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Die langerwartete Zwischenbilanz der Strategie von Lissabon zeigt nur wenige neue Ideen zur Wiederbelebung des ins Stocken geratenen wirtschafts- und sozialpolitischen Reformprozesses auf.
Der ehemalige niederländische Premierminister Wim Kok ist im März 2004 vom Europäischen Rat damit beauftragt worden, eine Expertengruppe zu leiten, die die Strategie von Lissabon bewerten sollte. Im Jahr 2000 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU-15, einen wirtschafts- und sozialpolitischen Reformprozess einzuleiten, dessen Ziel darin bestand, die EU "zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen."
Wie bereits Roman Prodi in seinen jüngsten Erklärungen (siehe EurActiv 3 November 2004 ) zeichnet der Bericht ein düsteres Bild von den Fortschritten der letzten vier Jahre. In dem Bericht, der am 3.November von der Kommission verabschiedet werden soll, heißt es, dass "eine überfrachtete Agenda, eine mangelhafte Koordinierung, miteinander konfligierenden Prioritäten" für das "enttäuschende" Ergebnis verantwortlich seien. Dem Mangel an politischem Willen seitens der Mitgliedstaaten wird jedoch die Hauptschuld zugeschrieben.
Der Bericht liefert eine sehr gute Analyse der
Gründe für die schleppenden Fortschritte
bei der Umsetzung der Agenda von Lissabon. Insgesamt
bietet sich ein gemischtes Bild: die allgemeine
Beschäftigungsrate stieg von 62,5 Prozent im Jahr
1999 auf 64,3 Prozent im Jahr 2003 an und insbesondere
die Beschäftigung von Frauen erlebte einen
ansehnlichen Anstieg. Die Schaffung neuer
Arbeitsplätze jedoch geriet im Jahr 2003
gänzlich ins Stocken und die Zielsetzung, die
Beschäftigungsrate bis 2010 auf 70 Prozent
anzuheben, wird wohl kaum erfüllbar sein.
In dem Bericht von Kok werden Vorschläge zur Aufhebung der 2010-Frist abgelehnt. Ferner wird ausdrücklich betont, dass die EU nicht versuchen soll, das US-Modell zu kopieren. Er befasst sich ebenfalls mit externen Herausforderungen (durch die USA und die Schwellenwirtschaften Asiens), der internen Herausforderung der Bevölkerungsalterung in Europa und mit den Sorgen und Möglichkeiten, die sich aus der Osterweiterung der EU ergeben.
Die Strategie von Lissabon sei, so der Bericht, zu breit gefasst. "Bei der Lissabon-Strategie geht es um alles und damit im Grunde um nichts. Verantwortlich ist jeder und damit im Grunde niemand. Das eigentliche Ziel der Strategie hat man vielfach aus den Augen verloren. Eine ehrgeizige umfassende Reformagenda braucht einen klaren roten Faden, denn nur so kann sie überzeugend ihre eigene Notwendigkeit vermitteln." Alle Mitgliedstaaten müssten sich die Lissabon zu Eigen machen und die Kommission müsse gewillt sein, diejenigen Länder, die versagen, klar zu nennen und öffentlich anzuprangern sowie die Leistungen der Länder, die erfolgreich sind, öffentlich anzuerkennen.
Der Bericht von Kok macht darüber hinaus Empfehlungen zur Politik in fünf Bereichen:
Wissensgesellschaft:
Binnenmarkt:
Ein günstigeres Klima für Unternehmer:
Aufbau eines anpassungsfähigen und integrativen Arbeitsmarktes:
Eine ökologisch nachhaltige Zukunft:
Zur wirksameren Umsetzung der Strategie von Lissabon macht der Bericht 8 weitere allgemeine Empfehlungen: