EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Neue Kommission: MdEPs begraben das Kriegsbeil [DE]

Veröffentlicht 21. Januar 2010 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Die Europaabgeordneten scheinen sich nicht länger gegen die neuen Kommissare auf dem Kriegspfad zu befinden. So wurde bei Gesprächen in Straßburg gestern (20. Januar) immer wieder deutlich, dass die Fraktionen im Europäischen Parlament ihre Forderungen nach einer Kabinettsumbildung, weiteren Anhörungen oder Ersatzpersonen für bestimmte designierte Kommissare aufgegeben haben.

In einer Reihe inoffizieller Gespräche mit EurActiv sagten Europaabgeordnete, dass sich die Stimmung im Parlament dramatisch gewandelt habe, seitdem die mit der EVP verbundene bulgarische designierte Kommissarin Rumiana Schelewa sich am Dienstag (19. Januar) aus dem Rennen zurückgezogen und die bulgarische Regierung daraufhin eine neue Kandidatin mit ‚hoher Glaubwürdigkeit’ nominiert hatte (siehe ‚Hintergrund’).

Die ersten, die eine Änderung feststellten, waren Europaabgeordnete der Fraktion der Sozialisten & Demokraten (S&D), die ihren Fraktionschef Martin Schulz bereits kurz nach Schelewas Rückzug beglückwünschten.

In der Tat wird der Rückzug einer Kandidatin aus dem gegnerischen politischen Lager nach den Anhörungen in vielen Kreisen als politischer Sieg gewertet.

Dennoch hieß es, Schulz habe seinen politischen Weggenossen von der S&D gesagt, dass dies nun „genug” sei, sowie die Hoffnung ausgedrückt, dass keine neuen Angriffe stattfinden würden.

Keine neuen Angriffe gegen Kommissare

Der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) Joseph Daul sah dies ähnlich. So sagte er in pathetischem Tonfall vor Journalisten in Straßburg, er hoffe, die neue bulgarische Kandidatin werde nicht mit Vorwürfen überhäuft werden, „bevor sie überhaupt in Brüssel eintrifft“.

Dies ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Nach Ansicht bulgarischer Europaabgeordneter aller Parteien hat Georgiewa, derzeit Vizepräsidentin der Weltbank, einen „sauberen” Lebenslauf, der „für sich selbst spricht“. Sie soll heute (21. Januar) mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso für eine erste Einführungs- und Informationssitzung über das ihr zugedachte Ressort zusammenkommen. Angeblich soll Georgiewa dabei Schelewas Portfolio (Internationale Zusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung) übernehmen.

Schelewa ist ihrerseits von ihren Aufgaben als Außenministerin freigestellt worden. Sie wird vom 1972 geborenen Nikolaj Mladenow ersetzt, der während der letzten sechs Monate Verteidigungsminister und zwischen 2007 und 2009 ein mit der EVP verbundener Europaabgeordneter war.

In den vergangenen Tagen waren immer wieder Namen von „problematischen” Kommissaren genannt worden. Zu diesen gehörte die niederländische designierte Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes und ihr finnischer Kollege Olli Rehn, der für Wirtschafts- und Währungsfragen zuständig sein soll. Beide sind Liberale und wurden als Mitglieder der derzeitigen Barroso-Mannschaft positiv bewertet. Jedoch gelang es ihnen nicht, die Europaabgeordneten von ihren vertieften Kenntnissen zu Themen in ihren neuen Verantwortungsbereichen zu überzeugen.

Der litauische designierte Kommissar Algirdas Šemeta, der mit der EVP verbunden ist und einen kurzen Auftritt in der ersten Barroso-Kommission hatte, ist nun für Steuern und Zollunion, Audit und Betrugsbekämpfung vorgesehen. Er enttäuschte bei seiner Anhörung ebenso wie sein ungarischer Kollege von den Sozialdemokraten, László Andor, dem Beschäftigung, Soziales und Integration zugewiesen wurde.

Einem weiteren Sozialdemokraten, Maroš Šefčovič, der für interinstitutionelle Beziehungen und Verwaltung vorgesehen ist, wird von der EVP Antiziganismus vorgeworfen. Diese Vorwürfe hat er jedoch deutlich zurückgewiesen (EurActiv vom 19. Januar 2010).

Sogar Catherine Ashton, die als erste Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik der Union vorgesehen ist, wurde teilweise als „problematisch” betrachtet, weil einige ihrer Antworten als unbefriedigend empfunden wurden oder mangelnde Kenntnisse über ihr Ressort offenbarten.

In den vergangenen Tagen waren daher Gerüchte über einschneidende Veränderungen der Ressortzuteilungen aufgekommen, darunter die mögliche Herabstufung von Kommissaren, die einen schlechten Eindruck gemacht hatten – bei einigen möglicherweise durch Aberkennung ihres Titels als Vizepräsident der Kommission.

Solche Bestrebungen galten jedoch eher als parteipolitische Retourkutschen zwischen den Fraktionen anstatt wirklicher Bemühungen, die Verteilung der Zuständigkeiten in der zweiten Barroso-Mannschaft zu verbessern.

Quellen aus der EVP sagten EurActiv am Mittwoch (20. Januar), dass sich die wesentlichen Fraktionen inzwischen ungeachtet aller Bedenken darauf geeinigt hätten, eine Abstimmung für den 9. Februar anzustreben, ohne vorher neue Anhörungen oder Änderungen bei den Ressorts zu verlangen.

Sie bestätigten, dass es Šefčovič, der jüngst als beliebteste Zielscheibe der EVP betrachtet wurde, gelungen sei, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften. Bei Wein und belegten Broten anlässlich des neuen Jahres wirkte der EVP-Fraktionschef Joseph Daul im Gespräch mit Journalisten entspannt und davon überzeugt, dass die neue Kommission am 9. Februar im Amt sein werde.

Ressort-Überschneidungen

Die Anhörungen verdeutlichten, dass der von Barroso vorgenommene Zuschnitt der Ressorts zu einer beispiellosen Überschneidung von Verantwortlichkeiten geführt hat. Dies könnte sich in den kommenden Monaten und Jahren als problematisch erweisen.

So könnte die dänische, für Klimapolitik verantwortliche Connie Hedegaard Schwierigkeiten damit haben, ihren Zuständigkeitsbereich gegenüber dem für Umwelt zuständigen Slowenen Janez Potočnik oder sogar dem für Energie zuständigen Deutschen Günther Oettinger abzugrenzen.

Das Gleiche gilt für die schwedische Cecilia Malmström, die für Inneres zuständig sein wird, die Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft Viviane Reding und László Andor, der unter anderem für Anti-Diskriminierung zuständig sein wird.

Schließlich scheint der Kommissar für Entwicklung, der Lette Andris Piebalgs, mit der für internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung zuständigen bulgarischen Kommissarin vielen Gemeinsamkeiten zu teilen. Beide werden, ebenso wie der tschechische Stefan Füle, der für Erweiterung und Nachbarschaftspolitik zuständig sein wird, Catherine Ashton unterstehen. Europaabgeordnete bewerten dies als neue Form der Hierarchie und weiteren Risikofaktor.

Während der Anhörungen wurde zudem deutlich, dass sich Ashton stark auf die Zusammenarbeit mit Šefčovič wird verlassen müssen. Dieser ist für die Rekrutierung für den Europäischen Auswärtigen Dienst zuständig, der in den kommenden Monaten geschaffen werden soll.

Die Überschneidungen bei den Ressorts sind Insidern zufolge ein Signal für Barrosos Strategie, der einzige Vermittler zu sein und einen wertvollen frühen Vorteil bei künftigen Streitereien über Zuständigkeiten zu bekommen. Einige der „problematischen“ Kommissare wie Rehn oder Kroes sind tatsächlich diejenigen, denen er sich am nächsten fühlt.

Experten zufolge hat diese Strategie System: Indem er ihnen unvertraute Zuständigkeiten übertrage, würden diese Menschen von Barroso abhängiger. Damit stärke Barroso seinen inneren Machtzirkel.

Hintergrund : 

Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hat innerhalb seiner neuen Mannschaft die Ressorts auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen Kandidaten verteilt. Die neue Kommission wird aus 27 Mitgliedern – ein Mitglied pro Land – bestehen (EurActiv vom 27. November 2009).

Der nächste Schritt war eine dreistündige Fragerunde mit jedem Kandidaten im jeweils zuständigen Parlamentsausschuss. Bei der Bewertung der Kandidaten berücksichtigten die Europaabgeordneten die allgemeinen Kompetenzen der designierten Kommissare, ihr europäisches Engagement sowie ihre persönliche Unabhängigkeit. Die Anhörungen endeten am 19. Januar.

Da die bulgarische designierte Kommissarin Rumiana Schelewa (Internationale Zusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung) nach einer fragwürdigen Leistung und verschiedenen Vorwürfen jedoch zum Rückzug gezwungen wurde (EurActiv vom 16. Dezember 2009vom 13. Januar 2010  und vom 15. Januar 2010), wird die neue bulgarische Amtsanwärterin, Kristalina Georgiewa, am 3. Februar vorsprechen müssen.

Ebenso musste die designierte Kommissarin für das Ressort ‚Digitale Agenda’, Neelie Kroes, am 19. Januar ein zweites Mal vor dem Koordinatorenausschuss des parlamentarischen Ausschusses für Industrie, Forschung und Unternehmen erscheinen. Diese zweite Anhörung bestand sie jedoch erfolgreich (EurActiv vom 20. Januar 2010).

Das Europäische Parlament wird am 9. Februar in Straßburg über die gesamte Kommission abstimmen.

Auch in der Vergangenheit waren bereits einige Länder dazu gezwungen worden, ihre nominierten Kommissare zurückzuziehen, um eine Abstimmungsniederlage der gesamten Kommission zu vermeiden. So wurde 2004 der designierte italienische Kommissar Rocco Buttiglione abgelehnt, woraufhin Barroso eine umgebildete Kommission vorstellen musste, um eine Krise abzuwenden.

More in this section

Advertising