanden mit der einstimmigen Unterstützung aller 27 Mitgliedstaaten zu finden, obwohl der belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy inzwischen Spitzenkandidat für den Posten des Präsidenten ist.

Schweden muss auch einen Generalsekretär des Ratssekretariats finden, eine weniger in der Öffentlichkeit stehende Position. Es sagt, dass es ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis für wichtig erachtet, dass die meisten Mitgliedstaaten jedoch keine Kandidatinnen aufgestellt hätten. 

Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, sagte, es wäre gut, qualifizierte Frauen in den Spitzenpositionen zu haben, sie wolle aber keine Alibipolitik oder Quoten sehen.

„Als Frau bin ich immer für qualifizierte Frauen, aber gleichzeitig bin ich nie eine Frau gewesen, die sich für Quotenfrauen ausgesprochen hat”, sagte sie gegenüber Journalisten.

Ungleichgewichte im Geschlechterverhältnis

Unter den Frauen, die entweder als Präsidentin oder als Chefin für Außenpolitik erwähnt werden, sind die ehemalige lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga, die französische Politikerin Elisabeth Guigou und die britische EU-Handelskommissarin Catherine Ashton.

Drei Frauen in hohen EU-Positionen sind so darüber entmutigt, dass nicht mehr Frauen im Rennen sind, dass sie an die Financial Times schrieben, um ihre Besorgnis auszudrücken.

„Zwei wichtige Ernennungen werden für die Europäische Union gemacht werden […] und wieder einmal sieht es immer wahrscheinlicher aus, dass nur Männer nominiert werden”, schrieben die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Margot Wallström, die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Diana Wallis und Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

„Der richtige Mann in der richtigen Position ist oft eine Frau. Die Ernennung von Frauen würde Europa reicher und repräsentativer machen und es näher an alle Bürger bringen. Dies kann passieren, aber dazu braucht es einige mutige Entscheidungen.“

Obwohl der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso mehr Frauen in Spitzenpositionen möchte, würden der nächsten EU-Exekutive wahrscheinlich weniger Frauen angehören als jetzt, schrieben sie.

Der Aufruf nach mehr Frauen in Spitzenpositionen wird von vielen Männern geteilt. Der finnische Außenminister Alexander Stubb nannte in diesem Zusammenhang die Vereinigten Staaten und führte Außenministerinnen Hilary Clinton, Madeleine Albright und Condoleezza Rice als Beispiele an.

„Ich würde es ziemlich seltsam finden, wenn wir vier oder fünf Spitzenpositionen hätten und alle von Kerlen besetzt wären”, sagte er. „Ich will eine modernere, dynamischere EU sehen. Frauen sind davon ein wichtiger Teil. Wenn es eine Einigung auf eine Frau als Präsidentin des EU-Rats oder Chefin der Außenpolitik geben könnte, würde ich das toll finden.“

(EurActiv mit Reuters.) 

Stellungnahmen: 

Der finnische Außenminister Alexander Stubb wurde von AFP folgendermaßen zitiert: „Wir würden ein bisschen albern aussehen, wenn wir nicht dazu in der Lage wären, eine Frau zu wählen oder auszusuchen.“

Die schwedische Ministerin für Europäische Angelegenheiten, Cecilia Malmström, deren Land den rotierenden EU-Vorsitz innehat, sprach die Möglichkeit an, dass die europäischen Spitzenpolitiker bei ihrem abendlichen Gipfeltreffen zu keiner Einigung kommen könnten.

„Wir haben Freitag und Samstag und Sonntag oder wir machen eine Pause und kommen (wieder) zusammen” bei einem neuen Treffen, sagte sie.

Die fünf größten Fraktionen des Europäischen Parlaments gaben eine gemeinsame Erklärung über ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den EU-Spitzenpositionen und bei der Zusammensetzung der neuen Europäischen Kommission ab.

„Nach mehr als 50 Jahren von Vertragsartikeln und Gesetzgebung zur Gleichberechtigung hat die EU immer noch nicht ansatzweise eine Gleichheit der Geschlechter in ihren eigenen Spitzenpositionen geschweige denn in anderen Bereichen der EU-Gesellschaft erreicht“, so das Statement. „Die EU verliert im Kampf für Gleichberechtigung an Glaubwürdigkeit, wenn sie solche Ziele selbst innerhalb ihrer eigenen Reihen nicht erreichen kann.“

„Es ist […] unakzeptabel, dass so wenige Frauen im Gespräch für die Positionen des Ratspräsidenten und des Hohen Repräsentanten für Außenpolitik sind“, so die MdEPs. „Je weniger Frauen in der vorgeschlagenen Kommission sind, desto größer ist ihr Nachteil, wenn sie dem Europäischen Parlament für sein Zustimmungsvotum vorgestellt wird.“

Hintergrund : 

Neben Nationalität, Geografie (Nord-Süd, Ost-West), Größe des Landes und politischer Zugehörigkeit sollte das Geschlecht auch als ein Kriterium beim Kuhhandel der europäischen Spitze über die EU-Spitzenpositionen betrachtet werden.

Laut dem Plan der Europäischen Kommission zur Verbesserung der Gleichheit zwischen Männern und Frauen sind „Frauen in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen weiterhin unterrepräsentiert.“

In der Vergangenheit wurde dies in den Positionen der Macht in den europäischen Institutionen deutlich. Die Kommission hatte noch nie einen weiblichen Präsidenten, während nur zwei der 13 Präsidenten des Europäischen Parlaments seit Einführung der Direktwahl im Jahr 1979 weiblich waren. Diese waren beide Französinnen: Simone Veil (1979-1982) und Nicole Fontaine (1999-2002).

Derzeit sind nur zwei der 27 EU-Staats- und Regierungschefs weiblich: Angela Merkel in Deutschland und Dalia Grybauskaite in Litauen.

Frauen stellen derzeit 35% aller Abgeordneten im Europäischen Parlament, mehr als der europäische Durchschnitt (24%) aber geringer als in Schweden, den Niederlanden und Finnland, die einzigen EU-Länder mit mehr als 40% Frauen im Parlament. 

Es wird davon ausgegangen, dass Kommissionspräsident José Manuel Barroso stärker auf eine höhere Anzahl von Frauen in seinem neuen Kollegium von Kommissaren drängt. In seinem ersten Kollegkum waren nach einigen Veränderungen maximal zehn der 27 Kommissare weiblich.

Jedoch ist bei weitem nicht klar, dass die Zahl der Frauen bei Barroso II höher sein wird. Bisher hat Bulgarien eine weibliche Kandidatin (Rumiana Jeleva) angekündigt, während Luxemburg, Schweden und Zypern wahrscheinlich eine Kommissarin ernennen oder wieder ernennen werden (EurActiv vom 14. Oktober 2009).

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