Der Versuch, die Strategie von Lissabon wiederzubeleben, erhält eine niederschmetternde Bewertung. In einem Interview mit der Financial Times hat der scheidende Kommissionspräsident Romano Prodi die Bemühungen der Mitgliedstaaten, die EU bis 2010 zum weltweit wettbewerbsstärksten Wirtschaftsraum zu machen, auf vernichtende Weise kritisiert.
Weniger als zwei Wochen vor dem EU-Gipfel, auf dem der Bericht von Wim Koks Expertengruppe über die Lissabon-Strategie diskutiert wird, hat Prodi erklärt: "Lissabon ist ein großer Fehlschlag". Der Grund hierfür ist seiner Ansicht nach die Tatsache, dass die Mitgliedstaaten stur an der Einstimmigkeitsregel, die es einem einzigen Mitgliedstaat ermöglicht, ein Veto gegen einen Vorschlag einzulegen, festhielten. "Einstimmigkeit in allen Wirtschaftsbereichen ist unrealistisch. Will man an ihr festhalten, muss man auch akzeptieren können, dass Lissabon scheitert".
Wim Kok hat erklärt, die Lissabon-Agenda laufe Gefahr, "ein Synonym für verfehlte Ziele und unerfüllte Versprechen zu werden". Er fügte hinzu: "Die Fortschritte, die erzielt worden sind, sind aufgrund des Mangels an Engagement und politischem Willen unzureichend". Der Bericht von der unter der Leitung von Kok stehenden Expertengruppe schlägt vor, dass sich die EU auf 14 einfache Indikatoren konzentrieren solle, anstatt auf die derzeit ungefähr 100.



